"Aufklärungsarbeit beginnen" Gesundheitsminister Spahn will Organspende zum Unterrichtsthema machen

In Deutschland sterben pro Tag drei Menschen, weil für sie kein lebensrettendes Spenderorgan gefunden wurde. Gesundheitsminister Spahn will das ändern - und bereits im Unterricht aufklären lassen.

Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) fordert, dass jeder Organspender wird, der nicht zu Lebzeiten widersprochen hat
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Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) fordert, dass jeder Organspender wird, der nicht zu Lebzeiten widersprochen hat


Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) fordert im Zuge seiner Werbekampagne für mehr Organspenden, das Thema auch im Unterricht zu behandeln. Ein unter Federführung der Deutschen Stiftung Organtransplantation erstandener Initiativplan sieht vor, das Thema langfristig in die Lehrpläne aufzunehmen.

"Da eine Entscheidung gegen die Organspende mit der Vollendung des 14. Lebensjahres und die Entscheidung für die Organspende im Alter von 16 Jahren getroffen werden kann, ist es sinnvoll, bereits in der Schule mit der Aufklärungsarbeit zu beginnen", zitiert die "Rheinische Post" aus dem ihr vorliegenden Plan. So könnten mögliche Berührungsängste mit dem "mitunter tabuisierten Thema" frühzeitig abgebaut werden.

Spahn sagte der Zeitung, die differenzierte Ansprache verschiedener Zielgruppen in der Bevölkerung könne helfen, Organspenden zu einer Selbstverständlichkeit zu machen. Neben Schülern sollen dem Bericht zufolge auch Migranten und Senioren gesondert angesprochen werden. Bürger ab 65 Jahren sollen demnach besonders darüber aufgeklärt werden, dass es für die Organspende keine Altersgrenze gibt.

Statistisch gesehen sterben in Deutschland pro Tag drei Menschen, weil sie vergebens auf ein lebensrettendes Organ warteten. Noch in diesem Jahr will der Bundestag eine Neuregelung auf den Weg bringen, um die Zahl potenzieller Organspender zu erhöhen. Eine parteiübergreifende Gruppe um Gesundheitsminister Spahn hatte dazu einen gemeinsamen Gesetzentwurf ausgearbeitet. Demnach soll jeder automatisch Organspender werden, der dem nicht zu Lebzeiten widersprochen hat.

Der Gesetzentwurf sieht vor, dass alle Personen ab 18 Jahren ausführlich informiert und als Spender registriert werden sollen. Der Widerspruch soll in einem bundesweiten Register dokumentiert werden, Betroffene könnten ihn jederzeit selbst erstellen, bearbeiten und auch löschen.

Die Initiative sorgte im Bundestag für Diskussionen, Gegner äußerten ethische und juristische Bedenken. Eine Gruppe um Grünenchefin Annalena Baerbock legte einen Gegenentwurf vor, wonach Bürger etwa bei der Beantragung eines Personalausweises automatisch über die Organspende informiert werden sollen. Wenn sie das Dokument abholen, sollen sie demnach gebeten werden, sich zu entscheiden.

Bisher ist das bundesweite Register zur Organspende nicht verpflichtend. Über die Entwürfe zu möglichen neuen Regeln soll der Bundestag ohne Fraktionsvorgaben entscheiden. Die Abstimmung wird frühestens im Herbst erwartet.

nil/dpa



insgesamt 29 Beiträge
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Seite 1
Nonvaio01 25.06.2019
1. was fuer eine dumme idee
denn solange die Kinder keine 18 sind, entscheiden die eltern und sonst niemand.
*Querdenker* 25.06.2019
2. Und wenn die Kinder 18 sind
Zitat von Nonvaio01denn solange die Kinder keine 18 sind, entscheiden die eltern und sonst niemand.
Und wenn die Kinder 18 sind, ist Spahn kein Gesundhjeitsminister mehr. Außerdem ist Bildung meines Wissens Ländersache und nicht Sache des Gesudheitsministeriums.
Leser161 25.06.2019
3. Meinung hat in der Schule nichts zu suchen
Gerne eine Aufklärung zu Organspende mit all ihren Facetten. Wissen ist immer gut. Da Spahn jedoch als erklärtes Ziel auf den Fahnen hat die Organspendebereitschaft zu erhöhen wird er kaum eine neutrale Aufklärung im Kopf, sondern Beeinflussung. Da bin ich strikt gegen. Schule soll Wissen vermitteln nicht Meinung, selbst bei Themen für die ich für bin, Kinder sollen selber entscheiden lernen und nicht kritiklos übernehmen was Ich, Lehrer oder Herr Spahn sagen.
Lexington67 25.06.2019
4. Nein...
"In Deutschland sterben pro Tag drei Menschen, weil für sie kein lebensrettendes Spenderorgan gefunden wurde." Ähhh.. nein. Die Sterben nicht weil für sie kein Spenderorgan gefunden wurde. Sie sterben weil sie krank waren und ihr Organ versagt hat. So ist nun mal der Lauf der Welt, Menschen sterben, das ist unvermeidlich. Der eine früher, der andere später und ich bin absolut gegen eine Organspendepflicht weil der Missbrauch unvermeidlich kommt. Wir haben jetzt schon eine Zweiklassenmedizin, nicht auszudenken was passiert wenn da noch ein Organhandel dazukommt.
Vally 25.06.2019
5. Das wahre Problem...
... liegt doch in den Kliniken. Einige melden regelmäßig Organe, andere kein einziges in 20 Jahren. Sie fragen nicht, ob die Leute Organspender sind, weil sich für sie der Aufwand der Entnahme und die Organisation nicht lohnt, sondern eine zusätzliche Belastung im Klinkalltag bedeutet. Da können wir noch so viele Organspendeausweise bei uns tragen. Daher wünsche ich mir hier einen anderen Ansatz.
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