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04. November 2015, 16:47 Uhr

Berlin zahlt Schülern eine Woche New York

Das fliegende Klassenzimmer

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Mehr als 38.000 Euro hat die Fahrt einer Berliner Oberstufenklasse nach New York gekostet. Das Geld dafür kam aber nicht von den Eltern, sondern aus einem staatlichen Fördertopf.

Einmal im Museum of Modern Art vor den Originalgemälden der Impressionisten stehen, einmal die Grand Central Station, das Empire State Building und Rockefeller Center sehen, einmal durch den Central Park laufen oder das Immigration Museum auf Ellis Island erkunden.

Der Englischlehrer Frederik von Elm des Berliner Robert-Koch-Gymnasiums wollte seinen Schülern etwas ganz Besonderes bieten und organisierte eine Klassenfahrt nach New York City. Sieben Tage verbrachten die Zwölftklässler im Oktober im Big Apple.

Der Trip kostete pro Schüler mehr als 2000 Euro, für die ganze Klasse kamen laut "Tagesspiegel" 38.085 Euro zusammen. Es waren allerdings nicht die Eltern, die für die Reise gezahlt haben, sondern der Staat. Das Geld für die Klassenfahrt kam aus dem Bildungs- und Teilhabepaket (BuT). Mit diesem Fördergeld soll es Kindern und Jugendlichen aus Familien mit geringem Einkommen ermöglicht werden, an Ausflügen und Klassenfahrten teilzunehmen.

Den Zuschuss erhalten Schüler, deren Eltern beispielsweise Arbeitslosengeld II, Sozialhilfe, Wohngeld oder Kinderzuschlag erhalten. Diese Voraussetzungen erfüllten alle Schüler der Klasse. Mit dem Einverständnis des Schulleiters konnte die Förderung, die in Berlin nicht auf eine bestimmte Höhe gedeckelt ist, beantragt werden.

Auf den Spuren von Gatsby

"Wir haben uns in den vergangenen Semestern viel mit den USA beschäftigt", sagt Frederik von Elm. Die Klasse habe "The Great Gatsby" von F. Scott Fitzgerald gelesen, "The Tortilla Curtain" von T. C. Boyle und die Graphic Novel "American Born Chinese", um das Land zu verstehen. "Da fand ich es sehr sinnvoll, mit der Klasse nach New York zu fahren", sagt von Elm. "Wir haben ja auch die Möglichkeit dazu, warum sollen wir diese nicht nutzen?"

Schulleiter Rainer Völkel hat eingewilligt, weil ihn das Konzept des Lehrers überzeugt hat, wie er sagt. Viele Schüler der Klasse hätten nicht nur Englisch, sondern auch Kunst als Leistungskurs gewählt, da sei ihm eine Reise nach New York sehr sinnvoll erschienen. "Wenn man große US-Romane behandelt hat, dann verstehe ich es, dass man auch mal in die USA reisen will", sagt Völkel. Auch den Besuch im Museum of Modern Art habe er für die Schüler als sehr bereichernd eingeschätzt.

Völkel sagt, er habe sich von dem Eifer der Schüler beeinflussen lassen. Einige von ihnen besäßen keinen deutschen Reisepass und hätten sich freiwillig einer peinlichen Befragung in der US-Botschaft gestellt. "Sie waren sehr engagiert. So etwas erlebe ich nicht so oft bei den Schülern", sagt Völkel. "Da habe ich einmal eine Ausnahme gemacht. Ich habe mich breitschlagen lassen."

"Das war ein bisschen too much"

Völkel versteht aber auch die Kritik, eben dass eine solche Reise in keinem Verhältnis stehe und die Schule viel zu viel Geld aus dem Förderprogramm genommen habe. Der Schulleiter habe daraus gelernt, eine solche Reise werde es nicht wieder geben. Lehrer von Elm rechtfertigt sich mit den Worten, er sei begeistert von seinen Schülern, die ein besonders starkes Interesse an den USA gezeigt hätten. Heute sagt er über die Klassenfahrt: "Okay, das war vielleicht ein bisschen too much."

Auch die Berliner Bildungssenatorin, Sandra Scheeres (SPD) sagt, der Betrag für die Reise nach New York sei eindeutig zu hoch gewesen. "Ich erwarte, dass mit den Entscheidungsbefugnissen verantwortungsvoll umgegangen wird." Es habe nicht einmal eine Partnerschaft mit einer Schule in New York gegeben oder einen besonderen Anlass, der diese Reise gerechtfertigt hätte. Auch die Schulkonferenz des Gymnasiums, ein Gremium aus Schulleitung, Lehrern, Eltern und Schülern, soll nicht darüber diskutiert haben, in welchem Rahmen Kosten für eine solche Reise angemessen seien.

Die Berliner Bildungspolitikerin Stefanie Remlinger (Grüne) traut den Schulen indes zu, in Zukunft verantwortungsvoll mit Fördergeldern umzugehen. "Man sollte ihnen nicht vorschreiben, wohin die Klassen reisen dürfen", sagt sie. Remlinger findet es aber auch "frech", wie viel Geld das Robert-Koch-Gymnasium für die Reise nach New York beantragt hat. Es sei gut, dass sich die Schule nun dafür rechtfertigen müsse. "Das ist ein extremer und sehr unangenehmer Lerneffekt." Vielleicht könne die Schule so ein Thema in Zukunft ja mal im Ethikunterricht besprechen.

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