Bundesweiter Kita-Vergleich Wo Ihr Kind besonders gut betreut wird - und wo nicht

Das Gute-Kita-Gesetz sollte die Kinderbetreuung endlich auf Vordermann bringen. Doch vor allem der Osten hat noch immer deutlichen Nachholbedarf. Der Überblick.

Bei 7,5 Kindern sollte Schluss sein: In den meisten Kindergärten wird dieser Betreuungsschlüssel nicht eingehalten
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Bei 7,5 Kindern sollte Schluss sein: In den meisten Kindergärten wird dieser Betreuungsschlüssel nicht eingehalten

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Drei Kinder pro Fachkraft sind das Maximum: Diese Empfehlung spricht die Bertelsmann Stiftung für die Betreuung in Krippengruppen aus. Sind die Jungen und Mädchen älter als drei Jahre, sollte ein Erzieher für höchstens 7,5 Kinder zuständig sein. Doch die Realität sieht häufig anders aus, wie der "Ländermonitor Frühkindliche Bildungssysteme" zeigt.

Im Durchschnitt kümmert sich eine Erzieherin demnach rein rechnerisch um 4,2 Kleinkinder, in Kindergartengruppen lag der Schnitt für das Jahr 2018 bei 8,9 Kindern. Das zeigt die an diesem Donnerstag veröffentlichte Studie.

Insgesamt hat sich damit die bundesweite Betreuungssituation dennoch verbessert. Innerhalb der vergangenen zehn Jahre stieg die Zahl der pädagogischen Fachkräfte über die Hälfte auf 582.000. Gleichzeitig sank die Anzahl der Kinder pro Betreuer kontinuierlich. 2017 kümmerte sich ein Erzieher im Schnitt noch um 4,3 Krippen- oder 9,1 Kindergartenkinder.

Die wichtigsten Ergebnisse der Studie:

  • Sachsen hat bundesweit die schlechtesten Werte. Hier kommen auf eine Erzieherin 6,2 Kinder in der Krippe und 12,7 im Kindergarten.
  • Mecklenburg-Vorpommern verbesserte sich beim Betreuungsschlüssel zwar bundesweit am stärksten, die Situation ist dort aber noch immer fast so ungünstig wie in Sachsen. Bei den Kindergartenkindern sind die Werte hier sogar bundesweit am schlechtesten: Pro Erzieher sollen 13,2 Kinder betreut werden.
  • In Baden-Württemberg betreut dagegen eine Fachkraft drei Kleinkinder, im Kindergarten sind es im Schnitt sieben Kinder: bundesweit die besten Werte, die sogar die Empfehlungen der Experten unterbieten.
  • In Bremen dagegen gab es keine Verbesserung. Dort sind Erzieher nun sogar im Schnitt für mehr Kinder zuständig als zuvor: Betreute 2013 ein Erzieher 3,2 Krippenkinder, sind es nun 3,5. Im Kindergartenbereich stieg der Wert von 7,7 auf 8,3.
  • In Berlin werden besonders viele Kinder in altersübergreifenden Gruppen betreut. Zwei Drittel der Kinder unter drei Jahre sind betroffen - und müssen mit einem ungünstigen Betreuungsschlüssel klarkommen: Ein Erzieher kümmert sich hier im Schnitt um 7,5 Kleinkinder.

Doch ein Blick auf die einzelnen Bundesländer macht eklatante Unterschiede deutlich - vor allem zwischen Ost und West. Daran scheint auch das "Gute-Kita-Gesetz" nichts zu ändern, das allein im Jahr 2019 493 Millionen Euro in die Verbesserung der öffentlichen Kinderbetreuung pumpen soll. In einigen Bundesländern verschlechterte sich die Betreuungssituation sogar. Bertelsmann-Vorstand Jörg Dräger übte scharfe Kritik: "Das Gute-Kita-Gesetz ist eine vertane Chance", sagte er. Es fehlten einheitliche Standards, so könne keine kindgerechte Betreuung umgesetzt werden.

Im Kita-Alltag werden selbst diese Werte allerdings meist nicht erreicht. Rund ein Drittel der Arbeitszeit nutzten Erzieher für Aufgaben, bei denen sie nicht direkt mit den Kindern interagierten - Elterngespräche etwa oder die Dokumentation der Kindesentwicklung. Betreut eine Erzieherin in Mecklenburg-Vorpommern also rein rechnerisch 13,2 Kinder, sind es im Kitaalltag tatsächlich fast 20 Kinder.

Bedarf steigt weiter

In allen Bundesländern steigt der Bedarf für Personal in Kitas und Kindergärten weiter. Allein um den jetzigen Mangel auszugleichen und die Empfehlung der Stiftung zu erreichen, müssten laut der Studie 106.500 Fachkräfte eingestellt werden. Der Bedarf werde in den kommenden Jahren weiter steigen.

Experten weisen jedoch darauf hin, dass der Betreuungsschlüssel nicht der einzig wichtige Faktor ist, wenn es um die Beurteilung der Kitaqualität geht. Entscheidend sei auch die Ausbildung der Fachkräfte und die Betreuungskonzepte, die in den Kitas umgesetzt werden.

Auch der Deutsche Kitaverband weist auf diese zusätzlichen Faktoren hin. Der Ländermonitor sei "ein dringender Weckruf, Kita-Qualität, Personalgewinnung und damit auch das Ansehen und die Wertschätzung der Kita-Arbeit strategischer als bislang anzupacken", sagt Waltraud Weegmann, Vorsitzende des Kita-Verbands. Sie kritisiert, dass frische Bundesmittel in den Bundesländern vor allem in die Beitragsfreiheit gesteckt werden: "So bleiben vielerorts der Ausbau der Qualität und die Personalgewinnung auf der Strecke."

Im Video: Kein Platz für Kinder - Kita-Chaos in Berlin

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gardinchen 26.09.2019
1. Nur der Schlüssel
Die Überschrift ist mal wieder sehr tendenziös. Nur der Schlüssel ist doch nicht entscheidend. Interessant wäre, wie hoch die betreuungsquote ist und ob alles echte Erzieher mit fünfjähriger Ausbildung sind. Die betreuungszeiten wären dann auch gleich einzubeziehen.
eunegin 26.09.2019
2. Hauptsache überhaupt einen Kita-Platz!
Berlin: wir hatten über 25 Absagen. Da liegen die Nerven blank und ist man nicht mehr wählerisch. Was schlimmer ist als der Betreuungsschlüssel, ist der ständige Betreuerwechsel durch den Mangel. Das belastet Kinder wesentlich mehr. In Berlin wären viele Eltern die ich kenne bereit, für bessere Betreuung auch verdienstabhängig mehr zu zahlen. Aber hier werden staatliche Wohltaten verteilt und dann wundert man sich über den Gegenwert. Unsere Kita-Zeit ist beendet. Seit diesem Jahr geht es auf die Schule und das ist in Berlin en noch wesentlich prekäreres Thema. Wegen des Berufs können wir nicht umziehen, so müssen wir und die Kinder leider mit der Berliner Mangel- und Misswirtschaft in allen Bereichen auskommen. Trotzdem kann diese Stadt lebenswert sein, einfach ist sie nicht.
fraho 26.09.2019
3. Kiga statt Kita
Wenn es darum geht, wo bzw. wie Kinder besonders gut betreut werden, dann wäre es schön, wenn der Spiegel mal den allgemeinen Kita-Trend im Vergleich zu Kiga und nachmittags Betreuung durch Vater/Mutter bzw. Bezugspersonen aus dem familiären Umfeld beleuchten würde.
dresdeners 26.09.2019
4. Gesamtzahl
Die Frage der Qualität ist die eine Sache, die Frage der Chance auf einen Betreuungsplatz eine ganz andere. Diesem Artikel fehlt daher die wichtige Statistik, wie viele Kinder insgesamt in den einzelnen Kreisen und Bundesländern betreut werden, und da sieht die Sache höchstwahrscheinlich ganz anders aus. Bitte ergänzen, sonst ist das Bild komplett schief!
K-Roy 26.09.2019
5. Rechtsgrundlage vs Empfehlung
Aus den (Hamburger) "Richtlinien für den Betrieb von Kindertageseinrichtungen": Von einer ausreichenden Betreuung ist auszugehen, wenn eine Fachkraft - Kind- Relation - im Krippenbereich von 1 : 7,6 - im Elementarbereich von 1 : 12,5 besteht. Diese gesetzliche Grundlage des Betreuungsschlüssels wird im Artikel leider nicht erwähnt. Wohlmeinende Empfehlungen sind da erst einmal zweitrangig.
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