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26. September 2019, 05:00 Uhr

Bundesweiter Kita-Vergleich

Wo Ihr Kind besonders gut betreut wird - und wo nicht

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Das Gute-Kita-Gesetz sollte die Kinderbetreuung endlich auf Vordermann bringen. Doch vor allem der Osten hat noch immer deutlichen Nachholbedarf. Der Überblick.

Drei Kinder pro Fachkraft sind das Maximum: Diese Empfehlung spricht die Bertelsmann Stiftung für die Betreuung in Krippengruppen aus. Sind die Jungen und Mädchen älter als drei Jahre, sollte ein Erzieher für höchstens 7,5 Kinder zuständig sein. Doch die Realität sieht häufig anders aus, wie der "Ländermonitor Frühkindliche Bildungssysteme" zeigt.

Im Durchschnitt kümmert sich eine Erzieherin demnach rein rechnerisch um 4,2 Kleinkinder, in Kindergartengruppen lag der Schnitt für das Jahr 2018 bei 8,9 Kindern. Das zeigt die an diesem Donnerstag veröffentlichte Studie.

Insgesamt hat sich damit die bundesweite Betreuungssituation dennoch verbessert. Innerhalb der vergangenen zehn Jahre stieg die Zahl der pädagogischen Fachkräfte über die Hälfte auf 582.000. Gleichzeitig sank die Anzahl der Kinder pro Betreuer kontinuierlich. 2017 kümmerte sich ein Erzieher im Schnitt noch um 4,3 Krippen- oder 9,1 Kindergartenkinder.

Die wichtigsten Ergebnisse der Studie:

Doch ein Blick auf die einzelnen Bundesländer macht eklatante Unterschiede deutlich - vor allem zwischen Ost und West. Daran scheint auch das "Gute-Kita-Gesetz" nichts zu ändern, das allein im Jahr 2019 493 Millionen Euro in die Verbesserung der öffentlichen Kinderbetreuung pumpen soll. In einigen Bundesländern verschlechterte sich die Betreuungssituation sogar. Bertelsmann-Vorstand Jörg Dräger übte scharfe Kritik: "Das Gute-Kita-Gesetz ist eine vertane Chance", sagte er. Es fehlten einheitliche Standards, so könne keine kindgerechte Betreuung umgesetzt werden.

Im Kita-Alltag werden selbst diese Werte allerdings meist nicht erreicht. Rund ein Drittel der Arbeitszeit nutzten Erzieher für Aufgaben, bei denen sie nicht direkt mit den Kindern interagierten - Elterngespräche etwa oder die Dokumentation der Kindesentwicklung. Betreut eine Erzieherin in Mecklenburg-Vorpommern also rein rechnerisch 13,2 Kinder, sind es im Kitaalltag tatsächlich fast 20 Kinder.

Bedarf steigt weiter

In allen Bundesländern steigt der Bedarf für Personal in Kitas und Kindergärten weiter. Allein um den jetzigen Mangel auszugleichen und die Empfehlung der Stiftung zu erreichen, müssten laut der Studie 106.500 Fachkräfte eingestellt werden. Der Bedarf werde in den kommenden Jahren weiter steigen.

Experten weisen jedoch darauf hin, dass der Betreuungsschlüssel nicht der einzig wichtige Faktor ist, wenn es um die Beurteilung der Kitaqualität geht. Entscheidend sei auch die Ausbildung der Fachkräfte und die Betreuungskonzepte, die in den Kitas umgesetzt werden.

Auch der Deutsche Kitaverband weist auf diese zusätzlichen Faktoren hin. Der Ländermonitor sei "ein dringender Weckruf, Kita-Qualität, Personalgewinnung und damit auch das Ansehen und die Wertschätzung der Kita-Arbeit strategischer als bislang anzupacken", sagt Waltraud Weegmann, Vorsitzende des Kita-Verbands. Sie kritisiert, dass frische Bundesmittel in den Bundesländern vor allem in die Beitragsfreiheit gesteckt werden: "So bleiben vielerorts der Ausbau der Qualität und die Personalgewinnung auf der Strecke."

Im Video: Kein Platz für Kinder - Kita-Chaos in Berlin

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