Homeschooling-Bewegung Ex-Arbeitsminister Blüm geißelt "Schulregiment"

Sie würden ihre Kinder gern zu Hause unterrichten, statt sie zur Schule zu schicken: Die Aktivisten der umstrittenen Homeschooling-Bewegung wollen die Schulpflicht abschaffen, oft aus religiösen Motiven. Jetzt bekommen sie prominente Unterstützung von CDU- und FDP-Politikern.
Homeschooling in den USA: Klassisches Elternrecht

Homeschooling in den USA: Klassisches Elternrecht

Foto: Wade Payne/ ASSOCIATED PRESS

Immer wieder wollen Eltern ihre Kinder lieber zu Hause unterrichten, als sie in eine Schule zu schicken - und scheitern an der deutschen Rechtssprechung. Denn Homeschooling ist hierzulande verboten, es gilt die allgemeine Schulpflicht. Im Widerstand dagegen bilden sich mitunter Allianzen aus sehr bibeltreuen Christen und linksalternativen Liebhabern anti-autoritärer Erziehungsmethoden.

In dieser Woche tagt nun ein internationaler Kongress der umstrittenen Homeschooling-Bewegung in Berlin - und bekommt prominente Unterstützung von CDU- und FDP-Politikern. Ex-Bundesarbeitsminister Norbert Blüm (CDU) hat ein provokantes Grußwort verfasst. Darin rechnet er mit der gängigen Schulpolitik ab und lässt Sympathien für die "Freilerner", wie sie sich selbst gern nennen, erkennen: Dass Eltern ihre Kinder verantwortungsvoll selbst beschulen, sei ein "heilsamer Stachel" gegen das Schulregiment.

Er selbst habe "mehr außerhalb als innerhalb der Schule gelernt", schreibt Blüm weiter. Mittlerweile dagegen beobachte er "eine totale Vereinnahmung durch den Schulbetrieb", der "imperialistische Züge" angenommen habe. Er sei "gegen die Monopolisierung der Erziehung durch den Staat und die faktische Abschaffung von Elternschaft". Wenn man auch noch die "letzten Überbleibsel der Familie an Wissenschaft, Wirtschaft und Staat" übergäbe, wäre die Gesellschaft "mit einer wohltemperierten und -versorgten Legehennenbatterie" vergleichbar, warnt Blüm.

Wie weit manche Homeschooling-Aktivisten gehen

Der bildungspolitische Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion, Patrick Meinhardt, nimmt als Referent an dem Kongress teil. Er will für mehr "dezentrale" Lernmöglichkeiten plädieren - aber nur unter Behördenaufsicht, mit klaren Bildungszielen und in Kooperation mit Schulen. Sein Ziel sei es, mehr Bildungsfreiheit in Deutschland zu schaffen und das Lernen nicht räumlich, sondern inhaltlich zu definieren, sagte er. Der Kongress findet von Donnerstag bis Sonntag in Berlin statt. "Freies häusliches Lernen ist ein grundlegendes Menschenrecht", heißt es auf der Webseite der Veranstaltung.

Die Verfassungen der Bundesländer sehen hingegen eine allgemeine Schulpflicht vor. Wer seine Kinder also einfach zu Hause lässt, macht sich strafbar. Anfang 2011 verurteilte ein hessisches Gericht eine Familie zu einer Geldstrafe, weil die streng gläubigen Eltern ihre Kinder zu Hause unterrichten wollten. Eine Mutter aus Hessen erhielt sogar eine Haftstrafe von sechs Monaten, weil ihr Sohn so selten in der Schule erschienen war.

In Österreich, Frankreich, Großbritannien und anderen Staaten herrscht hingegen nur eine Unterrichts- oder Bildungspflicht. Das heißt, die Vermittlung von Wissen ist nicht zwingend an den Besuch einer Schule gekoppelt. In den USA gilt Homeschooling als klassisches Elternrecht. Nicht immer sind die Gründe dafür religiös. Einige Eltern kritisieren auch starre Lehrpläne und hohe Kosten für Privatschulen.

stg/son