Jobs in echt - Tierpräparator Das geht unter die Haut

"Eklig", sagen manche Freunde. "Das ist mein Beruf", sagt Benedikt Henzler, 18. Er arbeitet als Tierpräparator. Toten Waschbären, Vögeln, Chamäleons zieht er die Haut ab und spannt sie auf Körper aus Torf und Holzwolle. Gern und oft beobachtet er lebende Tiere und fertigt Skizzen an.

Anita Kirner

"Zoologischer Präparator ist schon ein exotischer Beruf. Für mich ist er auf jeden Fall genau richtig. Ich habe mich schon immer für Tiere interessiert. Als ich noch klein war, habe ich aus dem Wald Molche und Salamander mit nach Hause gebracht, um sie zu beobachten. Mein Vater musste damals extra für mich den Angelschein machen, weil ich so wild aufs Angeln war.

Mit sechs Jahren habe ich meine erste Schlange bekommen - eine Königspython. Jahre später musste ich mir überlegen, was ich beruflich machen wollte. Für ein Studium der Tiermedizin waren meine Noten zu schlecht, die Berufaussichten als Tierpfleger waren damals schon nicht gerade rosig.

Auf meine Ausbildung hat mich aber eher der Zufall gebracht: Ein Bekannter unser Familie ist Zoologischer Präparator - mein heutiger Chef. Er kann sehr gut erzählen und kennt unzählige Geschichten. Immer wenn er kam, waren meine Freunde und ich auch da und hörten staunend zu. Da war für mich klar, dass ich Tierpräparator werden will.

Meine Eltern standen hinter mir - sie wussten, dass es das Richtige für mich ist. Aus meinem Bekanntenkreis kamen da schon eher mal doofe Sprüche. So musste ich mir schon so Dinge anhören wie: 'Mein Gott, bist du krank' oder 'Das ist ja eklig'. Aber für mich ist das Geschwätz, viele denken einfach nicht nach und wollen auch gar nicht, dass ich ihnen erkläre, was ich eigentlich mache.

Ich beschäftige mich mit lebenden Tieren so viel wie mit toten

Jetzt bin ich im zweiten Jahr meiner Ausbildung, mein Arbeitgeber ist das Zoologische Institut der Universität Tübingen. Es gibt nur wenige Ausbildungsplätze in ganz Deutschland - ich habe einen davon. Darauf bin ich schon ein wenig stolz.

Vor allem aber bin ich froh, einen Beruf gefunden zu haben, der so abwechslungsreich und vielseitig ist. Man muss sich viele Fertigkeiten aneignen und braucht ein breites Fachwissen: Holz- und Metallbearbeitung gehören genauso zur Ausbildung wie der Umgang mit Chemikalien, zum Beispiel für das Gerben der Felle und Tierhäute. Im Mittelpunkt stehen aber Zoologie und Naturschutz.

Zwar hört es sich im ersten Moment absurd an, aber ich beschäftige mich beinahe genauso viel mit lebenden Tieren wie mit toten - sonst würden meine Präparate nicht realistisch aussehen. Da kommt mir mein großes Interesse an Tieren und meine Beobachtungsgabe zugute. Ich kann mir stundenlang ein Tier anschauen und seine Bewegungen und sein Verhalten studieren. Anschließend fertige ich Skizzen und Zeichnungen an, die mir später helfen, ein präpariertes Tier realistisch aussehen zu lassen.

Überzählige tote Tiere frieren wir erstmal ein

Man muss sich nicht gut auskennen, um zu sehen, dass manche Präparate eher Plüschtieren gleichen und nicht besonders natürlich sind. Viele Menschen glauben auch, dass wir die Tiere speziell für unsere Präparate töten. Das ist aber nicht so. Bei uns am Institut geht es nicht ums Trophäen-Sammeln, sondern um wissenschaftliche Arbeit. Schließlich sind unsere Präparationen für Lehr- und Unterrichtszwecke bestimmt.

Sonst würden die Naturkundlichen Museen leer stehen, Biologiestudenten hätten keine Anschauungsobjekte mehr und müssten alles aus Büchern lernen. Für mich ist das auch ein Beitrag zum Tier- und Umweltschutz: Man ist viel eher bereit dazu, auf etwas acht zu geben, wenn man es schon mal aus der Nähe gesehen hat und kennt.

Aber natürlich brauchen wir tote Tiere, um Präparate zu machen. Das geschieht auf mehreren Wegen: Die exotischen Tiere kommen unter anderem aus der Wilhelma in Stuttgart, dem Zoo. Einheimische Tiere werden dagegen oft von Passanten tot gefunden oder kommen aus dem Vogelschutzzentrum Mössingen und werden ins Institut gebracht.

Normalerweise mangelt es uns nicht an Darstellungsobjekten, so dass wir viele Tiere erst einmal einfrieren. Später werden die Tiere dann in einem speziellen Bad mit Salz und Bakteriziden aufgetaut, anschließend für das Datenblatt genau gemessen und gewogen. Fell oder Haut werden abpräpariert und beim Gerben haltbar gemacht.

Am Tiergesicht zeigt sich, wer sein Fach beherrscht

Wenn ein Tier selten oder wertvoll ist, wird der Rest des Körpers als Skelett ausgestellt, ansonsten entsorgt. Anders als viele glauben, werden die Tiere nicht 'ausgestopft', sondern es wird ein neuer Körper entweder aus Holzwolle gewickelt oder aus Torf geschnitzt. Da braucht man schon ein gutes räumliches Vorstellungsvermögen, genaue Skizzen helfen weiter.

Anschließend werden die modellierten Körperteile zusammengesetzt und das Fell wieder fixiert. Der schwierigste Teil kommt am Schluss - das Gesicht. Mit Modelliermasse formt man die Gesichtszüge. Daran zeigt sich auch, wer sein Fach beherrscht - oft sehen die Präparate allein durch falsche Gesichtszüge oder schlecht positionierte Augen unecht aus. Zum Abschluss gibt es noch etwas Kosmetik: Mit der Airbrush-Pistole werden fahle Stellen im Fell ausgebessert, Haare werden gekämmt und wenn notwendig auch die Konturen mit Farbe nachgezogen.

Mein erstes eigenes Präparat werde ich nie vergessen - ein Eichelhäher, der als Lehrmittel für Studenten eingesetzt wurde. Im Moment bin ich dabei, einen Waschbären herzurichten.

Und nebenher verewige ich noch mein Chamäleon 'Glotzer', das kürzlich gestorben ist, nach acht Jahren. Sowieso habe ich eine Vorliebe für Reptilien, schon allein, weil ich privat verschiedene Warane besitze. Später möchte ich mich gerade auf die Präparation von Reptilien spezialisieren. Aber mal schauen, was alles noch so kommt, schließlich hat der Beruf einiges zu bieten."

aki

insgesamt 7 Beiträge
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Seite 1
kwieen 06.07.2010
1. Sehr interessanter Beruf
Ich habe gerade den Artikel gelesen und finde ihn super interessant. Ich bin sehr erstaunt, wie Ahnungslosigkeit zu Verunglimpfungen eines Menschen führen kann.
mstiger 06.07.2010
2. Tierpräparator
Der Artikel war ja sehr interessant. Nur meines Erachtens nach ist das als Waran abgebildete Reptil mit Sicherheit kein solcher. Vielleicht weiß dies jemand genauer.
werdumich 06.07.2010
3. hehe
meine eltern sind tierpräparatoren ich bin damit aufgewachsen :D es gibt durchaus präparatoren die das tier einfach mit formaldehyd behandeln. aber um wirklich gute und lebendige präparate zu machen muss man nunmal aus holzwolle,garn und draht einen kompletten körper modellieren, und den gesamten rest wie ein maler(zb mit ölfarbe) nachzeichnen können. achja als kind fanden das auch immer alle besucher eklig weil überall tiere/kadaver etc rumlagen ;) aufjedenfall ist das eine schöne sache wenn man nicht verdienen möchte und künstlerisch sehr begabt ist :D
Katzenkönig 07.07.2010
4. rätsel, rätsel...
Zitat von mstigerDer Artikel war ja sehr interessant. Nur meines Erachtens nach ist das als Waran abgebildete Reptil mit Sicherheit kein solcher. Vielleicht weiß dies jemand genauer.
Ich habe zwar keine Ahnung von Reptilien, würde aber mal auf eine Bartagame tippen...
Bruddler, 07.07.2010
5. Waran - Leguan
Zitat von mstigerDer Artikel war ja sehr interessant. Nur meines Erachtens nach ist das als Waran abgebildete Reptil mit Sicherheit kein solcher. Vielleicht weiß dies jemand genauer.
Ich bin auch kein Reptilienfachmann tippe aber eher auf Leguan, Agame oder Ähnliches.
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