Fotostrecke

Manege frei: Alltag eines Zirkusmädchens

Foto: Kiki Streitberger

Leben als Zirkuskind Manege statt Mathe

Sie lebt in einem Wohnwagen, geht nicht zur Schule und liebt es, in der Manege aufzutreten: Mary-Ann ist eines von elf Kindern einer Zirkusfamilie. Fotografin Kiki Streitberger hat sie begleitet.

Mary-Ann ist 13 Jahre alt, sie liebt ihren kleinen Hund Maggie und spielt gern mit ihrem Handy - ein ganz normaler Teenager also. Fast, denn ihr Leben sieht etwas anders aus als bei Gleichaltrigen. Sie geht nicht zur Schule, reist stattdessen mit ihrer Familie von Stadt zu Stadt und tritt regelmäßig in der Manege auf: Mary-Ann wächst in einem Zirkus auf.

Die Fotografin Kiki Streitberger  lernte die Familie kennen, als sie ihre Eltern in Süddeutschland besuchte. Sie verbrachte viel Zeit im Zirkus Weisheit. Irgendwann fing sie an, alle zu fotografieren. Im Sommer dieses Jahres konzentrierte sie sich auf Mary-Ann und begleitete sie zwei Wochen in ihrem Alltag: "Ich finde es interessant, ein 13-jähriges Mädchen zu zeigen, das so ganz anders lebt als anderen in diesem Alter."

Jeden Tag trainiert Mary-Ann rund zwei Stunden ihre Nummern, die sie sich selbst ausdenkt. Nur bei der Musik braucht sie die Hilfe ihrer Geschwister. Außerdem gehört es zu ihren Aufgaben, sich um die zahlreichen Tiere der Familie zu kümmern - von Laufenten über Lamas bis hin zu Ponys.

Fotostrecke

Manege frei: Alltag eines Zirkusmädchens

Foto: Kiki Streitberger

Alle zwei Wochen besucht ein Lehrer die 13-Jährige, immer an den Tagen, an denen der Zirkus Vorstellung hat, jeweils vormittags für drei Stunden. Er lässt ihr Arbeitsblätter da, erklärt ihr Aufgaben und lässt sie Klassenarbeiten schreiben. Eine normale Schule hat Mary-Ann nie besucht.

Ihre Familie ist groß: Sie hat zehn ältere Geschwister, 15 Neffen und Nichten. Alle halten eng zusammen, sie müssen sich sehr aufeinander verlassen - in der Manege und auch außerhalb. Besonders finanzielle Schwierigkeiten stellen immer wieder eine Herausforderung für die Familie dar, wenn beispielsweise mal wieder keine Besucher kommen. "Wenn sie nicht eine Familie wären, dann würde das nicht funktionieren", sagt Streitberger.

Mit ihrer zwei Jahre älteren Schwester Josephine teilt sich Mary-Ann einen Wohnwagen. Die beiden haben ein gutes Verhältnis, Streit gibt es trotzdem ab und zu. Manchmal könne es sehr anstrengend sein, so viele Leute um sich zu haben, findet die 13-Jährige. Sie ist eigentlich nie allein. Im Gegensatz zu den anderen Familienmitgliedern ist sie laut der Fotografin sehr ruhig, muss sich auch mal zurückziehen.

Ein fester Wohnort? Undenkbar!

Die Familie tourt das ganze Jahr über durch Süddeutschland, manchmal auch durch Frankreich. Alle paar Wochen, manchmal schon nach wenigen Tagen geht es weiter. Mary-Ann findet das nicht schlimm, sondern genießt es sogar: "Das Schönste ist, dass wir immer woanders sind. Man sieht ständig was anderes und ist nicht immer am gleichen Fleck." Einen festen Wohnort könne sie sich ebenso wie der Rest der Familie nicht vorstellen.

Freundschaften zu schließen ist allerdings schwierig. Ihr Hündchen nennt Mary-Ann ihre beste Freundin, die beiden sind unzertrennlich. Sie hat zwar noch andere Kontakte, doch diese trifft sie sehr selten, meist telefonieren sie oder schreiben sich. Die meisten ihrer Bekanntschaften sind von anderen Zirkussen.

Trotzdem vermisst Mary-Ann nichts. Sie kann sich nicht vorstellen, einmal ein anderes Leben zu führen. Sie will für immer im Zirkus arbeiten.

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.