Jugendkulturen "Wir lassen uns nichts vorschreiben"

Kristian


In|die, [engl.] (kurz für Independent, unabhängig, Sammelbezeichnung für kreative, freie, nicht kommerzielle Ausdrucksformen); Kristian, 16, aus Trünzig will viel mehr Respekt für die Mitwelt und ein bisschen mehr Gelassenheit

Klaus Gigga
Insgesamt habe ich 68 Dreads. Für einen einzigen Zopf benötigt der Friseur vielleicht so vier Stunden. Ihr könnt euch also ausrechnen, dass ich Ewigkeiten im Salon saß. Aber Stillsitzen, Kosten und Nackenstarre haben sich gelohnt. Mir gefällt's.

"Hey Bob, was macht deine Läusepopulation?" Obwohl der Vergleich mit Musiklegende Bob Marley schmeichelhaft ist, kann ich bei solchen Sprüchen nur den Filzkopf schütteln. Dreads fetten kaum. Und ich versichere euch: Mein Haar bekommt mehr Zuwendung als jede Normalofrisur. "Wirtshaus für Krabbeltiere" - solche Aussagen kommen von Ahnungslosen.

Was ich bei Anderen absolut nicht abkann, ist eine Mischung aus Arroganz, Ignoranz und Intoleranz. Menschen mit diesen Charaktereigenschaften sind schlicht zu faul den Blick hinter Klischees zu wagen.

Vorurteile sind hartnäckig. Das Kopieren bestehender Meinungen ist eben viel bequemer als selbständige Urteilsbildung. Denn nicht jeder Dread-Head kifft und trägt ausschließlich legere Shirts in Rot, Gelb, Grün mit Hanf-Aufdruck. Hemden gehören sogar zur Grundausstattung meines Kleiderschrankes.

Meine Frisur spiegelt meine Persönlichkeit wieder. Ich bin individuell, locker, spontan und vor allem offen für Neues. Ich würde gern mit Freunden auf das Burning-Man-Festival in Nevada fahren. Sonnenschein, Musik, Kunstausstellungen - fernab jeglicher Regeln und doch bei vollem Umweltbewusstsein. Ein Ort intensiver Selbstdarstellung, ohne Autos und Müllanhäufungen.

Generell sollte unsere Gesellschaft dringend ihre Haltung zur Natur überdenken. Es geht nicht in meinen Kopf, dass wir noch immer vorwiegend fossile Brennstoffe nutzen. Im Heimatland von Bob Marley und den "Wailers" hat man mehr Respekt vor der Mitwelt. Diese Einstellung plus Freigeist und Gelassenheit beeindrucken mich beim Reggae am meisten.

Ob ich einer einzigen Jugendkultur angehöre? Macht das überhaupt jemand? Ich bin eher multikulturell. Zwar trage ich eine reggaetypische Frisur, höre aber auch bevorzugt Metal und Indie.

Musik ist mein Leben. Ich spiele Gitarre, habe eine Band und würde gern E-Bass erlernen. Nach dem Abitur steht ein Auslandsjahr an, danach will ich Tontechnik studieren. Oder ich werd Instrumentenbauer. Ich will mich einfach nicht festlegen - noch nicht.

Eine Songzeile, die mich beschreibt:

"Singularity is here to stay, so go down, let's take it slow."
(Foals: "Total Life Forever")

Protokoll: Anne Wirth



insgesamt 43 Beiträge
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Seite 1
hladik 04.10.2010
1. Titel
"Bitch" ist von Meredith Brooks, nicht von Alanis Morissette. Wenn man nicht mal weiss, wer sein Lieblingslied singt...
Mathe-Freak 04.10.2010
2. ....
Zitat von hladik"Bitch" ist von Meredith Brooks, nicht von Alanis Morissette. Wenn man nicht mal weiss, wer sein Lieblingslied singt...
Was erwartet man von solchen Gestalten die sich mit 18-24 wie pubertäre Kinder aufführen? Auf zwang alternativ sein ist Mainstream bloss schlimmer.
frank_lloyd_right 04.10.2010
3. Warum verzichten manche Jugendliche auf Alkohol und Zigaretten?
Ja, das kann ich wirklich auch nicht nachvollziehen. Wo diese recht gefährlichen Drogen doch gar nicht verboten sind... aber vielleicht isses ja gerade deshalb.
Hirnwurm 04.10.2010
4. Falsches Verständnis
Ich kenne einige Punks und keiner davon hat gefärbte Haare, Sicherheitsnadeln im Ohr oder rennt sonstwie komisch rum. Wobei einen, der so rumrennt, kenne ich. Das ist mein Bruder und der ist ein Plastik-Punk. Begreift nichts und ist immer gegen das, wogegen man gerade ist und wenn heutzutage alle mit Iro rumlaufen und die fesche Gelfrisur der "jungen-Unionler" als rebellisch gelten würde, würde er so eine Frisur tragen. Den Punk erkennt man nicht von außen, und wenn doch, dann ist es oft mehr Schein als sein, denn gerade die Leute, die so erpicht darauf sind, allen zu zeigen wie rebellisch sie sind, rennen meistens auch nur einem Dogma hinterher, dass sie nicht verstehen. Aber das ist halt bei Dogmen so. Der Punk muss auch den Punk kritisch hinterfragen. Wird der Punk zur Religion, hat er sein Ziel verfehlt.
Skade, 04.10.2010
5. Jugendkultur
habe nie einer Jugendkultur angehört, dieses uniformierte Denken war mir schon immer absurd.
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