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09. November 2012, 18:40 Uhr

Jugendmedientage

"Der Konkurrenzkampf ist hart"

Von und Yasmin Ortega Quiñonez

Irgendwas mit Medien? Hunderte Schüler und Studenten treffen sich in Hamburg zu den Jugendmedientagen. Sie probieren aus, wie man als Journalist, Fotograf oder Kameramann arbeitet - und können dabei testen, wie viel Blut, Schweiß und Unsicherheit ihnen ihr Traumberuf abverlangt.

Früher starteten am Charterterminal 1 des Hamburger Flughafens Flugzeuge in die ganze Welt, an diesem Wochenende könnten hier Karrieren losgehen. Junge Menschen sitzen auf Rollbändern, auf denen einst Koffer transportiert wurden, sie lesen im Programmheft und planen ihren Tag. Ein paar Meter weiter, dort wo einmal die Check-in-Schalter waren, findet gerade ein Vortrag über Fernsehjournalismus statt. "Ihr fangt als Praktikant oder Volontär an, und irgendwann werdet ihr vielleicht Auslandskorrespondent, Starreporter oder Nachrichtenmoderator, aber so hoch steigt man nicht ein", sagt der Referent und TV-Journalist Horst Werner.

In dem stillgelegten Terminal finden die Auftaktveranstaltungen der Jugendmedientage statt. Mehr als 1400 Schüler und Studenten sind gekommen, um vom 9. bis 11. November in Medienberufe zu schnuppern. 120 Workshops, Diskussionsrunden und Besuche in Redaktionen und Agenturen stehen auf dem Programm. Es gibt Workshops zu "Musikjournalismus", "Spiegelreflexfotografie" oder "Online-Journalismus", in denen die Teilnehmer ein eigenes Magazin erstellen, einen Radiobeitrag machen oder eine Fotostrecke produzieren können.

Außerdem berichten erfahrene Journalisten, Werber, Fotografen, Grafiker und Wissenschaftler über ihre Arbeit und zeigen an Beispielen wie's geht. So bespricht Andreas Wolfers, Leiter der Henri-Nannen-Journalistenschule, Texte der Teilnehmer. Vom SPIEGEL und von SPIEGEL ONLINE nimmt mit Mathias Müller von Blumencron und Florian Harms jeweils ein Mitglied der Chefredaktion an den Jugendmedientagen teil. Gemeinsam mit weiteren Redakteuren erklären und zeigen sie, wie Online-Journalismus funktioniert.

Medienberufe wirken nach wie vor anziehend auf viele junge Menschen, sie wollen Journalisten, Fotografen oder Multimedia-Experten werden. Doch ständig hört und liest man, dass die Branche im Umbruch ist. Also, wie wird man das? Und wie findet man einen Job oder kann als Freiberufler überleben? Organisator Paul Frisch will die Veranstaltung nutzen, um Mut zu machen und praktische Tipps zu geben: "Wir motivieren und zeigen: Wenn ihr es wirklich wollt, könnt ihr es schaffen", sagt er.

Die Jugendmedientage finden in diesem Jahr zum elften Mal statt, in den Vorjahren trafen sich die Teilnehmer unter anderem in Stuttgart, München und Hannover. Organisiert wird die Veranstaltung von der Jugendpresse Deutschland, einem größtenteils ehrenamtlichen Verein aus 15.000 jungen Medienmachern, der journalistisches Handwerk vermitteln und die Interessen junger Menschen in den Medien vertreten will. Viele Partner unterstützen den Verein bei den Medientagen, darunter die Bundeszentrale für politische Bildung, die Friedrich-Ebert-Stiftung, die Axel-Springer-Akademie, die Europäische Kommission, "Die Tageszeitung" und SPIEGEL ONLINE.

Im SchulSPIEGEL berichten drei Teilnehmer, warum sie zu den Jugendmedientagen gekommen sind und wie sie Journalisten werden wollen - oder gerade nicht. Klicken Sie auf die Überschriften zum Weiterlesen.

Berfin, 18, möchte auf jeden Fall etwas Kreatives machen

"Nächstes Jahr mache ich Abitur. Meine Hauptfächer, bei uns heißt das Profilkurse, sind Medien und Gesellschaft. Das beinhaltet Politik, Geschichte, Gesellschaft und Kunstthemen. Hier bei den Jugendmedientagen möchte ich mir den Workshop zu Layout und Gestaltung anschauen.

Nach dem Abi würde ich nämlich gern Kommunikationsdesign studieren. Ich kann mir auch eine Ausbildung als Grafikerin vorstellen. Allerdings weiß ich noch nicht genau, was ich damit später machen kann und in welchem Bereich. Das lässt mich noch zweifeln. Vielleicht möchte ich auch selbstständig arbeiten.

Auf jeden Fall will ich etwas Kreatives machen. Meine Mutter arbeitet in einer Werbeagentur, das könnte auch was sein. Ich glaube, viele möchten in diesem Bereich arbeiten und man muss sehr viel dafür tun, um sein Ziel zu erreichen. Es ist also eine Herausforderung."

Leonie, 18, hat sich gerade bei der Journalistenschule beworben

"Bei den Jugendmedientagen möchte ich Kontakte knüpfen, vielleicht für spätere Praktika, und mit erfahrenen Journalisten reden. Ich würde gern Printjournalistin werden, wenn das in Zukunft überhaupt noch in der Form möglich ist wie jetzt. Ich bin auch flexibel.

Gerade habe ich mich bei der Henri-Nannen-Journalistenschule in Hamburg beworben, aber es ist ja nicht so einfach, da reinzukommen. Also mal schauen. Sonst würde ich gern vergleichende Kultur- und Religionswissenschaften studieren und nebenher journalistisch arbeiten.

Ich bin schon jetzt freie Mitarbeiterin beim 'Darmstädter Echo' und schreibe für die Jugendseite der 'Frankfurter Rundschau'. Ich mag Artikel, in denen man seine Meinung ausdrücken kann, aber auch Reportagen machen mir viel Spaß. Am Lokaljournalismus finde ich spannend, dass ich oft über Themen schreibe, mit denen ich mich vorher noch nie beschäftigt hatte, auch wenn es nur irgendwelche Vereine sind. Und ich finde das Gefühl toll, einen Text fertig zu haben und abgedruckt zu sehen, nachdem man ihn geschliffen und perfektioniert hat."

Jonas, 20, schreckt der Journalismus ab, er wünscht sich mehr Sicherheit

"Ich habe mir gerade einen Workshop von einem jungen Journalisten zum Thema "Gute Texte schreiben" angeschaut. Leider war das Niveau viel zu niedrig, 90 Prozent der Teilnehmer haben schon mal journalistisch gearbeitet, die kannten die Basics schon.

Ich habe auch schon für eine Schülerzeitung geschrieben und für Blogs. Auf der Veranstaltung hier interessiert mich der Bereich Public Relations, also wie man aus Unternehmenssicht mit Medien umgeht. Ich möchte nämlich in die Wirtschaft gehen und nicht mehr in den Journalismus. Das wollte ich mal, mich hat aber abgeschreckt, dass man eine sehr breite Allgemeinbildung und viele Kompetenzen braucht, dafür aber nicht sehr gut bezahlt wird. Vieles muss man sich selbst beibringen und der Konkurrenzkampf ist hart.

Ich habe gehört, dass man im Journalismus viele Praktika macht und hinterher häufig als Freiberufler arbeitet. Davor habe ich Angst, ich möchte mehr Sicherheit haben. In meinem Freundes- und Bekanntenkreis ist der Journalismus und Medienbereich insgesamt ein beliebtes Berufsfeld, viele haben aber Sorge, dass sie damit nur bessere Taxifahrer werden. Oder dass man nicht der Journalist wird, den man ständig sieht oder liest, der reist und interessante Menschen trifft, sondern einer, der für eine Lokalzeitung über Kaninchenzuchtvereine schreibt. Einige versuchen daher, sich schon früh so aufzustellen, dass sie auch woanders arbeiten könnten."

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