Begabtenförderung Kultusminister wollen mehr für gute Schüler tun

Jahrelang konzentrierten sich Bildungspolitiker auf die schwachen Schüler, jetzt sollen mal die besten dran sein: Das findet Sachsens Schulministerin Brunhild Kurth (CDU). Am Freitag will die Kultusministerkonferenz über den Vorstoß entscheiden.
Will jetzt mal mehr für die Guten tun: Kultusminister-Chefin Brunhild Kurth bei einem Schulbesuch

Will jetzt mal mehr für die Guten tun: Kultusminister-Chefin Brunhild Kurth bei einem Schulbesuch

Foto: Arno Burgi/ dpa

Begabte Mädchen und Jungen sollen an Deutschlands Schulen künftig frühzeitig und besser gefördert werden. Ein entsprechendes Papier steht bei der Kultusministerkonferenz (KMK) Ende der Woche in Berlin zur Abstimmung. KMK-Präsidentin Brunhild Kurth (CDU) tritt vehement für die Belange Begabter ein. "Eine gute Schule fördert sowohl die benachteiligten Kinder, lässt aber auch die Talente nicht verkümmern", sagte sie. Das sei eine Frage von Bildungsgerechtigkeit.

Die sächsische Kultusministerin erinnerte daran, dass man sich in Deutschland lange Zeit mit Eliten schwergetan habe. "Es war ja geradezu verpönt, das Wort in den Mund zu nehmen." Man habe sich bei Förderung vor allem auf leistungsschwache, sozial benachteiligte Schüler oder Inklusion konzentriert. "Wir müssen aber das eine tun und dürfen das andere nicht lassen", sagte Kurth. Auch leistungsstarke Schüler hätten einen Anspruch auf gezielte Förderung.

Kurth begründet ihren Einsatz für die Begabtenförderung auch mit gesellschaftlichen Notwendigkeiten: "Deutschland hat keine Rohstoffe, wir haben nur Humankapital. Und wir sind Exportweltmeister. Damit das so bleibt, muss die deutsche Wirtschaft ihr Niveau halten. Dazu braucht es die Begabten." Wirtschaft und Wissenschaft seien sehr an dem Thema interessiert.

Die KMK-Chefin sieht dabei auch die Wirtschaft in der Pflicht. Firmen könnten leistungsstarke Studenten beispielsweise schon während des Studiums unterstützen und gezielt fördern. Ein entsprechendes Modell ist das Deutschlandstipendium, das einst als Vorzeigeprojekt der Bundesregierung startete und bei dem Unternehmen einen Teil der Förderung der Studenten finanzieren. Es blieb allerdings hinter den Erwartungen zurück, die Opposition im Bundestag spricht von einem Flop. Weniger als ein Prozent aller Studenten profitieren derzeit von dem Programm. Die Grünen im Bundestag fordern daher die Abschaffung des Deutschlandstipendiums.

Sachsen setzt laut Kurth schon länger auf die Förderung von besonders guten Schülern, etwa mit Spezialschulen oder dem Hochbegabten-Gymnasium St. Afra in Meißen. "Wir bringen dieses Thema nun auf den Tisch und schauen uns gegenseitig über die Schulter", sagte die CDU-Politikerin. "Für mich ist auch wichtig, was Sachsen aus den Erfahrungen anderer noch lernen kann."

bkr/dpa