Lehrer gesucht Generationswechsel im Klassenzimmer

Gesicherter Job gefällig? Mit guter Bezahlung, reichlich Urlaub und krisenfestem Profil? Solche Privilegien sollen den Lehrernachwuchs locken - denn in deutschen Kollegien werden in den nächsten Jahren massenhaft Stellen frei.

Lehrer in Brandenburg haben es nicht leicht. Fast die Hälfte arbeitet Teilzeit, weil Geburtenrückgang und Abwanderung für sinkende Schülerzahlen gesorgt haben. Zudem will das Land in den kommenden Jahren ein Drittel der Stellen im Schuldienst abbauen, um Personalkosten zu sparen. Andererseits startete Brandenburgs Landesbildungsminister Steffen Reiche diese Woche eine aufwändige Werbekampagne für Nachwuchspädagogen.

Mit bunten Plakaten, Anzeigen und Postkarten, auf denen Kinder am Strand auf Entdeckungen gehen, sollen Abiturienten für ein Lehramtsstudium begeistert werden. Zwar stehen vor allem in den neuen Ländern seit Anfang der neunziger Jahre zu viele Lehrer vor einer stetig schrumpfenden Schülerschar, doch genau diese Entwicklung soll sich Anfang des kommenden Jahrzehntes umkehren.

75.000 freie Stellen

Denn die deutschen Lehrer sind in die Jahre gekommen, im Durchschnitt sind sie über 47 Jahre alt. Etwa 371.000 von ihnen werden nach Angaben der Kultusministerkonferenz bis 2015 in den Ruhestand gehen. Aber nur schätzungsweise 296.000 Lehramtsstudenten werden bis dahin ihr Studium abschließen - rein rechnerisch fehlen 75.000 Lehrer. "Den deutschen Schulen steht der größte Generationswechsel seit 25 Jahren bevor", erwartet Bildungsminister Reiche.

Nach seinen Berechnungen muss Brandenburg deshalb ab 2011 pro Jahr 600 neue Lehrer einstellen, bis 2015 sollen es sogar 1100 jährlich sein - und das trotz sinkender Schülerzahlen von derzeit 360.000 auf voraussichtlich 240.000 im Jahr 2010. Wer demnächst eine Lehrerausbildung beginne, habe also zum Abschluss optimale Einstellungschancen, erklärte Reiche. Besonders gefragt: Fremdsprachenlehrkräfte für die Grundschule sowie Englisch-, Französisch-, Latein-, Informatik- und Sportlehrer in weiterführenden Schulen.

Auch Berlin braucht nach Schätzungen der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft zwischen 2005 und 2011 etwa 7000 neue Lehrer, um anstehende Pensionierungen auszugleichen. Wegen reduzierter Referendariatsstellen werden dort jedoch nur 5200 angehende Lehrkräfte zur Verfügung stehen. Ähnlich gefragt werden Pädagogen laut Kultusministerkonferenz in den kommenden Jahren in Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg und Hessen sein.

In einigen ostdeutschen Ländern dagegen werden sich die Perspektiven für Neu-Pädagogen auch in mittlerer Zukunft nicht verbessern. Mecklenburg-Vorpommern etwa wird nach Auskunft des Schweriner Bildungsministeriums auch in sechs Jahren noch zu viele Lehrer haben. Die Schülerzahlen an der Ostseeküste würden von jetzt 184.000 auf 130.000 im Jahr 2010 sinken, erklärte Sprecherin Heike Neitzert. Die meisten Lehrer - im Durchschnitt sind sie 44 Jahre alt - seien aber auch dann noch an den Schulen.

Ähnlich ist die Lage in Sachsen. "Rente oder Pensionierungen im großen Stil stehen nicht an", sagte Kultusministeriumssprecher Dieter Hertz unter Verweis auf die seit Anfang der neunziger Jahre halbierte Schülerzahl. "Wir haben immer noch zu viele Lehrer."

Von Sven Kästner, AP

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