Kultusminister Einheitliche Bildungsstandards beschlossen

Als Konsequenz aus der Pisa-Studie wollen die Kultusminister der Länder den mittleren Schulabschluss in Deutschland vereinheitlichen. Die Kultusministerkonferenz beschloss, erstmals Bildungsstandards national verbindlich festzulegen.


Demo (im April 2000 in Berlin): Bildungsstandards sollen die Qualität des Unterrichts verbessern
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Demo (im April 2000 in Berlin): Bildungsstandards sollen die Qualität des Unterrichts verbessern

Berlin - Einheitlich geregelt werden soll, was ein Schüler künftig am Ende einer jeweiligen Jahrgangsstufe wissen muss. Das Vorhaben stieß auf prinzipielle Zustimmung bei Parteien, Wirtschaft und Bildungsverbänden. Zugleich warnte der Deutsche Philologenverband vor einer Einengung des Bildungsauftrages der unterschiedlichen Schulen.

Die Kultusminister der 16 Bundesländer einigten sich auf ihrer Tagung in Bonn, einheitliche Standards in den Fächern Deutsch, Mathematik und der ersten Fremdsprache für den Mittleren Schulabschluss (10. Klasse) zum Beginn des kommenden Schuljahres einzuführen. Auf deren Grundlage sollen Lehrpläne, Schulentwicklung sowie die Aus- und Weiterbildung von Lehrern gestaltet werden. Die Einhaltung der Standards soll ab 2006 länderübergreifend geprüft werden. Hierzu soll eine unabhängige wissenschaftliche Einrichtung gegründet werden.

Ab 2004 sollen weitere Standards beschlossen werden. Vorgesehen sind einheitliche Leitlinien für Deutsch und Mathematik in der Grundschule sowie für Deutsch, Mathematik und die erste Fremdsprache für den Hauptschulabschluss nach der neunten Klasse. Für den mittleren Abschluss nach zehn Schuljahren sollen Standards dann auch für die naturwissenschaftlichen Fächer Biologie, Chemie und Physik gelten.

Die scheidende Präsidentin der Kultusministerkonferenz, die hessische Kultusministerin Karin Wolff (CDU), zeigte sich zufrieden mit dem Beschluss. Man habe nun "auf nationaler Ebene einen wesentlichen Maßstab zur individuellen Förderung, aber auch zur Vergleichbarkeit von Ergebnissen geschaffen".

Die baden-württembergische Kultusministerin Annette Schavan (CDU) sprach sich zugleich für flächendeckende Leistungskontrollen an deutschen Schulen aus. "Das macht Sinn, das wird kommen", betonte Schavan. Sie fügte hinzu, Leistungskontrollen, deren Ergebnisse auch öffentlich gemacht werden müssten, könnten dazu beitragen, das Verhältnis zwischen Gesellschaft und Schule zu verbessern.

Die Grünen erhoffen sich von den geplanten nationalen Bildungsstandards eine Verbesserung des deutschen Bildungssystems. Diese verbindlichen Vorgaben sollten jedoch nicht zur Bewertung individueller Schülerleistungen "missbraucht" werden, sagte Parteichef Reinhard Bütikofer. Bildungsstandards dürften nicht zum "benoteten Endpunkt" einer lange versäumten Erneuerung des Bildungssystems werden.

Auch der Philologenverband, der Standards als "sinnvoll und notwendig" bezeichnete, warnte vor einer "zu starken Fixierung auf Regelstandards". Jedoch sei es gut, dass sich die KMK nicht auf Mindeststandards beschränke, sondern sich am mittleren Leistungsvermögen orientiert habe, unterstrich der amtierende Verbandsvorsitzende Heinz-Peter Meidinger. Damit bleibe Raum, dass sowohl leistungsschwächere als auch leistungsstarke Schüler künftig noch mehr gefördert würden.



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