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Laura Dekker: Teenie-Seglerin mit Gegenwind

Foto: A1820 epa anp Valerie Kuypers/ dpa

Laura Dekkers Weltumseglung 14-jährige Skipperin muss im Hafen bleiben

Sie will als jüngste Seglerin allein die Welt umrunden - doch Laura Dekker, 14, sitzt an Land fest. Frühestens nächsten Sommer darf die Holländerin aufbrechen, entschied ein Gericht, vor allem wegen der Risiken. Derweil hat eine 16-jährige Rivalin aus Australien bereits Segel gesetzt.

Aus Laura Dekkers Plan, als jüngster Mensch rund um den Globus zu segeln, wird nichts - zumindest vorläufig. Niederländische Familienrichter haben ihren Rekordversuch durchkreuzt. Frühestens im kommenden Sommer darf die erst 14-Jährige in See stechen. Zur Begründung erklärte das zuständige Gericht am Freitag in Utrecht, dass ein so langer und durchaus gefährlicher Segeltörn "Lauras Gesundheit und ihre geistige Entwicklung gefährden könnte".

Das Gericht folgte einem Antrag des Amtes für Kinderschutz, die Teenie-Skipperin weiter unter dessen Aufsicht zu stellen. Das Erziehungsrecht von Lauras Eltern bleibt zunächst bis zum 1. Juli eingeschränkt. Die amtliche Vormundschaft soll dafür sorgen, dass genug Zeit ist "zu prüfen, ob die Reise ausreichend vorbereitet ist, und zu überwachen, dass Laura nicht auf unverantwortliche Weise startet".

Bereits vor der Entscheidung hatte Laura eingelenkt und Kompromissbereitschaft signalisiert: Sie werde den Starttermin für ihre große Reise auf Ende Mai oder Anfang Juni verschieben und erst noch das laufende Schuljahr mitmachen, sagte sie nach einer Anhörung hinter verschlossenen Türen am vergangenen Montag. "Außerdem wird das Wetter ja nun auch immer schlechter", fügte sie im Jugendjournal des Senders NOS hinzu.

Rekordversuch nicht grundsätzlich untersagt

Ende August, als Laura noch 13 war, war sie bereits drauf und dran gewesen, auf ihrer 8,30 Meter langen Yacht "Guppy" die Segel zu setzen - doch dann stoppten die Richter sie. Danach untersuchten Kinderpsychologen und Ärzte das Mädchen. Zudem hatten Schulexperten von Laura genaue Auskunft verlangt, wie sie während ihrer auf zwei Jahre angelegten Weltreise den Unterrichtsstoff bewältigen wolle. Das Mädchen will versuchen, per Internet Kontakt mit den Lehrern zu halten und ihre Schulaufgaben zur Kontrolle per E-Mail zu schicken.

Das Gericht prüfte nun die Gutachten. Die Vorsitzende Richterin Mirjam Oostendorp begründete die Entscheidung des Gerichts vor allem mit der Sorge um die Sicherheit des Mädchens. Zwar erscheine Laura emotional, intellektuell und physisch durchaus in der Lage für einen solchen Trip. "Aber es gibt ernsthafte Zweifel an ihrer Erfahrung als Soloseglerin und ihren Kenntnissen über das Verhalten im Krankheitsfall." Außerdem habe sie keinerlei Erfahrung im "Schlafmanagement". Zudem sei die Schulbehörde der Ansicht, die bisher angebotenen Möglichkeiten zur Fernteilnahme am Unterricht reichten nicht, um der gesetzlichen Schulpflicht zu genügen.

Das Gericht schloss aber nicht aus, dass Laura nach dem 1. Juli Segel setzen darf. Die Untersuchungen hätten ergeben, dass sie "eine normal entwickelte 14-Jährige ist, die es allerdings zu unabhängigem Handeln drängt und dazu, ihren eigenen Weg zu gehen". Es gebe keine Gründe, ihr den Rekordversuch grundsätzlich zu verbieten. Laura nahm an der Gerichtsverhandlung am Freitag selbst nicht teil, ebensowenig ihre Eltern. Eine Sprecherin der Familie erklärte, Laura sei "enttäuscht", wolle aber die acht Monate Zeit nutzen, um sich weiter vorzubereiten.

Der Vater ist für, die Mutter gegen Lauras Trip

Bei grundlegenden Entscheidungen, die ihre Tochter betreffen, müssen die Eltern nun stets die Sozialbehörden konsultieren. Laura, die auf einem Segelschiff in Neuseeland geboren wurde, darf weiter bei ihrem Vater Dick Dekker auf einem Boot in Wijk bij Duurstede nahe Utrecht leben. Der passionierte niederländische Segler steht voll hinter ihrem abenteuerlichen Plan - ganz anders als die 2002 von ihm geschiedene deutsche Mutter, die sich davon distanziert hatte.

"Wenn ich entscheiden könnte, würde ich Laura diesen Trip nicht machen lassen", sagte sie der Zeitung "de Volkskrant". Zweifel an Lauras seglerischen Fähigkeiten hat sie nicht - aber an ihrer psychischen Stärke bei einem so langen Törn. "Ich habe lieber eine lebende Tochter, die ich nie wiedersehe, als eine tote Tochter", so die deutlichen Worte der Mutter. Die geplante Tour scheint sich zu einem internationalen Medienereignis zu entwickeln. Fernsehstationen haben offenbar hohe Summen geboten, um sie streckenweise als Reality-Show live übertragen zu dürfen.

Laura Dekker will sich für die Weltumseglung fast zwei Jahre Zeit lassen. Wenn sie im Juli 2010 startet, könnte sie bei der Ankunft immer noch die jüngste Solo-Weltumseglerin sein. Momentan greift den bisherigen Rekord die 16-jährige Jessica Watson an, die erst kürzlich in Australien allein zur Weltumrundung aufgebrochen ist. Sie will die Tour in acht Monaten schaffen und stach Mitte Oktober mit der Zehn-Meter-Yacht "Ella's Pink Lady" in See.

Jessicas Crash: Der Frachter war stärker

Auch Jessicas Reise ist umstritten und schlug in Australien hohe Wellen. Denn bei Vorbereitungen war sie einige Wochen zuvor mitten in der Nacht vor der Goldküste mit einem 63.000-Tonnen-Frachter kollidiert. Der Mast brach, ihr Glasfaserboot wäre fast gesunken. Die Seesicherheitsbehörde äußerte sich in ihrem Untersuchungsbericht kritisch über die Fähigkeiten der jungen Seglerin. Unklar blieb, ob das Mädchen unter Deck schlief, als das Unglück passierte.

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Seglerin Jessica: Unterwegs auf den Ozeanen

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Die Familie ließ das Boot indes reparieren und stärkten Jessica den Rücken. Mutter Julie hat keine Bedenken und kündigte an, mindestens zweimal täglich mit ihrer Tochter sprechen zu wollen. Die Fahrt werde von einem Unterstützer-Team rund um die Uhr überwacht; Jessica trage ein GPS-Gerät am Körper, so dass ihre Position jederzeit über Satellit ermittelt werden könne. "Ich habe jede Menge Erfahrung, das wissen viele Leute offenbar nicht", sagte Jessica selbst dem Sender ABC. "Ich segle ja erst durch den Pazifik, das ist ruhiger und einfacher und gibt mir die Zeit, mich einzurichten und mit dem Boot vollkommen vertraut zu werden."

Die ersten Tage auf dem Solo-Trip genoss Jessica wie ein Teenager, der die große Freiheit von der Familie spürt: "Ich kann essen, was ich will, und niemand schickt mich zu Bett", schrieb sie in ihrem Blog. Bei ihrem letzten Eintrag am Donnerstag freute sie sich auf ihre erste Überquerung des Äquators; nach einer Nacht mit gutem Schlaf sei sie jetzt "voller Energie".

Ein Jugendrekord, viele Jäger

Jessica Watson und Laura Dekker haben mehrere ähnlich junge Vorbilder: Der Australier Jesse Martin war 1999 mit 18 allein um die Welt gesegelt; mit 17 schaffte es der Kalifornier Zac Sunderland nach einem 400-Tage-Törn. Auch Zacs Schwester Abby Sunderland plant eine Weltumseglung. Sie ist gerade 16 geworden und möchte im November vom Hafen Marina del Rey nahe Los Angeles aus starten. Das Ziel: Sie will die Reise um die Welt nonstop und ohne Hilfe schaffen.

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Mike Perham: Zurück im sicheren Hafen

Foto: TOM HEVEZI/ AP

Der amtierende Rekordhalter ist der 17-jährige Brite Mike Perham, der einige Monate jünger als Zac Sunderland zurückkehrte. Er steckte mehrfach in Schwierigkeiten und musste für Reparaturen dreimal Häfen anlaufen. Als schlimmsten Moment beschrieb er den Totalausfall des Navigationssystems ("ein Alptraum!"), das dann auf den Kanarischen Inseln repariert wurde.

Zu den Rekordplänen der jungen Holländerin hat Mike Perham keine klare Meinung: "Schwer zu sagen, ich kenne Laura nicht. Ich weiß nur, dass kein 13-jähriges Mädchen mit durchschnittlicher Erfahrung auf hoher See solo segeln sollte! Laura ist offensichtlich kein durchschnittliches 13-jähriges Mädchen", sagte er im Interview auf SPIEGEL ONLINE.

Mit Material von dpa und AFP

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