Bundesweit vergleichbare Aufgaben Kultusminister beschließen Abitur-Reform

Das Abitur wird bundesweit vergleichbarer: Die Kultusminister haben beschlossen, Musteraufgaben für das Abi zentral prüfen zu lassen. Ab 2016 soll es losgehen.

Abiturprüfung 2013: Das Abi wird deutschlandweit vergleichbarer
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Abiturprüfung 2013: Das Abi wird deutschlandweit vergleichbarer


Die 16 Bundesländer wollen das Abitur künftig bundesweit vergleichbar machen. Dazu soll es ab dem Schuljahr 2016/2017 eine Aufgabensammlung geben, aus deren Pool sich die Länder bedienen können. Ein deutsches Zentralabitur soll es aber nicht geben. Das gab die Konferenz der Kultusminister (KMK) am Freitag in der Lutherstadt Wittenberg bekannt.

Ziel ist es, ein bundesweit ähnliches Abitur mit gleichwertigen Aufgaben für alle Bundesländer zu schaffen. Das ländereigene Institut zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen (IQB) in Berlin soll einen entsprechenden Aufgabenpool betreuen.

In den Kernfächern Deutsch, Mathematik sowie in der fortgeführten Fremdsprache (zum Beispiel Englisch und Französisch) sollen die Bildungsstandards angeglichen werden, wodurch alle Oberstufenschüler über einen einheitlichen "Erwartungshorizont" verfügen sollen. Auch die Prüfungen selbst werden nach bundesweiten Kriterien gestellt. So wird etwa der Einsatz von Taschenrechnern im Mathematik-Abitur oder Literaturlisten im Deutsch-Abitur bundesweit geregelt.

"Ein Prozess, der über viele Jahre geht"

Das Prozedere soll wie folgt ablaufen: In den Pool können die Länder ihre Prüfungsfragen einreichen, dort werden sie nach einheitlichen Kriterien von Ländervertretern und Wissenschaftlern bewertet. Die als gut befundenen Musteraufgaben werden von den Ländern wiederum aus dem Pool ausgewählt, können aber abgeändert werden. Das Vorhaben gilt für viele als größte Reform des deutschen Abiturs seit Einführung der gymnasialen Oberstufe 1972, 15 Millionen Euro stellen die Kultusminister dafür bereit.

Der Weg zu gleich anspruchsvollen Abitur-Aufgaben in allen Bundesländern ist aus Sicht des Präsidenten der KMK, Stephan Dorgerloh (SPD), noch lang. "Das ist ein Prozess, der über viele Jahre geht", sagte der Kultusminister von Sachsen-Anhalt. Ziel sei, "dass in allen Ländern nach den gleichen Maßstäben das Abitur ablegt wird".

Einen "historischen Schritt" nannte Bayerns Kultusminister Ludwig Spaenle (CSU) die Reform in der "Süddeutschen Zeitung": "Hinter dem gleichen Namen eines Abschlusses muss auch eine gleichwertige Leistung stehen."

Einen verbindlichen Staatsvertrag für ein vergleichbares Abitur gibt es noch nicht. Den fordern Bayern, Sachsen und Hessen, denn die KMK hat nicht die Rechtswirkung eines Verfassungsorgans. Dafür müsste der Beschluss erst die Landtage passieren.

Gute Chancen für Lehramtsstudenten in ostdeutschen Ländern

Neben dem Aufbau eines Pools von Prüfungsaufgaben berieten die Kultusminister über den künftigen Lehrereinstellungsbedarf bis 2025. Danach haben Lehramtsstudenten in Zukunft grundsätzlich gute Chancen, insbesondere in den ostdeutschen Ländern. Dort fehlen nach KMK-Berechnungen im Durchschnitt jährlich rund 600 Lehrkräfte, in westdeutschen Ländern gibt es dagegen jedes Jahr rund 8.100 mehr Bewerber als freie Stellen.

Bei derzeit 794.300 hauptberuflichen Lehrkräften rechnet die KMK mit einem durchschnittlichen jährlichen Einstellungsbedarf von 25.800 Lehrkräften bis 2025.

Besonders für berufliche Schulen und Fächer wie Technik oder Wirtschaft, sowie für sonderpädagogische Lehrämter haben künftige Absolventen sehr gute Chancen. Zu wenig freie Stellen wird es dagegen für allgemeinbildende Fächer und Gymnasiallehrer geben.

KMK sieht keinen Mangel an Masterstudienplätzen

Außerdem bewertete die KMK das Angebot an Masterstudienplätzen an deutschen Hochschulen. Dieses habe sich bedarfsgerecht ausgeweitet, die KMK stellte keinen Mangel fest. Insgesamt habe sich die Zahl im Vergleich zum Vorjahr um über 200 Studienplätze von 5379 auf 5592 erhöht.

Gleichzeitig stellte die KMK eine Zunahme von Zulassungsbeschränkungen für Masterstudiengänge fest. Während sich an den Universitäten die zulassungsbeschränkten Masterstudiengänge lediglich um 0,9 Prozent erhöhten, verzeichneten die Fachhochschulen im Vergleich zum Vorjahr einen Anstieg von 34,7 auf 42,1 Prozent.

juj/dpa

insgesamt 13 Beiträge
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spon-facebook-1378982335 21.06.2013
1. Geht doch!
Die kriegen ja richtig was geschafft! Jetzt noch den Unterricht auf ein Niveau bringen (Bayern z.B., und das sage ich als Berliner) und dann kann das was werden! Bin positiv überrascht.
petrasha 21.06.2013
2. unmöglich diese geschwindigkeit
seit jahrzehnten ist dieses thema ein ärgernis. seit jahrzehnten kann man nicht verstehen, warum die länder sich nicht einigen können, damit es in deutschland endlich mal ein einheitliches system gibt. themen wie in bayern ist es sehr schwer, im norden der republik vergleichsweise leicht. so eine idiotie. innerhalb deutschlands bitte eine einigung auf gleicher bildung.
freierbuerger 21.06.2013
3. Ganz einfach:
Führt doch das bayrische Abitur bundesweit durch. Dann steigt die Qualität. Gut einige Jahre wird es nur wenig Abiturienten in den meisten Ländern geben, aber das wird ein heilsamer Prozess sein. Baden-Württemberg, Sachsen und Thürigen können ja schon mithalten. bei Baden-Württemberg muss man sagen: noch.
analyse 21.06.2013
4. bitte so gestalten,das das Abi von Allen nach
9 Jahren geschafft werden kann ! Danach konsequent bleiben,alle in den öffentlichen Dienst übernehmen,und mit 60 in die wohlbezahlte Rente schicken ! Finanzierung? Folgt den "grün"roten Illusionen !
jungeklassiker 21.06.2013
5. Leider erst in 4 Jahren und leider immer noch kein Zentralabitur
Das einzige Problem das ich schon seit Jahren sehe, (ich lebe in Berlin) ist das die nördlichen Bundesländer ihr Komplettversagen nicht schwarz auf weiß sehen möchten. Jemand der in Bayern ein Abitur mit 2,5 macht, für den wäre in Berlin immer noch eine 1 mit Sternchen drin!
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