Jugendsprache Lass mal die Hausaufgaben guttenbergen

Swag, guttenbergen und Körperklaus sind ganz vorn unter den Jugendwörter des Jahres, befand eine Jury des Langenscheidt-Verlags. Quelle der Jugendsprache sind Internet, Rap und Fernsehshows, die Wörter sind versehen mit einem eher kurzen Mindesthaltbarkeitsdatum - oder schon drüber raus.
Kritische Jungs: Ob sie für "swag" gestimmt hätten?

Kritische Jungs: Ob sie für "swag" gestimmt hätten?

Foto: Corbis

Cool ist out, "swag" ist in - sagt zumindest eine Jury, die letzteres zum Jugendwort des Jahres  2011 gekürt hat. Hinter dem amerikanischen Wort verberge sich ein Ausdruck aus der Rapmusik für "beneidenswerte, lässig-coole Ausstrahlung" oder eine "charismatisch-positive Aura", teilte der Münchner Langenscheidt-Verlag am Montag mit. "To swagger" heißt wörtlich übersetzt so viel wie stolzieren, prahlen oder schwadronieren.

Auf Platz zwei der Jugendworte kam "Fail" oder "Epic Fail" für grober Fehler oder Versagen, an dritter Stelle landete "guttenbergen" für abschreiben. Rang vier ging an "Körperklaus" (bundesweit zelebriert bei Germany's Next Topmodel von Kandidatin Marie-Luise Schäfer) für einen tollpatschigen Grobmotoriker und auf Platz fünf landete "googeln" für suchen und nachschlagen - nicht nur im Internet.

Der Verlag kürt seit 2008 einmal jährlich das Jugendwort des Jahres. In diesem Jahr hätten sich über 40.000 Leute im Internet an der Abstimmung beteiligt, teilte Langenscheidt mit. Sie wählten aus 30 vorgegebenen Begriffen zunächst die 15 beliebtesten Wörter. Die fünf Sieger-Wörter bestimmte danach eine Jury, darunter eine Langenscheidt-Redakteurin, ein "Focus"- und ein "Welt"-Redakteur sowie drei Gewinnspiel-Sieger und eine Mitarbeiterin der Jugendzeitschrift "Spiesser".

Swag: cool mal zehn plus Arroganz?

Auch wenn junge Leute zu den Juroren gehörten, bezweifelt etwa die Sprachforscherin Eva Neuland von der Bergischen Universität Wuppertal, dass die ausgesuchten Wörter viel mit aktuellem Jugendsprech zu tun haben. Neuland war an einer Studie beteiligt, bei der von 1999 bis 2002 der Sprachgebrauch von Jugendlichen untersucht wurde. Die Meinung vieler Befragter zu Wörterbüchern über Jugendsprache: "Das sind Poser, die wollen nur so tun, als kennen sie unsere Sprache", zitiert Neuland.

Der Jugendforscher Klaus Hurrelmann sieht das neue Jugendwort "swag" als Ausdruck für die Sehnsucht vieler Jugendlicher, sich von anderen abzuheben. "Das ist ein zehnmal gesteigertes Cool mit einem Schuss Arroganz." Ob es deswegen in die allgemeine Sprache einzieht? Eher nicht. Größere Chancen hätte seiner Meinung nach das drittplatzierte Wort: "guttenbergen" - angelehnt an die Plagiatsaffäre des ehemaligen Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg.

In den vergangenen Jahren kürten die Juroren die Worte "Niveaulimbo" (das ständige Absinken des Niveaus), "hartzen" (arbeitslos sein, rumhängen) und "Gammelfleischparty" (Ü-30-Party) als Jugendwörter des Jahres. Oft ist nicht ganz klar, ob die kreativen Wortschöpfungen tatsächlich auf dem Schulhof oder vielleicht doch eher in Redaktionen entstanden sind.

Bei dem diesjährigen Jugendwort ist der Jury immerhin der Ursprung bekannt: Es komme aus dem Song "Turn my swag on"  des amerikanischen Rappers Soulja Boy, teilte Langenscheidt mit - der ist allerdings bereits von 2008. In Deutschland, Österreich und der Schweiz sei es durch die Coverversion "Dreh den Swag auf"  des österreichischen Rappers Money Boy bekannt geworden, allerdings ebenfalls schon vor über einem Jahr.

Bei YouTube wurde des Song bislang über 14 Millionen Mal aufgerufen, die Resonanz allerdings ist nicht gerade positiv: Zwar gaben 54.000 Nutzer an, den Song zu mögen, über 135.000 Nutzer allerdings klickten, durchaus nachvollziehbar, den "Mag ich nicht"-Button.

"Swag", "Fail", "Epic Fail", "guttenbergen", "Körperklaus" und "googeln" haben es immerhin in das aktuelle Jugendlexikon des Verlages geschafft. Und sollten die Wörter tatsächlich benutzt werden, sind sie vermutlich jetzt schon wieder am Aussterben. Und damit hätten sie gute Chancen, auf der Liste der uncoolsten Wörter zu landen.

fln/dpa
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