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Junge Massai in Kenia: Cricket-Fieber in Stammestracht

Foto: Jason Patinkin/ dpa

Junge Massai in Kenia Stammesgewand am Leib, iPhone in der Hand

Die Gegensätze könnten krasser kaum sein: Junge Massai in Kenia fühlen sich alten Stammestraditionen verpflichtet, doch der Alltag besteht auch für sie aus Jeans, iPhone und Jobsuche. Deshalb spielen sie Cricket auf sehr ungewöhnliche Art.

Wer Sonyanga Ole Ngais in Nairobi begegnet, sieht einen jungen Mann in Jeans und T-Shirt, der mit seinem iPhone rumspielt und ein Auto durch den chaotischen Verkehr der Hauptstadt Kenias lenkt. Wer Sonyanga zu Hause in seinem Dorf begegnet, trifft auf einen anderen 24-Jährigen: Er trägt knallrote traditionelle Tücher, die "Shukas", spricht die Massai-Sprache Maa und vertreibt im Busch einen Löwen.

Wie er suchen viele junge Massai nach einer neuen Identität, ständig hin- und hergerissen zwischen Tradition und dem fortschrittlichen Leben ihrer Altesgenossen. Schätzungen zufolge leben knapp 850.000 Massai in Kenia, das sind etwa zwei Prozent der Bevölkerung. Traditionell sind sie ein nomadisches Volk, das vorwiegend von der Viehzucht lebt. Vor allem die Männer gelten seit Kolonialzeiten als Inbegriff für stolze afrikanische Krieger, die sich mit ihrer farbenfrohen Kleidung und der aufwendigen Haarpracht von den anderen rund 40 ethnischen Gruppen in Kenia abgrenzen.

Viele junge Massai befänden sich in einem Dilemma, sagt Dorothy Hodgson, Anthropologin an der amerikanischen Rutgers University. "Sie wollen sich weiterentwickeln und gleichzeitig ihre Kultur beibehalten. Aber beides gleichzeitig zu tun, ist schwierig." Denn Kuh- und Ziegenherden sind heutzutage schlicht nicht mehr so profitabel wie früher.

"Teil der globalen Jugend"

Die jungen Massai wie Sonyanga sind daher längst in beiden Welten unterwegs: Sie surfen im Internet, sprechen die Massai-Sprache Maa ebenso fließend wie die Landessprachen Englisch und Suaheli, sie feiern in den Highschools Abschlusszeremonien und unterziehen sich im Dorf traditionellen Bräuchen. "Ich betrachte mich als Teil der globalen Jugend und nicht nur als Teil der Massai-Jugend", sagt Sonyanga.

Sonyangas Familie wird von zwei älteren Brüdern finanziell unterstützt, die in Schweden arbeiten. Er selbst will später als Filmemacher sein Geld verdienen, einen Kurs in TV- und Radioproduktion hat er schon belegt. Bildung sei unumgänglich, meint er, und ein Leben mit Mobiltelefonen, Autos und Krankenhäusern sehr viel leichter als die Mühsal der Wildnis.

Doch spätestens wenn er mit seinem Cricket-Team auf das staubige Spielfeld mitten in der Savanne geht, zieht er Jeans und T-Shirt aus, wickelt ein rotes Baumwolltuch um Beine und Hüften und legt sich bunte Perlenbänder um den Hals. Sonyanga ist der Kapitän der Maasai Cricket Warriors (Massai-Cricket-Krieger), eines auch über die Grenzen Kenias hinaus bekannten Amateurclubs aus der Laikipia-Region im nördlichen Rift Valley.

In der Freizeit hüten sie weiter Tiere

Mit ihren ungewöhnlichen Sport-Outfits haben sich die jungen Massai einen Namen gemacht. "Warum sollten wir die weiße Cricket-Uniform tragen, wenn wir in unseren traditionellen Tüchern genauso gut spielen können?", sagt Sonyanga. Mit der Kleiderwahl wollten er und seine Teamgefährten die uralten Traditionen ihres Stammes ehren, während sie gleichzeitig die Lebensweisen und Hobbys anderer Jugendlicher ihrer Generation annähmen.

Etwa 20 Spieler gehören zu seinem Team. Einige sind Studenten, andere arbeiten auf dem Bau oder leiten kleinere Betriebe. Aber in der Freizeit hüten sie weiter Tiere. Letztlich, sagt Sonyanga, sei die Kleidung oder der Arbeitsplatz aber gar nicht so entscheidend. "Es ist egal, ob du mit deiner Shuka durch den Busch oder in hippen Klamotten durch die Straßen Nairobis läufst - am Ende wirst du heimkommen und immer noch ein Massai sein."

Jason Patinkin und Carola Frentzen/dpa/lgr
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