Schlechte Noten für Deutschland Kinder aus bildungsfernen Haushalten sind besonders armutsgefährdet

In Deutschland gibt es einen starken Zusammenhang zwischen dem Bildungsniveau der Eltern und dem Armutsrisiko ihrer Kinder - das belegt eine Auswertung europaweiter Daten. Das Kinderhilfswerk ist alarmiert.
Ein kleiner Junge zählt sein Taschengeld

Ein kleiner Junge zählt sein Taschengeld

Foto: Jens Kalaene/ picture alliance/ DPA

Arm bleibt oft arm - das gilt besonders für Kinder in Deutschland, wie eine europaweite Auswertung im Auftrag des Kinderhilfswerks  zeigt. Demnach haben Kinder aus Haushalten mit einem niedrigen Bildungsabschluss ein Risiko von 61 Prozent, in Armut aufzuwachsen.

Die Daten kommen von der Europäischen Statistikbehörde Eurostat. Deutschland steht im Negativranking demnach auf Platz sieben der 28 EU-Staaten. Der Durchschnitt in der Europäischen Union liegt bei 51 Prozent.

Besser als im europäischen Durschnitt stehen hingegen Kinder aus höher gebildeten Familien da: Während in Deutschland 20 Prozent der Kinder von Eltern mit mittlerem Bildungsabschluss armutsgefährdet sind, liegt dieser Wert im EU-Durchschnitt bei knapp 24 Prozent. Bei einem höheren Bildungsabschluss der Eltern liegen die Werte bei 6 Prozent in Deutschland und 8 Prozent im EU-Durchschnitt.

Status in Deutschland zementiert

Die Auswertung macht damit erneut deutlich, dass der soziale Status der Eltern auch den der Kinder zementiert - und die Schere immer weiter auseinandergeht. Das zeigen auch Bildungsvergleiche immer wieder, wie Anfang des Monats etwa die Pisa-Studie. Dieser Zusammenhang hat sich demnach sogar verstärkt.

Es gebe "Anlass zur Sorge", dass Deutschland beim Armutsrisiko hier "so deutlich über dem EU-Durschnitt liegt", sagt Thomas Krüger, Präsident des Deutschen Kinderhilfswerkes.

Im Alltag spiegele sich das Problem nicht nur in der Bildungsungerechtigkeit wider. Kinder nutzen das Essensangebot der Tafeln zudem besonders oft: 30 Prozent der Kundinnen und Kunden seien minderjährig, "und damit überproportional mehr als ihr Anteil an der Gesamtbevölkerung", sagte Krüger. Auch auf die Gesundheit von Kindern wirkt sich Armut zum Beispiel negativ aus.

"Fehlender politischer Wille"

Das Hilfswerk "vermisst an vielen Stellen den politischen Willen", die Probleme anzugehen. Es fordert, vorrangig in Familien mit einem niedrigen Bildungsabschluss anzusetzen. Das fange bei höheren Löhnen und Steuerentlastungen an, gehe über bezahlbaren Wohnraum bis hin zu besseren Chancen im Bildungssystem. Zudem plädiert das Kinderhilfswerk für eine Kindergundsicherung.

Die Große Koalition hat zuletzt das "Starke-Familien-Gesetz" auf den Weg gebracht. Vier Millionen besonders benachteiligte Kinder sollen demnach von Angeboten wie kostenlosem Mittagessen in der Schule, einem höheren Kinderzuschlag oder mehr Nachhilfe profitieren. Auch die Bürokratiehürden, die oft dazu geführt haben, dass die Angebote nicht bei den Kindern ankommen, sollen weniger werden.

Und im Gegensatz zu den Pisa-Zahlen zur Bildungsgerechtigkeit haben sich zumindest die Daten zur Kinderarmut in Deutschland leicht verbessert. Um sechs Prozent ging die Zahl der armutsgefährdeten Minderjährigen 2018 zurück. Laut Statistischem Bundesamt waren insgesamt 2,4 Millionen Kinder und Jugendliche betroffen.

sun