Katholische Schule Boykott gegen strenges Regime

Wegen "mittelalterlicher Erziehungsmethoden" haben Eltern von 20 Schülern ihre Kinder mehr als eine Woche lang vom Unterricht an einer katholischen Grundschule abgemeldet. Den Schülern sei sogar der Gang zur Toilette verwehrt worden, so einer der Vorwürfe der streikenden Eltern.


Unter dem Kreuz: Grundschüler in Nürnberg
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Unter dem Kreuz: Grundschüler in Nürnberg

Seit dem 14. April hatten Eltern von 20 Grundschülern im sauerländischen Olpe-Rhode ihren Nachwuchs von der Schule ferngehalten. Sie waren mit den Unterrichtsmethoden an der katholischen Franz-Hitze-Grundschule nicht einverstanden und unterrichteten stattdessen die Kinder teilweise in Eigeninitiative. An diesem Mittwoch kehren die Schüler wieder in den Unterricht zurück, wie die Arnsberger Bezirksregierung bestätigte. Darauf hatten sich Eltern und die Bezirksregierung nach stundenlangen Gesprächen geeinigt.

Zuletzt habe an der Bildungsanstalt ein "Klima der Angst" geherrscht, wie der Westdeutsche Rundfunk (WDR) auf seiner Webseite berichtet. Als Strafe, beispielsweise für Herumrennen auf dem Schulhof, hätten Schüler "minutenlang mit dem Gesicht zur Wand stehen müssen", später wurden dafür gelbe und rote Karten eingeführt. Weiterhin wird von einem Toilettenverbot während des Unterrichts in einer ersten Klasse berichtet, was dazu geführt haben soll, dass sich Kinder in die Hose machten. Mehrere Eltern warfen der Schule außerdem vor, dass ihre Kinder grundlos Strafarbeiten machen mussten.

Erst kürzlich waren Prügelvorwürfe gegen die katholische "Herz-Jesu"-Realschule in Saarbrücken laut geworden. In diesem Fall ermittelt sogar die Staatsanwaltschaft aufgrund der Anzeige einer Mutter wegen Körperverletzung.

Im Fall der Grundschule in Olpe/Rhode seinen aber einige Vorwürfe entkräftet worden, sagte ein Sprecher der Bezirksregierung. Es werde ein Krisen- bzw. Eilausschuss gebildet, auch über die Versetzung von Lehrern werde diskutiert. Strafarbeiten sollen nach Angaben des Sprechers komplett abgeschafft werden.

Beschwerden blieben ungehört

Laut der "Neuen Ruhr Zeitung/Neuen Rhein Zeitung" blieben Beschwerden der Eltern beim zuständigen Schulamt vor dem Unterrichtsboykott ungehört. Die Eltern fühlten sich vom Schulamt im Stick gelassen, da der Schulrat untätig geblieben sei. Der WDR berichtet sogar von "Handgreiflichkeiten und lautstarken Auseinandersetzungen" unter der Lehrerschaft und Mobbing gegenüber den Schülern.

Besonders streng war das Regime offenbar in einer vierten Klasse. Von den 20 Kindern, die ihre Eltern vorübergehend lieber zuhause behielten, waren allein 18 Schüler aus dieser vierten Klasse. Ob alle Kinder endgültig an die umstrittene Grundschule zurückkehren, ist noch ungeklärt. Vor der Einigung hatten die Eltern überlegt, die Kinder an anderen Schulen unterzubringen.



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