Junge Informatikerin Filmkulissen aus dem Computer

Der "Girls' Day" soll Mädchen überall in Deutschland für Technikberufe begeistern. Warum? Weil junge Frauen wie Fatma Batur viel zu selten sind. Die 24-Jährige studiert in Münster Informatik - und zeigt Schülerinnen, was ihr Fach mit Comics und Filmkulissen zu tun hat.

DPA

Nach neun Semestern Informatik ist Fatma Batur noch ganz Frau. Ihre Augenlider sind geschminkt, die Brauen gezupft, in ihrer Freizeit geht sie gern zum Bauchtanz. Fatma Batur studiert an der Universität Münster. Frauen und Technik, das sei bei ihr zu Hause sowieso nie ein Problem gewesen, erzählt sie: "Meine Eltern wollten, dass ihre Kinder so viel wie möglich lernen und erreichen." Ihre Eltern stammen aus der Türkei, die 24-Jährige ist die älteste von vier Töchtern. Sie sind alle in Deutschland geboren.

In der 8. Klasse kam Fatma Batur erstmals mit Informatik in Berührung. Das sei nicht selbstverständlich, sagt Marco Thomas. "Informatik ist in Nordrhein-Westfalen kein Pflichtfach", bedauert der Professor der Universität Münster. Es gebe nur wenige Mädchen, die sich für diese Disziplin entscheiden, sei es in der Schule, an der Uni oder später im Beruf.

Die Statistik gibt dem Wissenschaftler Recht: Seit das Fach an deutschen Hochschulen angeboten wird, ist der Frauenanteil bundesweit nie über 25 Prozent hinausgekommen. Bei Fatma Batur hat der Freund den Ausschlag für die Studienwahl gegeben. "Er hat Wirtschaftsinformatik studiert und mir zu Informatik geraten", sagt Batur.

Mittlerweile hat sie den Bachelor-Abschluss in der Tasche und arbeitet im Projekt "Informatik für Frauen" (IFF) mit. Das hat Hochschullehrer Marco Thomas, ebenfalls Informatiker, 2007 ins Leben gerufen. Seit Anfang dieses Jahres wenden er und Batur sich damit direkt an Schulen, um Mädchen ihr Fachgebiet schmackhaft zu machen. "Viele Mädchen denken, dass Informatik langweilig ist", sagt die Studentin.

Gute Mädchen kommen überall hin, sogar ins Technikstudium

Bei den Schülerinnen stoße sie immer wieder auf dieselben Vorurteile. Etwa, dass Informatiker den ganzen Tag vor dem Computer hocken, auf den Bildschirm starrten und sich auch sonst ein wenig sonderbar bis verhaltensauffällig benehmen - nerdig eben. "Informatik findet nicht nur am Computer statt", wende sie dann ein.

Und dennoch: Wenn Batur an eine Schule kommt, werden erst einmal die Rechner hochgefahren. Dann überrascht sie die Schülerinnen jedoch mit einer Aufgabe, die beim ersten Hinhören wenig mit Informatik zu tun hat: "Sie müssen sich eine Geschichte für einen Film oder ein Comic ausdenken", erzählt Batur. Erst wenn es um Kulisse und Protagonisten geht, kommt der Computer ins Spiel. Batur stellt den Schülerinnen ein Programm vor, mit dem sie sich die Welt, in der ihre Geschichte spielen soll, selbst erschaffen können.

Im Studium sind die Themen ernster und viel komplexer. Batur etwa hat für ihre Bachelor-Arbeit eine Software programmiert, die Kanten und Formen auf einem zweidimensionalen Bild erkennen und markieren kann. Da sei neben Programmierkünsten auch konzeptionelles Denken gefragt, sagt sie und ergänzt mit Blick auf das IFF- Projekt: "Für die Mädchen ist es eine gute Übung, wenn sie zunächst mal ein Storyboard schreiben."

Batur selbst steuert auf den Master-Abschluss zu. Vorher will sie aber noch ein Auslandssemester in den USA absolvieren. Ihre Laufbahn ist ungewöhnlich - nur acht Prozent der Studenten an deutschen Hochschulen kommen aus Einwandererfamilien, und dass aus dieser Gruppe Frauen Ingenieursdisziplinen studieren, kommt noch seltener vor. Zu diesen Ausnahmestudentinnen zählt auch eine Schwester von Batur. Sie studiert Elektrotechnik: ebenfalls ein Fach mit wenigen Frauen.

Von Michael Billig, dpa

insgesamt 13 Beiträge
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Seite 1
DJ Doena 22.04.2010
1. This is a Headline
Zitat von sysopDer "Girls' Day" soll Mädchen überall in Deutschland für Technikberufe begeistern. Warum? Weil junge Frauen wie Fatma Batur viel zu selten sind. Die 24-Jährige studiert in Münster Informatik - und zeigt Schülerinnen, was ihr Fach mit Comics und Filmkulissen zu tun hat. http://www.spiegel.de/schulspiegel/abi/0,1518,689155,00.html
Also bei uns im Wirtschaftsinformatikstudium (FH) waren die Damen immer gern gesehen und wurden definitiv nicht rausgemobbt. Wir waren sogar erstaunt, wieviele sich 1998 bei uns eingeschrieben hatten. Nach dem ersten Semester waren die aber fast alle weg (eine ganze Reihe Kerle aber auch). Sie wechselten interdisziplinär rüber nach BWL, welches einen NC hatte - das war augenscheinlich von Anfang an der Plan gewesen...
aktenzeichen 22.04.2010
2. alter Geist...
Zitat von sysopDer "Girls' Day" soll Mädchen überall in Deutschland für Technikberufe begeistern. Warum? Weil junge Frauen wie Fatma Batur viel zu selten sind. Die 24-Jährige studiert in Münster Informatik - und zeigt Schülerinnen, was ihr Fach mit Comics und Filmkulissen zu tun hat. http://www.spiegel.de/schulspiegel/abi/0,1518,689155,00.html
Aha: Er "soll" begeistern, nicht etwa "möchte"! Das ist der alte Geist (http://www.youtube.com/watch?v=kMpNa92uqi0), nur im neuen Gewand!
taiga, 22.04.2010
3. ...
Zitat von sysopDer "Girls' Day" soll Mädchen überall in Deutschland für Technikberufe begeistern. Warum? Weil junge Frauen wie Fatma Batur viel zu selten sind. Die 24-Jährige studiert in Münster Informatik - und zeigt Schülerinnen, was ihr Fach mit Comics und Filmkulissen zu tun hat. http://www.spiegel.de/schulspiegel/abi/0,1518,689155,00.html
WOW! – politisch supersonic-korrekter Artikel, da Protagonistin weiblich, türkisch und in typischem männlich dominiertem Studienfach unterwegs ist. Mein Sohn fragte mich vorgestern, was jedes Jahr dieser "Girlsday" soll, warum gebe es keinen Boysday? Ich konnte ihm nur antworten, dass Frau Ministerin Schröder gerade ihr Projekt "Erzieher" in Kitas vorantreibt, nach dem Motto: Tausche ALGII gegen Kinderpflegerausbildung". Fand er nicht wirklich sexy.
infStu 22.04.2010
4. aufpassen
ich studiere informatik an einer uni, und erst letzte woche sagt ein kommilitone nach einer astronomie vorlesung folgendes: "irgendwas ist hier anders. hier gibt es hübsche mädchen!" die meisten informatik studenten würden sich über einen erhöhten frauen anteil freuen (bei uns sind etwa 5-10% weiblich). auch habe ich nicht mitbekommen das irgend eine form der diskriminierung statt gefunden hat. aber man sollte weder kleine mädchen noch kleine jungen durch spielereien in die informatik locken, die lustige veranstalltungen an den hochschultagen habe recht wenig mit einem informatik studium zutun. informatik lernen ist 90-99% sehr schweres lernen und 1-10% spass. grade das falsches bild von der informatik ist mit für diesen irre hohen abbrecher zahlen zuständig. schüler wissen nicht was auf sie zukommt ("mathe schock"). statt der frauentage sollte man ein jahr informatik an der schule einführen, zB als mathe ersatz oder als "angewandte mathematik" ^^. und grade in der schule kann es zimlich motivierend sein wenn man ein laufendes programm zustande bekommen hat. auch die sogenannte allgemeinbildung sollte in der heutigen zeit einen informatik teil besitzen. dazu noch eins: informatik ist nicht programmieren, rechner reparieren oder wissen wie man excel benutzt (auch wenn die wengisten wissen wie mächtig excel wirklich ist), InforMatik kommt von informations Mathematik.
GM64 22.04.2010
5. Ich kann nicht zum Informatik Studium raten.
"Informatik findet nicht nur am Computer statt" Im Job dann doch, weil man zwar meint, dass es Programmierer gibt, die die Aufgaben für einen erledigen, aber das ist nicht so. Die meisten Informatiker enden als Programmierer. Und viele sind dann mit 38 spätestens mit 42 ausgebrannt. Ich kann mich an nicht Schönes aus dem Studium erinnern. Und ich kann auch von keiner schönen Erfahrung im Job berichten. Man konnte dem Chef nie genug leisten. Die Diplomarbeit wurde so angesetzt, dass mich ein Bekannter darauf hingewiesen hat, dass er ein ähnliches Thema als Doktor Arbeit bearbeitet, und dass die Zeit, die dafür vorgesehen war, nicht reicht. Als ich nach 3 Jahren, den Betreuer bei einer Firma begrüßte, bat er mich es zu unterlassen. Bei dem Praktikum war ich gut integriert. Es war aber auch zum Unterschied von den anderen Abteilungen in denen ich gearbeitet hatte, eine kaufmännische, in der es noch andere Frauen gab. Wenn ich da im Betrieb weiter gemacht hätte, wäre mein Leben positiver verlaufen. Man hat keinen netten Menschen kennen gelernt, und für die Praxis vorbereitet war man auch nicht. Mein Diplomarbeit Betreuer hat sich auch geweigert, mir die Note zu erklären. Informatik zu studieren war ein großer Fehler. Im Nachhinein wird mir viel klar. Auch habe ich heute verstanden, warum man vor der Prüfung Mörike rezitieren musste. Sogar auf der Gemeinde hat man sich geweigert, mir bei dem Austritt aus der Kirche als Beruf Diplom Informatikerin aufzuschreiben. Ich sollte das Diplom bringen, und obwohl ein Beamter es in Original schon mal gesehen hat, bei den Renten Papieren, hat man mir den Beruf dann doch nicht geglaubt. Auch in der Familie hat es Leute gegeben, die mir beim Rechner Kauf gesagt hatte, ich hatte sie mitgenommen, weil ich keinen Rechner schleppen konnte: "Pass auf, Du hältst jetzt den Mund, wir machen das schon." Frauen dürfen halt keine Informatikerinnen sein, das ist für viele ein Problem. Bei einem Vorstellungsgespräch beim BFZ hat mir der Personalchef gesagt: "Und Sie wollen vor 20 Ingenieuren stehen?". Ich bin cool geblieben, und weil kein anderer vorbei gekommen ist, musste er mich nehmen. Aber er hat mich übel betrogen. Ich war halt immer der Lückenbüßer. Der einzige Chef der mich je gelobt hat, hat das nur aus Berechnung getan, er hat mich noch ein paar Wochen gebraucht, bevor er mich abgewrackt hat. Dann war ich natürlich absolut unfähig. Die Chefs haben einen immer zum Kaffee Kochen verdonnert. Ein Kollege hat es aber einmal als ungerecht empfunden und hat selber Kaffee gekocht. Das war so gesehen ein Lichtblick. Aber sonst war es sehr, sehr duster. Auch am Arbeitsplatz. Ein Teamchef Chef wollte im Dunkeln vor dem Rechner sitzen, das war für mich sehr belastend. Der Firmenchef hat es aber nicht verstanden. Einmal hatte ich eine einmann/einfrau Aufgabe, aber 3 Chefs. Ein mitleidiger Kollege hat dann ein Bild von einem Ruderboot mit einem Rudernden und 3 Befehlern an die Wand geheftet, aber ich wurde sehr bald dann auch entlassen mit den Worten: "Das ist wie in einer Ehe, wir mögen dich nicht mehr".
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