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30. Mai 2007, 16:37 Uhr

Krach mit der Kirche

Katholische Lehrerin wieder im Dienst

Die Braunschweiger Religionslehrerin Angelika Lüning wurde von der katholischen Kirche gefeuert, weil sie auch andere Fächer unterrichtete. Eltern und Kollegen protestierten gegen die "christlose Kündigung". Mit Erfolg: Jetzt lenkte das Bistum ein.

Angelika Lüning darf weiter als Religionslehrerin arbeiten. Das kündigte das Bistum Hildesheim am Dienstag nach einem Schlichtungstermin an. Die 53-Jährige solle vom kommenden Schuljahr an allerdings nicht mehr an der Wilhelm-Bracke-Gesamtschule unterrichten, sondern werde an anderen Schulen im Raum Braunschweig eingesetzt. Einzelheiten des Schlichtungsgesprächs wurden nicht bekannt.

Demonstranten in Hildesheim: Die Kirche lenkte ein
DPA

Demonstranten in Hildesheim: Die Kirche lenkte ein

Der katholischen Lehrerin war zur Last gelegt worden, jahrelang gegen ihren Arbeitsvertrag verstoßen zu haben. Ihr Rauswurf erfolgte nicht etwa, weil sie zu wenig arbeitete oder ihre Schüler schlecht behandelte - sondern weil sie auch andere Fächer unterrichtete, darunter evangelische Religion. Dabei hatte Lüning über 30 Jahre lang an der Gesamtschule gearbeitet und bekam einen Nettolohn von rund 1400 Euro, weit weniger als ihre Beamtenkollegen.

Die Entscheidung des Bistums hatte hohe Wellen geschlagen. Mitte Mai protestierten rund 100 Lehrer und Elternvertreter vor dem Hildesheimer Dom gegen das Vorgehen der katholischen Kirche; der Hildesheimer Bischof Norbert Trelle wurde als "Bischof Gnadenlos" bezeichnet. SPIEGEL ONLINE berichtete über den Fall.

Die heftigen Reaktionen in der Öffentlichkeit nach der rigorosen Entscheidung hatten die Verantwortlichen offenkundig überrascht. Die Ausbootung der beliebten Lehrerin verursachte einen immensen Imageschaden. So kam es schließlich zum Schlichtungsgespäch - und zur Wiedereinstellung der Lehrerin.

Lüning sei nicht entlassen worden, weil sie evangelischen Religionsunterricht erteilt habe, sondern weil sie andere Fächer unterrichtet habe, so die Darstellung des Bistums. Beim Religionsunterricht kooperierten beide Konfessionen durchaus miteinander, dies sei nicht Stein des Anstoßes gewesen.

kat/dpa

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