Kontrollen Britische Schüler müssen durch den Pieper

Wenn es piept, wird die Tasche durchsucht: Großbritanniens Innenministerin Jacqui Smith will Metalldetektoren ans Schultor stellen. Die Jugendlichen sollen vor allem ihre Messer zu Hause lassen, damit der Schulhof nicht zum Kampfplatz für Jugendgangs wird.

"Die jungen Leute sollen wissen, dass es sie nicht sicherer macht, ein Messer bei sich zu haben - es ist sogar wahrscheinlicher, dass sie so zu einem Opfer werden", sagte Großbritanniens Innenministerin Jacqui Smith dem Fernsehsender BBC. Sie will Detektoren an mehreren hundert Schulen einführen. Sie sollen aussehen wie die grauen Metallbögen, durch die jeder Fluggast gehen muss, wenn er zu seinem Gate geht.

Die Schulen haben vielerorts mit mehr Gewalt unter den Schülern zu kämpfen: In Berlin-Neukölln stehen seit Dezember 2007 Wachen am Schultor, in den USA streitet eine Lehrerin vor Gericht dafür, zur Selbstverteidigung eine Waffe mit in die Schule nehmen zu dürfen - an Großbritanniens Schulen sind vor allem die Messerattacken ein wachsendes Problem, berichtet heute die britische Zeitung "Observer".

Erst vergangene Woche sei ein 13-jähriges Mädchen in London kurz nach der letzten Schulstunde überfallen worden, mit einem Messer stach ihr der Angreifer in Schulter und Oberschenkel. Dies sei nur der aktuelle Fall einer Serie von Aufsehen erregenden Messerattacken, die blutig und manchmal sogar tödlich enden, schreibt die englische Zeitung.

5000 Pfund für einen Detektor

Auch viele ganz normale Schüler steckten sich nun ein Messer in den Ranzen, um sich verteidigen zu können, wenn es ernst wird. Innenministerin Jacqui Smith sagt, auf den Schulhöfen sei eine Art "Gang Culture" entstanden, die immer jüngere Schüler dazu gebracht habe, sich zumindest mit einem Messer zu bewaffnen.

Jeden Schüler zu durchsuchen und die Waffe abzunehmen, sei nicht so einfach, da dies ein Eingriff in die Privatsphäre der Minderjährigen sei, und die Lehrer sich so selbst in Gefahr brächten, schreibt der "Observer". Die Schul-Detektoren sollen nun der Weg sein, dieses Problem zu lösen. Sie sind Teil eines breit angelegten Anti-Gewalt-Plans, den Innenministerin Jacqui Smith in den kommenden Wochen vorstellen will.

Die meisten der Pieper sollen in Schulen in den Metropolen London, Liverpool, Manchester und Birmingham aufgestellt werden. Lehrer und Polizei unterstützen die Idee der Innenministerin Jacqui Smith. 5000 Pfund pro Stück sollen die Maschinen kosten.

In den vergangenen drei Jahren sei in Großbritannien die Zahl der unter 18-Jährigen, die wegen Gewaltverbrechen verurteilt oder verwarnt wurden, um mehr als ein Drittel gestiegen, schreibt außerdem die britische Zeitung "Sunday Telegraph". 2003 waren es noch rund 17.600 Jugendliche, 2006 schon 24.100. Dies liegt aber auch daran, dass in den vergangenen Jahren deutlich mehr Fälle vor Gericht gebracht wurden, sagte eine Sprecher des Innenministeriums.

maf/dpa

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