Jugend forscht Die Erben des Ikarus beim Kanzler

Bundespräsident und Kanzler beglückwünschten sie persönlich, obendrein konnten die Sieger des Wettbewerbs "Jugend forscht" Preise im Gesamtwert von 150.000 Euro einsammeln. Erfolgsbasis: zündende Ideen, Begabung und Ausdauer - ein Überblick über die originellsten Projekte der Preisträger.


Moderne Aerodynamik für Flugzeugflügel
Stiftung Jugendforscht e.V.

Moderne Aerodynamik für Flugzeugflügel

1700 Euro Preisgeld für den ersten Platz in Physik erhielt am Donnerstagnachmittag der Berliner Pawel Piotrowski von Bundeskanzler Gerhard Schröder. Piotrowski hat von Schwänen gelernt und ihren niedrigen Flug übers Wasser ausgiebig analysiert. Daraus entwickelte der 18-Jährige Spezialflügel für Fluggeräte, die sich durch den Luftkisseneffekt mit hoher Geschwindigkeit über Wasserflächen bewegen können - dadurch könnten die Spezialflugzeuge schwere Lasten ökonomisch transportieren.

Pawel Piotrowski ist nur einer von insgesamt 213 Finalisten, die mit 112 Projekten in den Fachgebieten wie Biologie, Arbeitswelt, Chemie, Mathematik und Informatik beim Wettbewerb "Jugend forscht" mitmachten. Bereits am vergangenen Wochenende beglückwünschte Johannes Rau das Trio Daniel Junker, Christian Arm, beide 17, und Andreas Hofmann, 16.

Vorsicht, heiß!

Belüftungsalternative für erhöhten Brandschutz im Tunnel
Stiftung Jugendforscht e.V.

Belüftungsalternative für erhöhten Brandschutz im Tunnel

Der Bundespräsident überreichte ihnen einen Sonderpreis in Höhe von 1700 Euro für ein Konzept, das die Sicherheit vieler Tunnel erhöhen könnte: Bisher sitzen Tunnel-Belüftungsventilatoren meist direkt unter der Decke und werden sehr schnell von Flammen zerstört. Mit dem Überhitzen der Ventilatorkabel bricht dann die gesamte Stromversorgung zusammen.

Die Alternative der Gymnasiasten: raus aus dem Tunnel mit den Apparaten. Wenn die Ventilatoren außerhalb sitzen, saugen sie Luft durch die Deckenöffnung in der Mitte des Tunnels und einen Belüftungskanal an. Durch den Unterdruck strömt frische Luft in die Röhre. Selbst bei hohen Temperaturen bleiben Belüftung und Stromversorgung intakt - ein Projekt, das beim ADAC und bei Verkehrsminister Kurt Bodewig Beachtung finden dürfte.

Temperaturschwankungen in blau, gelb, grün
Stiftung Jugendforscht e.V.

Temperaturschwankungen in blau, gelb, grün

Den zweiten Platz im Fachgebiet Chemie belegten Stephan Peitz, Susanne Reetz und Jonas Buche mit einer esoterisch anmutenden Erfindung aus dem Bereich der Thermochromie. Allgemein bekannt ist der Stein, der je nach Laune des Trägers die Farbe wechselt. Die 19-Jährigen aus Mecklenburg-Vorpommern haben dieses Wechselspiel auf Farbstoffe übertragen.

Ausgehend vom blauen Farbstoff Bromthymolblau entwickelten sie ein Gemisch, dessen Farbe bei 60 Grad Celsius in grün umschlägt und bei 90 Grad gelb wird. Die Verwendungsmöglichkeiten dieser Erfindung sind groß - zum Beispiel für Farbthermometer oder für visuelle Warnsysteme wie farblich veränderbare Kacheln, die zeigen: Nicht anfassen, heiß!

Einfaches CD-Recycling

Auf die Idee, alte CDs umweltfreundlich wieder zu verwenden, kamen Yang Nashi Warouw, 20, Friederike Steiff, 16, und Brian Schlede, 21. Die Silberscheiben bestehen zu 99 Prozent aus Polycarbonat-Kunststoff, der dünn mit Aluminium und Lack beschichtet ist. Dennoch wandern fast alle ausgedienten CDs in den Restmüll, da ihr Recycling aufwändig ist und die Überbleibsel von minderer Qualität sind.

CD-Recyclingsmethode aus Thüringen: Laser contra Kunststoffreste
Stiftung Jugendforscht e.V.

CD-Recyclingsmethode aus Thüringen: Laser contra Kunststoffreste

Die drei Jungforscher setzten einen Laserstrahl ein, statt mit giftigen und teuren Chemikalien zu hantieren oder die CDs mechanisch mit einem Messer abzuschälen. Mit dem Laser werden die Aluminium- und Lackschicht problemlos vom Kunststoff abgelöst. Weitere Vorteile: Das wiedergewonnene Polycarbonat ist sortenrein; auch selbstgebrannte CDs lassen sich recyceln.

Bundesministerin Edelgard Bulmahn zeigte sich bei der Preisverleihung des 37. Wettbewerbes beeindruckt von Wissen und Kreativität des wissenschaftlichen Nachwuchses: "Es gibt kaum eine schönere Aufgabe, als die Begabungen von Kindern und Jugendlichen zu fördern, Wissensdurst zu stillen und zu erleben, wie Kinder und Jugendliche sich mit Neugier und Kreativität die Welt erschließen," so die SPD-Politikerin.

Patricia Batlle



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