Wahl abgesagt Zu viel Niveaulimbo? Jugendwort des Jahres 2019 fehlt der Swag. Isso!

"Fly sein", "I bims" und "Ehrenmann/Ehrenfrau" wurden in der Vergangenheit zum Jugendwort des Jahres gekürt. 2019 wird auf eine Wahl ganz verzichtet. Richtig tragisch sei das nicht, finden manche.
Das wurde ordentlich verbuggt: Keine Auszeichnung für Wortneuschöpfungen in diesem Jahr.

Das wurde ordentlich verbuggt: Keine Auszeichnung für Wortneuschöpfungen in diesem Jahr.

Foto: filadendron/ Getty Images

Die Wahl zum Jugendwort des Jahres fällt in diesem Jahr aus. Kein "Babo" mehr, kein "Smombie", kein "Yolo" und kein "I bims". Das bestätigt der Leiter des Pons-Verlags, Erhard Schmidt. Ob es sich um ein endgültiges Aus für die stets medienwirksam inszenierte Wahl oder nur um eine Pause handelt, "wird noch entschieden", sagt Schmidt.

Hintergrund ist eine grundlegende Umwälzung in der Verlagslandschaft. Jahrelang hatte der Langenscheidt-Verlag in München das Jugendwort gesucht, um damit Werbung zu machen für sein Lexikon "100 Prozent Jugendsprache".

Fotostrecke

Jugendwörter seit 2008: Smombie, Babo, Yolo

Foto: Matthias Balk/ dpa

Eine Jury kürte Wortneuschöpfungen wie "Smombie", ein Kunstwort aus Smartphone und Zombie, "Babo", was so viel bedeutet wie Boss, und "Yolo" für "You only live once" oder "I bims", die Verballhornung von "ich bin's". Bei der letzten Wahl 2018 setze sich "Ehrenmann/Ehrenfrau" durch.

In diesem Frühjahr aber hatte die Konkurrenz, der zur Klett-Gruppe gehörende Pons-Verlag in Stuttgart, die Marke Langenscheidt und die zugehörigen Produkte übernommen.

"Der Deal kam für das Produkt zu einem ungünstigen Zeitpunkt", sagt Pons-Chef Schmidt. Der Zustand des Lexikons "war nicht so, dass wir das Produkt in diesem Jahr in einem vernünftigen Zustand zu Ende führen konnten". Und darum fällt jetzt eben auch die Werbung dafür aus.

Im Video: "Lindnern", "Lauch", "verbuggt" - Sprechen Sie Jugend?

SPIEGEL ONLINE

Richtig tragisch sei das nicht, findet Annette Trabold, die Sprecherin des Leibniz-Instituts für deutsche Sprache (IDS) in Mannheim: "Diese Jugendwörter waren ja nicht ganz einwandfrei statistisch belegt. Da waren Modeerscheinungen und Eintagsfliegen dabei."

Ihr Institut erfasst seit Jahren Wortneuschöpfungen in einem Neologismenwörterbuch. "Die Auswahl des Jugendworts hat unseren Ansprüchen nicht genügt." Allerdings - und das betont sie - sei es immer schade, wenn ein Anlass abhanden kommt, über Sprache nachzudenken, über Sprache zu diskutieren.

"Herrlich kontrovers"

Ähnlich sieht das auch der Sprachwissenschaftler Nils Uwe Bahlo, der an der Westfälischen Wilhelms-Universität (WWU) in Münster zur Sprache der Jugend forscht: "Die Wahl zum Jugendwort hat zum Nachdenken über Sprache angeregt. Auch wenn es sicherlich unwissenschaftlich war, hat es doch so herrlich kontrovers zu Diskussionen um und über Sprache angeregt."

Denn diskutiert wurde viel über das Jugendwort. War es nun die "Gammelfleischparty", eine wenig schmeichelhafte Bezeichnung für eine Ü-30-Party und 2008 das erste gekürte Jugendwort überhaupt, oder 2016 "Fly sein".  Der Ausdruck kommt aus der Hip-Hop-Sprache und soll so viel bedeuten wie: Jemand oder etwas "geht besonders ab".

Medienberichten zufolge hatte sich zwischenzeitlich ein anderer Anbieter gefunden, der die Jugendwort-Wahl in einem reinen Online-Voting fortführen wollte. Nachdem die Seite gehackt wurde, sei das Projekt aber wieder beendet worden.

Die Ermittlung eines Jugendworts ist laut Schmidt nicht geschützt. "Daher können wir so eine Aktion auch nicht verbieten."

Britta Schulejans/sun/dpa
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.