Kulturkampf Texaner wollen islamfreundliche Schulbücher verbannen

Darf in Schulbüchern mehr über den Islam stehen als über das Christentum? Dürfen Kreuzzüge "brutal" genannt werden? Auf keinen Fall, finden konservative Texaner. Die Schulbehörde in dem US-Bundesstaat entscheidet jetzt über eine Resolution, die Verleger vor "pro-islamischer" Sprache warnt.

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Vor einer feindlichen Übernahme des texanischen Bildungswesens warnt Randy Rives, grauer Scheitel, besorgter Blick, Baptist. Vom Geld der Muslime spricht er, das zunehmend in amerikanische Schulbücher investiert werde. Er fürchtet, Islamisten könnten sich in die Köpfe texanischer Schulkinder einschleichen. Auch Nikita Chruschtschow habe Ähnliches versucht. Es ist eine von vielen Reden, die Rives gehalten hat, man findet Passagen bei YouTube.

Rives ist Geschäftsmann und Lokalpolitiker in Texas, eines seiner Lieblingsthemen ist Bildung. Er nennt sich einen konservativen Republikaner und hat seinem Land in zahlreichen Kommissionen gedient, wie er auf seiner Website schreibt.

Und jetzt verteidigt er einen der größten US-Schulbuchmärkte: seine Heimat Texas.

Der Beirat der Schulbehörde des Bundestaates, das State Board of Education, stimmt am Freitag über eine Resolution ab, die Rives entworfen hat und die "pro-islamische/anti-christliche Tendenzen" in Schulbüchern verhindern soll. Rives will damit ein Signal an Verlage senden, das man so zusammenfassen kann: Wenn ihr bei uns Bücher verkaufen wollt, dürft ihr nicht allzu freundlich umgehen mit der Religion des Feindes.

Trennung von Staat und Kirche? Haben die Gründerväter nicht so gemeint

Zwar ringen auch in Deutschland Politiker und Lobbygruppen um die Inhalte von Unterrichtsmaterial, etwa wenn Evangelikale sich erfolgreich über einen religionskritischen Text in einem bayerischen Schulbuch beschweren. Oder wenn Interessenverbände versuchen, Einfluss zu nehmen, zum Beispiel mit Gratis-Arbeitsblättern zur Atomdebatte. Doch der ideologische Streit in Texas hat andere Dimensionen.

Wenn sich Rives durchsetzte, wäre das ein weiterer Erfolg für die konservative, religiöse Rechte. Erst im Frühling hatten die Konservativen erwirkt, dass in texanischen Geschichts- und Wirtschaftsbüchern die "Überlegenheit des Amerikanischen Kapitalismus" deutlicher herausgestellt wird, schreibt die "New York Times". Auch soll in den Büchern künftig stärker in Frage gestellt werden, ob die Gründerväter Amerikas es wirklich so ernst gemeint haben mit der Trennung von Staat und Kirche. Die Überzeugungen der Republikaner sollen demnach in einem deutlich besseren Licht dargestellt werden.

Der neuen Resolution liegt Rives' Erkenntnis zugrunde, dass in früheren Schulbüchern angeblich deutlich mehr über den Islam steht als über das Christentum - und dass das Christentum schlecht dabei wegkommt. Die BBC zitiert ihn mit den Worten: "Wir bringen unseren Kindern doppelt so viel über andere Religionen bei als über das Christentum, das Fundament unseres Landes."

In seinem Resolutionsentwurf ist nachzulesen, dass Rives die Zeilen gezählt hat, die sich mit der jeweiligen Religion auseinandersetzen, ordentlich aufgelistet im Anhang mit Seitenzahlen. So stört sich Rives unter anderem daran, dass die Kreuzzügler des Mittelalters als "brutale Angreifer" und "Eindringlinge" beschrieben werden, während die Besetzung christlicher Länder durch Muslime als Wanderungsbewegung angeblich verharmlost werde. Oder dass in einem Geschichtsbuch von 1999 nur 82 Zeilen zum Christentum zu finden sind, aber 159 zum Islam. Das seien eindeutig tendenziöse Darstellungen, zitiert MSNBC den religiösen Schulpolitiker Rives, "und wir glauben, sie sind nicht zufällig zustande gekommen".

Die liberale Organisation "Texas Freedom Network" kritisierte die Pläne scharf. Rives' religiöse Zeilenzählerei sei oberflächlich, unausgegoren und nur dazu geeignet, Vorurteile und Angst zu erzeugen, heißt es bei MSNBC.

Rives ficht das nicht an. Die Kritik, er beziehe sich nur auf Bücher, die schon lange nicht mehr benutzt werden, weist er laut BBC mit den Worten zurück: Es gehe eben darum, so etwas in Zukunft nicht mehr zuzulassen. Sollte die Schulbehörde seine Resolution verabschieden, müsste sie Bücher mit vermeintlich islamfreundlicher Sprache künftig ablehnen.



insgesamt 131 Beiträge
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Seite 1
kb26919 24.09.2010
1. Waere der Schuh auf dem anderen Fuss
naehmlich gaebe es mehr Seiten ueber den christlichen Glauben als ueber den islamischen Glauben waeren die Proteste auch garantiert,und nicht nur garantiert friedlich.Denn unsere muslimischen Mitbuerger sind immer sehr schnell dabei wenn es darum geht moegliche Angriffe oder Beleidigung auf ihre Religion geht drohne immer gleich Gewaltdrohungen. Schulbuecher sollten die Religion draussen lassen. Denke auch in USA haben die Schulen genug Probleme um sich nicht die Zeit mit sinnlosen Diskussionen stehlen lassen.
Schwarzwälder, 24.09.2010
2. Schulbücher
sollten eine kritische Auseinandersetzung mit den Religionen liefern. Wenn Menschen in der Schule lernen, wie religiöse Weltbilder entstanden sind (z.B. aus früheren Religionen und Legenden) und wie "Propheten" die Religiosität ausnutzen, um weltliche Macht und Einfluss zu erlangen - dann werden sie auch kritisch genug, um später keine religiösen Fanatiker zu werden.
pietro-del-cesare 24.09.2010
3. ....
Zitat von sysopDarf in Schulbüchern mehr über den Islam stehen als über das Christentum? Dürfen Kreuzzüge "brutal" genannt werden? Auf keinen Fall, finden konservative Texaner. Die Schulbehörde in dem US-Bundesstaat entscheidet jetzt über eine Resolution, die Verleger vor "pro-islamischer" Sprache warnt. http://www.spiegel.de/schulspiegel/0,1518,719263,00.html
Na, suchen wir wieder nach einem Grund, alle Südstaatler als Hinterwäldler zu bezeichnen?
pseudo 24.09.2010
4. ja ja....
Wenn das gleiche jetzt in umgekehrterweise in einem islamischen Land passieren würde...na da lege ich aber meine Hand dafür ins Feuer, dass dieses Forum nicht nur eine Seite mit 3 Kommentaren hätte, sondern einige Protest-Seiten und -Beiträge mehr!
Sitrom 24.09.2010
5. Minimum
In Schulbuechern sollte nur minimalistisch ueber Religion und dann nur wissenschaftlich berichtet werden. Kreuzzuege sind primaer ein politisches Thema gewesen, in dem Religion instrumentalisiert wurde. Brutal sind auch nicht die Kreuzzuege per se sondern viel mehr die Verhaltensweise einzelner Feldherren. Egal ob Christ, Hindu, Muslim, etc. ... Religion hat in der Schule ausser als Wissenschaftsfach (sprich Philosophie) nichts zu suchen.
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