Jobs in echt - Busfahrer "Wie ein Auto, nur länger und breiter"

Steve Unger wollte schon immer nur das eine: Busfahrer werden. Die Führerscheinprüfung bestand er mit Bravour und noch vor seinem 18. Geburtstag. Jetzt saust er mit knapp 300 Pferdestärken durch den Landkreis Gotha - und träumt von der ganz großen Tour.


"Fast meine ganze Familie arbeitet in der Busbranche. Da habe ich schon früh festgestellt, dass mir der Beruf gefällt. Der Umgang mit Menschen, die Verantwortung für den Bus und die breiten Einsatzmöglichkeiten faszinieren mich.

Momentan bin ich im ersten Lehrjahr meiner Ausbildung zum Berufskraftfahrer im Personenverkehr. Zwei Jahre habe ich noch vor mir. Die Ausbildung läuft zweigleisig: eine Woche Berufsschule, zwei Wochen Praxis. Ich bin der Jüngste in meiner Theorieklasse und vor allem der einzige Busfahrschüler. Meine Mitschüler werden alle Lkw-Fahrer.

Den Grundstoff haben wir gemeinsam, wie zum Beispiel Routenplanung und den Aufbau der elektrischen Anlagen. Was unsere Ausbildung unterscheidet, sind die Seminare zum Umgang mit Kunden, das brauchen Lkw-Fahrer ja nicht. Manchmal finde ich es ein bisschen schade, dass ich der einzige Busfahrschüler bin. Es wäre schön, wenn ich jemanden zum Austauschen hätte.

Beide Prüfungen fehlerfrei bestanden

Im Praxisteil meiner Ausbildung lerne ich viel Technisches: Wartung und Pflege des Busses, Elektrik und Pannenbehebung. Das ist spannend. Aber das Beste war die Fahrschule. Ein Vierteljahr habe ich für Theorie- und Praxisunterricht gebraucht. Meine erste Fahrstunde hatte ich in einem Gewerbegebiet. Das ging gut.

Fahrschulbusse haben auch auf der Beifahrerseite ein extra Gas- und Bremspedal, so dass der Fahrlehrer immer eingreifen kann. Mein Fahrlehrer war total überrascht, dass ich von Anfang an so gut klar kam. Ich hatte vorher schon meinen Moped- und Autoführerschein gemacht. Deswegen ist mir das Fahren des Busses auch nicht schwergefallen. Ist ja auch nicht anders, als ein Auto zu fahren - nur, dass Busse eben länger und breiter sind.

Die Prüfungen liefen wie beim normalen Führerschein, hatten aber andere Fragen und Themenfelder. Die Praktische begann beispielsweise mit einer Abfahrtkontrolle. Ich musste die Bremslichter prüfen, Verbandskästen kontrollieren und eine Glühbirne wechseln. Dann ging es los: Eine knappe Stunde durch die Stadt und über die Autobahn. Am Ende habe ich noch zwischen zwei Bussen eingeparkt. Glücklicherweise habe ich sowohl die Theorie- als auch die Praxisprüfung gleich beim ersten Mal bestanden.

Traumberuf: Reisebusfahrer

Ich bin an einem Wochenende 18 geworden und habe dann gleich meinen Führerschein am Montag abgeholt. Vor meiner ersten offiziellen Fahrt im Linienverkehr war ich gar nicht so nervös. Zum Glück sind Ferien, das heißt, es sind sowieso weniger Fahrgäste unterwegs. Bei meiner ersten Fahrt ist mir aufgefallen, dass die Fahrgäste erstaunt waren, dass ein so junger Fahrer da sitzt - und dass er schon so gut fährt.

Zur Sicherheit fährt bis zum Ende meiner Ausbildung immer ein erfahrener Busfahrer mit, der mir Tipps gibt oder mal das Lenkrad übernimmt, wenn ich nicht mehr kann. Immerhin erfordert es ganz schön Konzentration, so einen Linienbus von knapp 300 PS zu steuern.

Ich werde im gesamten Landkreis Gotha in Thüringen auf allen fünf Linien eingesetzt. Der Einzugsbereich ist ziemlich groß. Mein Traumberuf ist allerdings Reisebusfahrer. Zwar darf ich die Doppeldecker auch schon jetzt auf dem Betriebshof fahren, aber erst ab 21 im Verkehr. Im Herbst mache ich noch meinen Führerschein für Bus und Anhänger. Das ist dann die Klasse DE. Die brauche ich, wenn ich später Reisebusse fahren will. Die haben ja oft Anhänger fürs Gepäck.

Im Rahmen meiner Ausbildung bin ich im letzten Jahr schon auf drei Reisen innerhalb Deutschlands mitgefahren. Das war super. Ich habe mich vorher zu Hause hingesetzt und mir alle wichtigen Information über den Weg und das Ziel zusammengesucht: Geschichtliches, Stadtpläne, Routeninfos. Ich finde es spannend, in die unterschiedlichen Regionen Europas zu fahren. Dass man nicht oft zu Hause ist, stört mich dabei gar nicht."

Aufgezeichnet von Anne Fromm

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