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11. November 2017, 07:03 Uhr

Kita-Plätze in Deutschland

Riesiger Bedarf, mickrige Finanzierung

400.000 Kita-Betreuungsplätze werden in Deutschland in den kommenden Jahren gebraucht - aber nur für ein Viertel davon steht Geld bereit. Experten warnen deshalb vor dem "Kita-Notstand".

Die Prognose macht Gerd Landsberg ziemlich unruhig: 400.000 neue Betreuungsplätze in Kitas, sagt der Hauptgeschäftsführer beim Deutschen Städte- und Gemeindebund, würden bis 2025 in Deutschland benötigt. "Die Geburtenrate steigt, die Flüchtlingskinder benötigen Plätze und immer mehr Eltern sind auf der Suche nach einem Betreuungsangebot", sagte Landsberg dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND).

Alleine in den kommenden drei Jahren fehlen schon 350.000 Kita-Plätze, schätzt auch Franziska Brantner, Familienexpertin bei den Grünen, und fordert "entschiedene Schritte gegen den Kita-Platz-Mangel." Es gebe eine riesige Lücke bei der Finanzierung, bestätigt Gerd Landsberg: "Die Mittel reichen bei weitem nicht aus, um den notwendigen Bedarf zu decken."

Laut RND sind nur etwa 100.000 zusätzliche Kita-Plätze gesichert - gerade mal ein Viertel dessen, was eigentlich nötig wäre. So seien die aktuellen Bundesmittel für den Ausbau schon jetzt nahezu komplett verplant, heißt es in dem Bericht: 550 Millionen Euro aus dem so genannten dritten Investitionsprogramm bis Ende 2018 habe der Bund inzwischen für nahezu alle Länder komplett bewilligt.

Nach Nordrhein-Westfalen gehen demnach aus diesem Programm 118 Millionen Euro, nach Niedersachsen knapp 51 Millionen, nach Schleswig-Holstein 18,2 Millionen, nach Mecklenburg-Vorpommern 10,53 Millionen und nach Brandenburg 15,6 Millionen.

Aus einem weiteren, gerade angelaufenen Kita-Investitionsprogramm mit 1,12 Milliarden Euro, das bis 2020 rund 100.000 Plätze finanzieren soll, sind bereits 68 Millionen Euro genehmigt. Das bestätigte eine Sprecherin des Bundesfamilienministeriums.

Der Kita-Bedarf vor Ort in den Kommunen ist so groß, dass einige Länder wie Bayern, Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz mit ihren jetzt vorliegenden Projektanträgen das für sie eingeplante Budget bereits ausgeschöpft haben. Gerd Landsberg fordert deshalb dringend finanzielle Hilfe aus Berlin: "Die Kommunen dürfen mit dieser Aufgabe nicht allein gelassen werden, sonst droht ein Kita-Notstand."

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