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Jugend forsch: Kleine Schlaumeier publizieren in Fachmagazin

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Junge Insektenforscher Grundschüler publizieren in Bio-Fachzeitschrift

Sie sind erst acht bis zehn Jahre alt, können aber bereits ihre erste wissenschaftliche Veröffentlichung vorweisen: Britische Schulkinder haben das Gedächtnis von Hummeln untersucht. Ihre Ergebnisse erschienen jetzt in einer renommierten Fachzeitschrift.

Junge Wissenschaftler müssen jahrelang daraufhinarbeiten, was britischen Schulkindern jetzt aus dem Stand gelang: die erste wissenschaftliche Veröffentlichung ihrer Karriere.

Die Grundschüler haben eine wegweisende Entdeckung zum Gedächtnis von Hummeln gemacht und wurden dafür mit einer Veröffentlichung in einem hoch angesehen Fachjournal belohnt - als erste Schulklasse überhaupt. Die acht bis zehn Jahre alten Kinder der britischen Blackawton School in Devonshire hatten sich damit auseinandergesetzt, wie Hummeln Farben wahrnehmen und sich merken können. Ihre Erkenntnisse sind in der Fachzeitschrift "Biology Letters" der britischen Wissenschaftsakademie, der Royal Society, veröffentlicht.

Die jungen Forscher konnten mit ihren Experimenten nachweisen, dass Hummeln Farben und Muster im Gehirn aufnehmen können. Und dass sie in der Lage sind, sich diese danach zu merken. Die Farberkennung bei Insekten ist bislang nur wenig erforscht. Die Arbeit der Kinder bedeutete einen wirklichen Fortschritt für die Forschung, heißt es in dem Magazin.

Wie sich Hummeln Farben merken

Es ist nicht das erste Mal, dass so junge Autoren etwas in einer angesehen wissenschaftlichen Fachzeitschrift veröffentlichen: So sorgten vor wenigen Jahren ein 12-jähriges Mädchen und ihr 14-jähriger Bruder aus Mannheim für Aufsehen. Sie hatten selbständig eine Studie durchgeführt. Forschungsfrage: Bekommt jemand bessere Noten, wenn er sich gut ernährt, viel Sport treibt und wenig Zeit vor dem Fernseher verbringt? Und wenn ja, warum? Die Ergebnisse wurden im Medizin-Fachmagazin "Deutsche Medizinische Wochenschrift" (DMW) veröffentlicht. In der Zeitschrift zu publizieren ist auch für renommierte Mediziner eine Ehre.

Auch die britischen Kinder hatten eigene Experimente durchgeführt. Für ihre Arbeit bauten sie einen Plexiglaskubus; darin stand für die Hummeln Zuckerwasser hinter verschiedenen farblich gekennzeichneten Flächen. Nach einer Trainingsphase merkten sich die markierten Tiere die Farbe der Zuckerwasser-Tröge und verschmähten die Farben, hinter denen Salzwasser stand - auch nach einem Positionswechsel.

Die Forschungsarbeit der Kinder durchlief einen Review-Prozess: Sie wurde - wie bei Veröffentlichungen der "Royal Society" üblich - von anderen Wissenschaftlern geprüft. "Die Forscher haben sich eine wissenschaftliche Frage gestellt und sie richtig beantwortet", heißt es im Kommentar. Lediglich Verweise auf frühere Forschungsarbeiten fehlten. Dies sei aber damit zu erklären, dass Grundschüler nicht unbedingt Zugang zu wissenschaftlichen Bibliotheken hätten.

"Ich bin hocherfreut, dass diese Arbeit in den Biologischen Briefen veröffentlicht wird", sagte der Rektor der Blackawton School, Dave Strudwick. "Das Projekt bedeutet eine völlig neue Art des Arbeitens und des Lernens, und ich hoffe, dass andere Schulen diesem Beispiel folgen", sagte er. Brian Charlesworth, Herausgeber der Zeitschrift, sagte: "Ich hoffe, das wird andere Gruppen dazu bringen zu realisieren, dass Wissenschaft kein exklusiver Club ist, sondern für jeden zugänglich."

otr/dpa