Jugendgewalt Sheriffs gehen vor Berliner Schulen in Stellung

Pöbeleien, Prügeleien, Drohungen: Um der Gewalt an Schulen Herr zu werden, startet der Berliner Bezirk Neukölln ein bundesweit ebenso einzigartiges wie umstrittenes Projekt. Ab heute patrouillieren hier vor 13 Schulen private Wachleute.


Berlin - Bezirksbürgermeister Heinz Buschkowsky (SPD) hatte das heftig kritisierte Projekt durchgesetzt: "Der Schritt ist unausweichlich", sagte Buschkowsky. "Wir können den Eltern sonst den Schutz und die Sicherheit ihrer Kinder nicht mehr garantieren."

Wachmann der Sicherheitsfirma Germania vor einem Berliner Schulgebäude
DDP

Wachmann der Sicherheitsfirma Germania vor einem Berliner Schulgebäude

Mit der Aktion soll vor allem die von "schulfremden" Kindern und Jugendlichen ausgehende Gewalt auf Schulhöfen eingedämmt werden. In der Vergangenheit war es mehrfach zu gewaltsamen Übergriffen Außenstehender auf Schüler gekommen. Ein Lehrer war so schwer verletzt worden, dass er ärztlich behandelt werden musste.

Wie der Bezirk vermeldete, gab es im Schuljahr 2005/2006 an Neuköllner Schulen 119 Fälle von körperlicher Gewalt. Davon seien 26 "von außen hereingetragen" worden. Im Zeitraum 2006/2007 stieg die Zahl der Gewalttaten auf 139, bei 27 Übergriffen von Schulfremden.

Das 200.000 Euro teure Projekt ist in Berlin umstritten. Bildungssenator Zöllner und Innensenator Ehrhart Körting, beide SPD, lehnen es ab: "Paramilitärische Einheiten" seien der falsche Weg, sagte Körting.

Ursprünglich sollten bereits ab Ende Oktober jeweils zwei private Sicherheitsleute die Eingänge der teilnehmenden Schulen kontrollieren. Das Dienstleistungsunternehmen Dussmann war allerdings eine Woche zuvor von dem Auftrag zurückgetreten. Als Gründe nannte das Unternehmen mangelnde Akzeptanz bei Senat und Abgeordnetenhaus sowie konzeptionelle Schwierigkeiten. Den Auftrag übernahm daraufhin die Bielefelder Sicherheitsfirma Germania, die eigenen Angaben zufolge auch Gebäude großer Unternehmen und der Bundesregierung überwacht. Die Aktion ist zunächst bis zum Sommer 2008 befristet.

Buschkowskys Vorstoß kommt zeitgleich mit der heutigen Vergabe des Deutschen Schulpreises in der Hauptstadt. Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) wird besonders herausragende pädagogische Leistungen prämieren.

ala/ddp



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