Jüngste Olympionikin Was Gaurika, 13, ihrem Trainer vor dem Schwimmerfolg simste

Sie ist die jüngste Olympiateilnehmerin: Die Nepalesin Gaurika Singh schwamm im Vorlauf am schnellsten - trotz eines Badeanzug-Dramas kurz vor dem Start.

DPA

Als ob es nicht schon genug wäre für die Nerven, wenn man zum ersten Mal bei den Olympischen Spielen antritt - mit 13 Jahren. Der Schwimmerin Gaurika Singh passierte noch etwas, das sogar erfahrene Sportler nervös machen würde: Mit ihrem Fingernagel blieb sie in ihrem Badeanzug hängen, als sie ihn anziehen wollte, nur Minuten vor ihrem Vorlauf über 100 Meter Rücken.

Der Anzug riss - und die jüngste Teilnehmerin der Olympischen Spiele in Rio de Janeiro stand plötzlich ohne intakte Sportkleidung da. "Da war ich ganz schön nervös", gab die Schülerin aus Nepal zu. Was tun?

Singh schickte ihrem Trainer Rhys Gormley in London eine SMS und fragte ihn, was sie machen sollte. Einen anderen Badeanzug anziehen, simste der zurück.

Singh wechselte also ihre Kleidung - und gewann kurz darauf in 1:08,12 Minuten ihren Vorlauf. "Es war unglaublich", sagte sie grinsend. Es sei ein tolles Gefühl, den eigenen Namen ganz oben auf der Anzeigetafel zu lesen.

Die Nepalesin lebt in London, bereits als Zweijährige zog die Familie nach Großbritannien, weil Singhs Vater dort einen Job als Urologe in einem Krankenhaus bekommen hatte.

Singh überlebte das Erdbeben in Nepal

Heute steht Singh für das Schwimmtraining vor der Schule häufig schon um vier Uhr morgens auf. Als Elfjährige nahm sie erstmals an Landesmeisterschaften in Nepal teil. Als sie in einem von zwei 50-Meter-Pools des Landes elf nationale Rekorde aufstellte, kam zum ersten Mal der Gedanke an Olympia auf. "Ich war mir unsicher, ob ich nicht zu jung war. Als sie mir vor einem Monat gesagt haben, dass ich dabei bin, war ich geschockt", erzählt Gaurika Singh.

Rio ist jedoch nicht der erste große Wettkampf: Die Schülerin hat bereits an der WM im vergangenen August im russischen Kasan teilgenommen, und auch bei den Südasien-Spielen im Februar in Indien gewann sie vier Medaillen.

Fast jedoch hätte Singh Olympia nicht erlebt. Als im vergangenen Jahr in ihrer Heimat Nepal bei einem verheerenden Erdbeben 9000 Menschen starben, war Singh gerade in der Hauptstadt Kathmandu, um an den nepalesischen Meisterschaften teilzunehmen. Sie überlebte im fünften Stock eines Hochhauses nur, weil sie unter einen Tisch kroch.

"Es war schrecklich. Wir warfen uns unter einen Tisch im fünften Stock. Zum Glück brach das Gebäude nicht zusammen wie die anderen drumherum." Seitdem spendet sie ihr Preisgeld von Wettkämpfen, immerhin 200 Pfund (236 Euro).

"Es ist schon beeindruckend, wie sie mit allem Druck umgeht", sagt der stolze Vater Paras Singh. Bei aller Lockerheit zeigt seine Tochter aber auch vor der Weltpresse die typischen Probleme eines Teenagers. Als ihr großes Idol, der australische Weltmeister Mitch Larkin, auf der Bahn neben ihr trainiert, will sie ihn ansprechen: "Aber aus meinem Mund kam nichts heraus."

Marc Zeilhofer/Christian Kunz/dpa/sid/lgr



insgesamt 4 Beiträge
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StefanieTolop 08.08.2016
1. Hilfe, mein Badeanzug hat einen Riß
Was soll ich da nur machen. Na, einen anderen anziehen? Darauf muss man erst einmal kommen. Jetzt weiß ich wenigstens warum es so viele Funktionäre gibt. Da ist eben jeder ein Fachmann auf einem ganz eigenen Gebiet...
hansgustor 09.08.2016
2. Altersgrenze?
Warum wurde bei vorherigen Spielen über eine chinesische Turnerin berichtet, ihr Ausweis wäre gefälscht um sie alt genug gut für Olympia zu machen? Gibt es nur in manchen Sportarten Altersgrenzen?
austenjane1776 09.08.2016
3. Olüümpia mit 13?
Was ist daran so toll? KInderarbeit ist doch verboten. Hoffentlich besucht das Kind wenigstens eine Schule... Mal abgesehen von der Vermutung, dass sie unter Umständen gegen die ältere und erfahrenere Konkurrenz "unterstützt" wurde? Für mich ist das eher ein "Verdachtsfall" als ein "Erfolg".
Bocuse_AK 09.08.2016
4.
Zitat von austenjane1776Was ist daran so toll? KInderarbeit ist doch verboten. Hoffentlich besucht das Kind wenigstens eine Schule... Mal abgesehen von der Vermutung, dass sie unter Umständen gegen die ältere und erfahrenere Konkurrenz "unterstützt" wurde? Für mich ist das eher ein "Verdachtsfall" als ein "Erfolg".
"... gab die Schülerin aus Nepal zu." Es reicht, den Artikel zu lesen. Aber manchmal ist auch das eine Überforderung.
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