Killerpilze-Interview "Wir dürfen nur bis 22 Uhr spielen, wegen Kinderarbeit"

Erst waren die Killerpilze eine ganz normale Schülerband, jetzt gelten sie als Bayerns Antwort auf Tokio Hotel. Ziemlich krass, was sich durch den Erfolg alles ändert, findet Gitarrist Mäx Schlichter, 17. Und Schlagzeuger Fabi ist mit 14 eigentlich "too young to Rock'n'Roll".


Frage: Seit dem Song "Richtig Scheiße" im letzten Frühjahr habt ihr extrem viel Erfolg für eine Schülerband. Wie habt ihr das gemacht – euch bei einer Casting-Show beworben?

Mäx Schlichter: Zum Glück nicht. Wir wollten unser eigenes Ding durchziehen und unsere eigene Musik machen. Letztlich sind wir diejenigen, die auf der Bühne stehen und die irgendwann vielleicht mal auf einem Zeitschriften-Cover sind. Es ist unser Gesicht, das die Leute kennen, und deswegen wollen wir auch das rüberbringen, was wir selber erzählen wollen.

Frage: Ihr habt euch in der Schule kennen gelernt?

Mäx: Ja, ich und unser Bassist Schlagi waren am Anfang in einer Klasse. Wir haben dann auf einem Schulfest eine Band gesehen und dachten: 'Hey, auf der Bühne zu stehen und Musik zu machen ist cool'. Wir machen alle schon echt lange Musik und haben dann angefangen, uns in einem Proberaum in der Schule regelmäßig zu treffen.

Frage: Und jetzt seid ihr auf Tour und bekommt echtes Rock'n'Roll-Leben zu spüren?

Mäx: Die Party geht schon immer ab, aber wir übertreiben das nicht. Es ist ja auch eine Art Beruf, den wir ausüben, und die Leute kommen zu den Konzerten, um eine geile Party zu feiern. Und wenn wir dann am Abend vorher gesoffen hätten und wären deshalb dann auf der Bühne sauschlecht, dann wäre das für beide, für die Zuschauer und für uns, nicht gut.

Frage: Ihr seid alle noch jung, Fabi ist erst 14. Dürft ihr eigentlich so spät noch arbeiten?

Mäx: Wir sind immer um 22 Uhr von der Bühne runter, weil der Fabi nur bis zehn Uhr spielen darf, von wegen Kinderarbeit. Und wir müssen auch jedes Konzert beim Gewerbeaufsichtsamt und beim Jugendamt anmelden. Wir nehmen auf jeden Fall Rücksicht auf Fabi, den kleinen Mann, und sorgen für ihn.

Frage: Du hast eben gesagt, ihr hättet schon vor der Bandgründung viel Musik gemacht. Habt ihr alle ein Instrument gelernt?

Mäx: Ja, wir waren alle auf einer Musikschule, einige sind es immer noch. Der Jo spielt schon seit über zehn Jahren Klavier, ich hab früher auch viel Klavier gespielt. Schlagi spielt schon seit Jahren Tenorhorn und auch Trompete. Wir waren also schon ganz früh dabei.

Frage: Wie fanden eure Eltern die Idee mit der Band?

Mäx: Die Eltern haben das am Anfang natürlich unterstützt. Wenn wir ein Konzert hatten, musste sie uns immer hinfahren. Da kamen schon einige Kilometer zusammen. Damit haben sie uns echt geholfen. Auch von der Schule gab's Unterstützung, dort haben wir einen Proberaum gestellt bekommen.

Frage: Ihr seid bei der Plattenfirma Universal unter Vertrag wie Tokio Hotel auch. Wie ist der Deal zustande gekommen?

Mäx: Bis es dazu kam, hatten wir bestimmt schon 70 Auftritte in vier Jahren auf dem Buckel, meist in kleinen Kneipen. Ständig haben wir dabei neue Leute kennen gelernt, auch einen Produzenten, der uns in seinem Studio eine CD mit unseren Songs aufnehmen ließ. Er hatte beste Kontakte zu Verlagen und Labels. Wir haben unsere CD dann zu Plattenfirmen geschickt wie jede andere Band auch. Eines Tages spielten wir in unserer Heimatstadt in einem kleinen Club, und da waren auf einmal zwei Schlipsträger, hohe Tiere von Universal Music. Die kamen nach dem Konzert zu uns, und bald verhandelten wir über Angebote und Verträge. Jetzt haben wir unseren Plattenvertrag und sind sehr glücklich damit.

Frage: Eure CD 'Invasion der Killerpilze' enthält nur selbst verfasste Songs. Wie entstehen die Stücke?

Mäx: Es ist meistens so, dass ich und Jo einfach ein bisschen jammen. Irgendwann hat man bei einem Riff dann das Gefühl, dass diese Melodie was besonderes ausdrückt oder ans Herz geht und daraus schreiben wir dann ein paar Melodien. Bei einer Probe werden diese Melodien und Riffs mit der ganzen Band ausprobiert, und jeder gibt seinen Senf dazu und steuert neue Ideen bei. Irgendwann kommt dann einfach ein Song dabei raus. Textlich ist es so, dass wir über das schreiben, was uns bewegt: Liebe, Hass oder auch mal Politik.

Frage: Habt ihr auch schon mal an englische Texte gedacht?

Mäx: Am Anfang haben wir die Texte noch gemischt, mal englisch, mal deutsch. Doch mit deutschen Texten können wir uns definitiv besser ausdrücken. Und die Leute verstehen uns leichter, dadurch gehen die Songs einfach mehr ans Herz.

Frage: Wie lief die Arbeit im Studio ab, was für Erfahrung habt ihr gemacht?

Mäx: Wir bereiten in den Bandproben die Songs immer vor. Im Studio spielen wir die Instrumente einzeln ein: Zunächst das Schlagzeug, darauf die Gitarrenmelodien, dann der Bass und ganz am Schluss kommt der Gesang. Es ist nicht so, dass man sich einfach in eine Kabine stellt, dann wird zack zack gespielt und der Produzent findet gleich alles supertoll. Es ist schon eine Menge Arbeit, macht aber auch viel Spaß.

Frage: Wie vereint ihr denn das Rocker-Dasein mit der Schule?

Mäx: Wir versuchen die Band-Sache auf Wochenenden und Ferien zu verlegen. Wir wollen alle unsere Schule fertig machen, denn das Musikgeschäft ist kurzlebig. Wenn es mal nicht mehr so läuft wie jetzt, wollen wir eine Ausbildung anfangen können. Außerdem ist der Schulalltag gut, um wieder auf den Boden zurückzukommen. Das ganze Musik-Business ist schon eine etwas oberflächliche Scheinwelt. Da ist es gut, wenn man wieder ein paar normale Leute trifft.

Frage: Hast du noch einen guten Tipp für alle Nachwuchsrocker?

Mäx: Ich rate allen Leuten immer das zu machen, worauf sie wirklich Bock haben. Mann muss immer sein eigenes Ding durchziehen und darf sich nicht verbiegen lassen, auch wenn mal der große Erfolg winken sollte. Viel live spielen ist wichtig - und einfach immer dranbleiben.

Das Gespräch führte Florian Erhart



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