Jugendkulturen "Wir lassen uns nichts vorschreiben"

Gabriel


Emo, kurz für Emotional Hardcore [engl.] (Subgenre des Hardcore-Punk mit starker Betonung von Gefühlen und zwischenmenschlichen Themen); Gabriel, 20, aus Berlin muss seine Männlichkeit nicht ständig unter Beweis stellen.

Klaus Gigga
Es ist nicht so, dass ich ständig weinend in der Ecke sitze. Trotzdem bin ich Emo. Aber nicht, weil ich mit meinen Gefühlen nicht klarkomme. Mir gefällt einfach der Stil: enge Klamotten, schwarz gefärbte, längere Haare, die ins Gesicht fallen. Einige Jungs schminken sich, das wäre mir zu anstrengend. Aber klar, der Begriff Emo wird oft abwertend genutzt.

Dass mir jemand "Iiih, guck mal ein Emo" hinterher ruft, passiert mir bestimmt ein oder zwei Mal die Woche. Naja, ich glaube, manche brauchen einfach ihre Feindbilder, um mit sich selbst klarzukommen. Dabei denke ich, dass jeder Jugendliche sich irgendeine Sparte sucht. Selbst "nichts sein" ist schon zur Gruppe geworden.

In meinem nahen Umfeld bin ich aber auf wenig Unverständnis gestoßen, als ich vor etwa vier Jahren anfing, mich so zu kleiden. Nur mein älterer Bruder meinte mal, ich sehe schwul aus. Ist mir gleich. Ich muss meine Männlichkeit nicht ständig unter Beweis stellen.

Genauso wenig spielt für mich eine Rolle, dass ich Schlagzeuger bei "Kill Her First" bin, obwohl wir überall als "female Emocore-Band" beschrieben werden. Vor mir waren eben nur Mädels in der Band, die mit ihrem harten, kraftvollen Sound und dem Growlen unserer Sängerin Gerox gerade wenig weibliche Lieblichkeit ausstrahlten. Ich laufe jetzt halt unter dem Label "female". Mir gehts um die Musik.

An sich ist es musikalisch gesehen relativ vage, was Emocore eigentlich ist. Klar spielen gefühlsbetonte Texte eine Rolle. Aber dann könnte man auch Radiohead eine Emo-Band nennen. Auf die Idee würde wohl niemand kommen.

Eigentlich machen mich Stil und Musik zum Emo. Nicht irgendwelche politischen Statements, wie bei anderen Jugendkulturen. Und mich nervts wirklich, wenn Leute alles auf unsere - in Anführungsstrichen - angebliche Gefühlsduselei schieben. Warum sollte sich mein Leben anders anfühlen, nur weil ich Röhrenjeans trage?

Liedzeilen, die mich gut beschreiben:

I play my cards with all the risks
no more games & bloody fists,
time is come for some trust,
I leave behind all the past!
(Kill her First: "No more Games")

Protokoll: Tina Gebler



insgesamt 43 Beiträge
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Seite 1
hladik 04.10.2010
1. Titel
"Bitch" ist von Meredith Brooks, nicht von Alanis Morissette. Wenn man nicht mal weiss, wer sein Lieblingslied singt...
Mathe-Freak 04.10.2010
2. ....
Zitat von hladik"Bitch" ist von Meredith Brooks, nicht von Alanis Morissette. Wenn man nicht mal weiss, wer sein Lieblingslied singt...
Was erwartet man von solchen Gestalten die sich mit 18-24 wie pubertäre Kinder aufführen? Auf zwang alternativ sein ist Mainstream bloss schlimmer.
frank_lloyd_right 04.10.2010
3. Warum verzichten manche Jugendliche auf Alkohol und Zigaretten?
Ja, das kann ich wirklich auch nicht nachvollziehen. Wo diese recht gefährlichen Drogen doch gar nicht verboten sind... aber vielleicht isses ja gerade deshalb.
Hirnwurm 04.10.2010
4. Falsches Verständnis
Ich kenne einige Punks und keiner davon hat gefärbte Haare, Sicherheitsnadeln im Ohr oder rennt sonstwie komisch rum. Wobei einen, der so rumrennt, kenne ich. Das ist mein Bruder und der ist ein Plastik-Punk. Begreift nichts und ist immer gegen das, wogegen man gerade ist und wenn heutzutage alle mit Iro rumlaufen und die fesche Gelfrisur der "jungen-Unionler" als rebellisch gelten würde, würde er so eine Frisur tragen. Den Punk erkennt man nicht von außen, und wenn doch, dann ist es oft mehr Schein als sein, denn gerade die Leute, die so erpicht darauf sind, allen zu zeigen wie rebellisch sie sind, rennen meistens auch nur einem Dogma hinterher, dass sie nicht verstehen. Aber das ist halt bei Dogmen so. Der Punk muss auch den Punk kritisch hinterfragen. Wird der Punk zur Religion, hat er sein Ziel verfehlt.
Skade, 04.10.2010
5. Jugendkultur
habe nie einer Jugendkultur angehört, dieses uniformierte Denken war mir schon immer absurd.
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