Schüler mit Down-Syndrom Gymnasium darf Henri ablehnen

Henri hat das Down-Syndrom, trotzdem wollen seine Eltern, dass er eine reguläre Schule besucht. Zwei haben ihn schon abgelehnt, jetzt schaltet sich der baden-württembergische Kultusminister ein.
Elfjähriger Henri: Seine Mutter kämpft seit Monaten für ihren Sohn

Elfjähriger Henri: Seine Mutter kämpft seit Monaten für ihren Sohn

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Stuttgart - Seine Mutter hatte lange dafür gekämpft, dass ihr Sohn aufs Gymnasium wechselt - und damit bundesweit für Aufsehen gesorgt. Doch die Schule lehnte den elfjährigen Henri mit Down-Syndrom ab. Jetzt entschied der zuständige baden-württembergische Kultusminister Andreas Stoch (SPD), diesen Beschluss nicht aufzuheben.

Henris Eltern wollten, dass ihr Sohn nach den Sommerferien wie die meisten seiner Mitschüler an das Gymnasium in Walldorf wechseln darf - auch wenn er dem Unterricht geistig nicht folgen kann. Die Schule hatte ihre Absage damit begründet, dass es nicht die nötigen Rahmenbedingungen für gemeinsamen Unterricht mit geistig Behinderten gebe.

Erst am Donnerstag ist bekannt geworden, dass auch die Realschule in Walldorf Henri die Aufnahme verweigert. In einer Gesamtlehrerkonferenz hatten die Lehrer mit 41 zu 12 Stimmen und zwei Enthaltungen so entschieden. Nach Informationen von SPIEGEL ONLINE sollen sowohl das Kultusministerium als auch das zuständige Schulamt Mannheim die Schulleitung der Realschule vor der Abstimmung gedrängt haben, Henri aufzunehmen.

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Die Entscheidung des Kultusministers war mit Spannung erwartet worden. Schließlich hat Grün-Rot im Koalitionsvertrag versprochen, Eltern von behinderten Kindern ein Wahlrecht einzuräumen. Stoch hatte unlängst aber auch gesagt, von dem Einzelschicksal hänge nicht ab, ob die Integration von behinderten Schülern an Regelschulen gelinge. Immerhin gebe es an den Gymnasien des Landes bereits 478 Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf.

In einer Pressemitteilung verwies Stoch auf den Behindertenbeauftragten des Landes, Gerd Weimar: "Wenn das Kind an der Schule nicht erwünscht wird, tut man ihm keinen Gefallen, wenn man die Beschulung von oben verordnet." Inklusion lasse sich nicht mit der Brechstange durchsetzen. Der Elternwunsch sei zwar für die Schulverwaltung handlungsleitend, erklärte Stoch. Ein absolutes Elternwahlrecht für eine bestimmte Schule werde es aber auch nach der geplanten Änderung des Schulgesetzes nicht geben.

Das Walldorfer Gymnasium ist seit Wochen in der Defensive, nach der Entscheidung ist Regina Roll, die Vorsitzende des Elternbeirats, erleichtert. Die Anfeindungen gegen die Schule seien nur schwer zu ertragen und sehr verletzend gewesen. Momentan sei das Gymnasium einfach noch nicht dafür ausgestattet, ein Kind mit einem anderen Bildungsziel als dem Abitur zu unterrichten, sagt sie. In einigen Jahren sehe das sicher ganz anders aus.

Für den Jungen werden die Alternativen allmählich knapp: Die Eltern lehnen eine Förderschule ab, das Gleiche gilt für die örtliche Werkrealschule. Er könnte auf die örtliche Hauptschule wechseln oder auf eine Gemeinschaftsschule in den mehrere Kilometer entfernten Orten Sankt Leon-Rot oder Schwetzingen.

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fln/dpa