Kaum Plätze für Zweijährige Verheerender Kitaplatzmangel in Deutschland

In Deutschland klafft eine bedenkliche Versorgungslücke bei der Kinderbetreuung. Besonders Eltern von Kindern unter drei Jahren finden nur schwer einen Kitaplatz. Forscher glauben, dass sich das Problem noch verschlimmert.

Kindertagesstätte in Nordrhein-Westfalen
DPA

Kindertagesstätte in Nordrhein-Westfalen


Trotz Investitionen von Bund und Ländern in den Ausbau von Kindertagesstätten ist die Suche nach einem Kitaplatz für Kinder unter drei Jahren oft schwierig. In Deutschland fehlen aktuell noch immer 273.000 Plätze für diese Altersgruppe, wie die "Welt am Sonntag" unter Berufung auf Zahlen des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln berichtet. Das entspreche einer Betreuungslücke von 11,6 Prozent.

Der Kitaplatzmangel ist damit nur leicht zurückgegangen. 2017 hatten dem Bericht zufolge noch 279.000 Kitaplätze für unter Dreijährige gefehlt, was einer Lücke von 12,1 Prozent entsprach.

Als Grund dafür, dass die Lücke kaum kleiner geworden ist, werden steigende Geburten- und Zuwandererzahlen genannt. Außerdem gebe es immer mehr Eltern, die sich einen Kitaplatz für ihr Kind wünschten.

"Die Kommunen müssen sich darauf einrichten, dass sie in zehn Jahren für alle Kinder ab zwei Jahren eine Betreuung anbieten müssen", sagte IW-Familienpolitik-Experte Wido Geis-Thöne der Zeitung. Seit August 2013 haben Kinder ab dem vollendeten ersten Lebensjahr bundesweit Anspruch auf einen öffentlich geförderten Betreuungsplatz.

Lücke könnte größer werden

Experten befürchten, dass sich die Versorgungslücke in den nächsten Jahren wegen des Erziehermangels vergrößert. Der familienpolitische Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Marcus Weinberg, forderte in der "Welt am Sonntag", die Rekrutierung neuer Fachkräfte müsse als "nationale Aufgabe" begriffen werden.

Das Statistische Bundesamt hatte kürzlich ebenfalls mitgeteilt, dass immer mehr Eltern ihre Kleinkinder in eine Kita schicken: 789.600 Kinder unter drei Jahren besuchten demnach zum Stichtag 1. März 2018 in Deutschland eine Tageseinrichtung. Das sind rund 27.200 mehr als zum gleichen Zeitpunkt des Vorjahres. Den Statistikern zufolge gab es Anfang März bundesweit 55.933 Kindertageseinrichtungen, 640 mehr als zum Vorjahreszeitpunkt.

Bei den unter Dreijährigen sind es der Statistikbehörde zufolge vor allem Zweijährige, die in einer Kita betreut werden: Von ihnen besuchten im März 2018 knapp 63 Prozent eine Kita.

Im Bundestag wird gerade ein "Gute-Kita-Gesetz" beraten. Damit sollen Deutschlands Kitas besser und für Geringverdiener kostenlos werden. Bis 2022 sollen dafür 5,5 Milliarden Euro vom Bund an die Länder fließen. Das Familienministerium will mit den Ländern in jeweils einzelnen Vereinbarungen festhalten, wie die Mittel verwendet werden.

ssu/dpa

Mehr zum Thema


insgesamt 8 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Lion 22.10.2018
1. Habt ihr bei SPON nicht eben noch berichtet...
.....dass sich Frauen ärgerlicherweise wegducken, wenn es hart wird im Job und dass man so ja auch nicht auf der Karriereleiter hochkommt? Na da habt ihr einen der Gründe dafür, dass das mit der weiblichen Karriere nicht so läuft wie bei Männern. Wenn es überhaupt Plätze gibt, dann sind sie oft nicht lange genug offen. Und von den Frauen, die das knallhart durchziehen mit voller Stelle und zur Kita hetzen und kranke Kinder und Job jonglieren etc., brennen dann einige nach einer Weile aus! Wer sollte das denn ernsthaft wollen? Und dann oft noch für 20 Prozent weniger Bezahlung als Männer?
njotha 22.10.2018
2. Hungerlöhne...
... in immer mehr Berufen zwingen immer mehr Eltern dazu, dass beide Elternteile in Vollzeit und mehr arbeiten müssen und immer mehr Alleinerziehende dazu, weit mehr als Vollzeit in mehreren Jobs zu arbeiten. Da bleibt keine Zeit und Muße mehr für Kinderbetreuung zu Hause. Und dann bezahlt man die Erzieher/innen so schlecht, dass es unmöglich ist, ausreichend viel Personal zu finden - geschweige denn, ausreichend viel gutes Personal. Hungerlöhne für die große Masse, damit wir ein paar hundert mehr Milliardäre haben, sind ein zuverlässiger Weg ins Desaster. Aber das ist für Milliardäre ohne Belang.
kika2012 22.10.2018
3. Lion
Ich ziehe das knallhart durch; 80% Job, weil Kindergarten nur bis 16:30 geöffnet ist. Alleinerziehend, Keine Familie, Babysitter 2 Mal die Woche und private Reisen am Wochenende. Wenn man will, geht das alles. Auch ohne Burnout. Zum Nervenzusammenbruch bringt mich Dank der Scheidung eher der Ex und das Gericht, das meint, ich bin nicht genug für mein Kind da! Selten so gelacht!!!! Deutsche Frauen werden von allen Seiten dazu genötigt, nur ein paar Stündchen arbeiten zu gehen...Oder auf 450 EUR Job zu machen. Unterstützung? NULL
1579 22.10.2018
4. Es bleibt wie es immer gewesen ist
Wenn man keine Grosseltern hat, oder diese auch noch arbeiten, dann bleibt es doch an den Müttern hängen. Die wenigsten können sich eine Tagesmutter leisten, bzw. fallen dabei so hohe Kosten an, dass vom Gehalt nicht mehr viel übrig bleibt. Die Regierung sollte andere Wege gehen. Es müsste ab einer bestimmten Betriebsgröße ( Mitarbeiterzahl)verpflichtend sein, Betriebskitas einzurichten. Davon haben alle etwas.
lupo62 22.10.2018
5. Igendwas läuft schiefverhaltensauffälliger Kinder
Nach den Statistiken sind wir zwar reich wie nie, aber tatsächlich müssen beide Eltern arbeiten, um mit ihrem Einkommen auskommen zu können. Viele verzichten auf Nachwuchs, und da, wo er vorhanden ist, landet er oft schon im Babyalter in der Kita. Tendenz zunehmend. Das kann dem Kind gut bekommen oder auch nicht - die Frage stellt sich gar nicht, weil die wirtschaftlichen Zwänge darhinter stehen und keine Wahl bleibt. Irgendwas läuft da ganz gewaltig schief.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.