Jugendkulturen "Wir lassen uns nichts vorschreiben"

Nika


Pun|ker [engl.] (Jugendlicher, der durch Verhalten und Aufmachung seine antibürgerliche Einstellung ausdrückt); Nika, 18, aus Bochum will nach ihrem Piercing jetzt ein Strichcode-Tattoo.

Frank Dünzl
Wenn ich austicke, schmeiße ich auch mal Gläser durch die Gegend. Ist schon passiert. Ich will es auch gar nicht jedem recht machen. Lieber auffallen! Jeder Punk will auffallen. Und ich bin Punk. Provozieren, aus der Reserve locken. Klingt bis hierher vielleicht nicht so, aber eigentlich bin ich ein friedfertiger Mensch.

Ich war 13 Jahre alt, oder vielleicht ein bisschen älter. Da habe ich angefangen, meine Klamotten zu verändern; hab nicht mehr nur angezogen, was Mutti gut findet. Ersteinmal gings in Richtung Gothic. Alles schwarz. Doch Farben sind zu schön, um sie aus meinem Leben rauszuhalten.

Seit ich 14 bin, verändere ich meine Haarfarbe ständig. Meine Frisöse Jenni mag mich, schnitt mir schon als Kind die Haare. Natürlich eck ich mit meinem Style an. Einmal war echt krass: Ich sah mir Ringe in einem Laden an. Die Verkäuferin guckte schief zu den drei Security-Typen rüber und sagte zu mir - immer noch mit schiefem Blick - ich passe nicht in das Klientel. Ich bin dann gegangen. Ohne Blick.

Auch meine Schulleiterin hat mich auf mein Auftreten angesprochen. Ich war auf dem Weg in den Proberaum unserer Band, trug eine kurze Hose mit Leggins darunter. Ganz normal. Es war noch nicht mal aufreizend oder sowas. Wenn ich mich nicht angemessen kleide, könne ich nicht am Unterricht teilnehmen, sagte sie. Ich kam mir ganz schön verarscht vor. Punks sind gegen das System.

In unserer Politik fehlt's einfach an Selbstbestimmung. Wird doch alles nur in Akten gehalten. Dagegen will ich rebellieren. Als Tattoo will ich mir bald einen Strichcode machen lassen. Meine Eltern sind dagegen, doch das war beim Piercing genauso. Das nötige Geld gabs von Freunden zum Geburtstag. Außerdem bin ich 18. Meine Eltern können gar nichts dagegen tun. Sie haben sich damit abgefunden, eigentlich verstehen wir uns gut und meine Mutter ist froh, dass ich mir Gedanken mache.

Dass Punks asozial sind und nur in zerrissenen Klamotten und mit Bier rumgammeln, ist nur ein dummes Klischee. Ich will später mal in die Kinder- und Jugendarbeit. Das wird mein Beitrag für ein bisschen mehr Love, Peace und Empathy für diese Welt. Mein Arbeitgeber muss meinen Style schon akzeptieren. Aber das wird bestimmt kein Problem. Will ja nicht hintern Bankschalter.

Liedzeilen, die mich gut beschreiben:

I'm your hell I'm your dream,
I'm nothing in between,
you know you wouldn't want,
it any other way
So take me as I am.
(Meredith Brooks: "Bitch")

Protokoll: Jennifer Busch



insgesamt 43 Beiträge
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Seite 1
hladik 04.10.2010
1. Titel
"Bitch" ist von Meredith Brooks, nicht von Alanis Morissette. Wenn man nicht mal weiss, wer sein Lieblingslied singt...
Mathe-Freak 04.10.2010
2. ....
Zitat von hladik"Bitch" ist von Meredith Brooks, nicht von Alanis Morissette. Wenn man nicht mal weiss, wer sein Lieblingslied singt...
Was erwartet man von solchen Gestalten die sich mit 18-24 wie pubertäre Kinder aufführen? Auf zwang alternativ sein ist Mainstream bloss schlimmer.
frank_lloyd_right 04.10.2010
3. Warum verzichten manche Jugendliche auf Alkohol und Zigaretten?
Ja, das kann ich wirklich auch nicht nachvollziehen. Wo diese recht gefährlichen Drogen doch gar nicht verboten sind... aber vielleicht isses ja gerade deshalb.
Hirnwurm 04.10.2010
4. Falsches Verständnis
Ich kenne einige Punks und keiner davon hat gefärbte Haare, Sicherheitsnadeln im Ohr oder rennt sonstwie komisch rum. Wobei einen, der so rumrennt, kenne ich. Das ist mein Bruder und der ist ein Plastik-Punk. Begreift nichts und ist immer gegen das, wogegen man gerade ist und wenn heutzutage alle mit Iro rumlaufen und die fesche Gelfrisur der "jungen-Unionler" als rebellisch gelten würde, würde er so eine Frisur tragen. Den Punk erkennt man nicht von außen, und wenn doch, dann ist es oft mehr Schein als sein, denn gerade die Leute, die so erpicht darauf sind, allen zu zeigen wie rebellisch sie sind, rennen meistens auch nur einem Dogma hinterher, dass sie nicht verstehen. Aber das ist halt bei Dogmen so. Der Punk muss auch den Punk kritisch hinterfragen. Wird der Punk zur Religion, hat er sein Ziel verfehlt.
Skade, 04.10.2010
5. Jugendkultur
habe nie einer Jugendkultur angehört, dieses uniformierte Denken war mir schon immer absurd.
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