Jugendgewalt an Hauptschule Hilferuf eines Schulleiters

Eingeschlagene Scheiben, zerstochene Reifen, Drohungen gegen Lehrer: Der Leiter einer Hauptschule im niedersächsischen Garbsen schlägt Alarm. Er hat Video-Überwachung, Polizei-Patroulien und Ausweispflicht für Schüler vorgeschlagen. Bei einem Krisentreffen kam allerdings wenig heraus.

Polizist vor Kopernikus-Hauptschule, Garbsen: Wie vorgehen gegen gewalttätige Schüler?
DPA

Polizist vor Kopernikus-Hauptschule, Garbsen: Wie vorgehen gegen gewalttätige Schüler?


So richtig glatt läuft es schon seit langem nicht an der Nikolaus-Kopernikus- Hauptschule im niedersächsischen Garbsen, in der Nähe von Hannover. Doch in der letzten Zeit habe sich die Situation zugespitzt, sagt Susanne Strätz, Sprecherin der Landesschulbehörde. Die Schüler erpressten und mobbten sich gegenseitig, bedrohten auch Lehrer. Autos der Pädagogen wurden demoliert, Scheiben eingeschlagen. Die Lage an der Schule, die in einem sozialen Brennpunkt liegt, schien zu eskalieren.

Schulleiter Albert Seufer schlug Alarm; er lud Polizei, Schulbehörde und Vertreter der Stadt zu einem Krisentreffen, um Gegenmaßnahmen zu besprechen. In dem Einladungsschreiben schlägt er einiges vor: Videoüberwachung, eine bessere Beleuchtung, einen Wachmann, Ausweispflicht der Schüler, stärkere Polizeipräsenz.

Laut Polizei gab es in den vergangenen 2,5 Jahren 17 Straftaten in der Schule, die angezeigt wurden. Wie viele nicht angezeigte Vorfälle es gab, ist unklar. Ein Polizei-Sprecher sagte, es handele sich um eine kleine Schülergruppe, die für die meisten Vorfälle verantwortlich ist. Drei Schüler sind demnach mittlerweile suspendiert, einer hatte unter anderem einen Stuhl auf eine Lehrerin geworfen. Schulleiter Seufer wollte sich auf Nachfrage nicht dazu äußern.

Die Polizei will jetzt öfter vorbeischauen

Das Krisentreffen hatte eher magere Ergebnisse: Die Polizei will jetzt öfter an der Schule vorbeischauen, um Präsenz zu zeigen, vor allem vor Unterrichtsbeginn, in den Pausen und bei Schulschluss. Beamte sollen in die Klassen gehen und die Schüler über mögliche Folgen von Straftaten informieren. Ständigen Polizeischutz für Schule und Lehrer wird es aber nicht geben. Der war aber auch nicht gefordert worden. Die Schule will mittelfristig zusammen mit der Stadt ein Sicherheitskonzept erarbeiten. Wie das aussehen wird und ob es dann Kameras an der Schule geben wird, ist noch offen.

"Wir wissen schon seit geraumer Zeit von sozialen Problemen im Umfeld der Schule", sagte Behördensprecherin Strätz. Die Schule liege in einem schwierigen Stadtteil. Deswegen gebe es bereits eine besondere Unterstützung mit zusätzlichen Unterrichtsstunden, einer Sozial-Pädagogin und einer Sprachförderung an der Schule.

"Hauptschule ist keine Sackgasse", heißt es zwar auf der Homepage der Schule, wo auf die Möglichkeit höherer Abschlüsse hingewiesen wird. Direktor Albert Seufer aber ist Realist: "Wer nicht lernen will, ist auch nicht gegen seinen Willen zum Lernen zu zwingen", schreibt er unter dem Stichwort Motivation im Internet.

An Versuchen, den Schülern Halt und Perspektive zu geben, mangelt es an der Schule nicht. Schüler werden zu Streitschlichtern ausgebildet, für die Sechstklässler gibt es ein Sozialtraining und nach den großen Ferien steht ein Projekt zur Alkoholprävention an. Eine Ausbildungslotsin kümmert sich um Schüler, "die ernsthaft eine Ausbildung anstreben" - die meiste Zeit fließt in die Hilfe beim Bewerben.

Der Fall erinnert an Vorfälle in Berlin. Dort machten Schulleiter mit Brandbriefen mehrfach auf die Zustände an ihren Schulen aufmerksam. Das berühmteste Beispiel ist die Rütli-Schule in Neukölln, die sich mittlerweile zur Bildungsoase gewandelt hat.

otr/dpa

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