Vorwurf der Untreue Lehrer "leiht" sich fast 100.000 Euro aus Schulkassen

Das Geld war für Klassenfahrten gedacht: Ein Lehrer aus Unterfranken soll in drei Jahren fast 100.000 Euro aus Schulkassen zeitweise auf seinem eigenen Konto gebunkert haben. Jetzt droht ihm ein Prozess.

Amtsgericht in Gemünden am Main
DPA

Amtsgericht in Gemünden am Main


Ein Lehrer aus dem Main-Spessart-Kreis soll sich über mehrere Jahre immer wieder an Schulkonten bedient und insgesamt fast 100.000 Euro auf sein eigenes Konto überwiesen haben. Das Geld zahlte er wieder zurück. Trotzdem ist so ein Verhalten strafbar, heißt es von der Staatsanwaltschaft Würzburg. Sie wirft ihm Untreue im besonders schweren Fall vor.

Es geht um 15 Fälle von Mai 2010 bis März 2013. Der heute 62-Jährige "parkte" den Angaben zufolge das Geld bei sich und überwies es einige Zeit später wieder zurück. Er verwendete das Geld damit "zumindest zeitweilig missbräuchlich zu seinem eigenen Vorteil für private Zwecke", heißt es von der Staatsanwaltschaft.

Der Lehrer hatte eine leitende Position und unter anderem Zugriff auf Konten, auf denen Geld für Schülerfahrten gesammelt wurde. Als der Beamte krank wurde und zu Hause blieb, fielen der Schulleitung die Transaktionen auf. Im Frühjahr 2014 zeigte sie den Fall an.

Voraussichtlich im Oktober soll nun ein Strafverfahren gegen den Mann beginnen. Ihm droht eine Haftstrafe von bis zu zehn Jahren. Der Lehrer ist einsichtig. Er wolle ein Geständnis ablegen, kündigte sein Anwalt Wolfgang Brejschka an: "Mein Mandant gibt zu, dass er das Geld auf sein Konto überwiesen hat. Aber er hat das Geld nicht ausgegeben und außerdem inzwischen alles wieder zurückgezahlt."

Warum der Mann das Geld zeitweise auf seinem Konto bunkerte, ist noch unklar. Der Lehrer arbeitet zurzeit nicht, weil er krankgeschrieben und außerdem vorläufig vom Dienst suspendiert ist. Gegen die Suspendierung habe er aber Beschwerde eingereicht, sagte Brejschka.

Er hofft, dass sein Mandant letztlich mit einer Bewährungsstrafe von unter einem Jahr davonkommt. "Ich möchte seinen Beamtenstatus retten, damit er weiter als Lehrer arbeiten kann."

fok



insgesamt 41 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
ulfD 27.06.2016
1.
hat der Mann eine Abmahnung zu befürchten oder gibt es einen Tadel ins Klassenbuch? Mehr wird wohl nicht passieren.
chucho 27.06.2016
2. Bei den
Was wirft man ihm denn vor? Veruntreuung? Bei den seit Jahren gezahlten Zinsen von 0,5% und weniger wären selbst dann, wenn das Guthaben permanent bei 100.000 € gelegen hätte in drei Jahren gerade mal Zinsen von insgesamt 1.500,00 € angefallen. Bei mehrfachem hin--und-her-überweisen war der Gewinn sicher deutlich niedriger und wurde von den Kontoführungskosten nahezu aufgezehrt. Nebenbei bemerkt: Wo wäre das Geld denn sonst gelandet? Auf dem Konto der Schule, die damit ebenso unzulässig gewirtschaftet hätte?
lindenbast 27.06.2016
3.
Wie soll ich das verstehen? Einerseits heißt es: Der Lehrer "parkte" den Angaben zufolge das Geld bei sich und überwies es einige Zeit später wieder zurück. Er verwendete das Geld damit "zumindest zeitweilig missbräuchlich zu seinem eigenen Vorteil für private Zwecke", heißt es von der Staatsanwaltschaft. Andererseits heißt es: "Mein Mandant gibt zu, dass er das Geld auf sein Konto überwiesen hat. Aber er hat das Geld nicht ausgegeben und außerdem inzwischen alles wieder zurückgezahlt." Was denn nun? Ich verstehe das so, als sei das Geld nur auf dem Privatkonto des Lehrers zwischengelagert, aber das Konto jederzeit so liquide gewesen, dass es zurückerstattet oder eben seinem ursprünglichen Verwendungszweck zugeführt werden konnte - oder wie will der Staatsanwalt nachweisen, dass von der Kohle auf dem Konto der Hunderter, den sich der Herr am Geldautomaten holte, nicht sein eigener war, sondern aus dem Bestand der Schülerzahlungen stammte? Ausgesprochen dumm, das Ganze, aber irgendwelche kriminellen Absichten scheinen nicht vorgelegen zu haben. Vielleicht war diese Idiotie auch Resultat einer allgemeinen Überforderung. Schuss vor den Bug und gut ist.
fatherted98 27.06.2016
4. wow....
....welche Schule...(auch mit vielen Klassen) hat denn 100.000 Euro in den Klassenkassen? Also bei uns waren das (noch in DM) höchstens mal 50,--...die ganze Schule zusammen wäre nicht über 10.000 Mark gekommen....heutzutage muss es den Schülern ja ganz schön gut gehen.
malcom1 27.06.2016
5. ja....
heute fährt man auch nicht mehr in Schullandheim oder so, sondern heute muss es Barcelona, Rom, USA sein. Das ist der Unterschied. Von den Skikursen, die niemand braucht, weil danach sowieso kein Ski mehr gefahren wird ganz zu schweigen. 2 Kinder im Gym, da können Sie sich ausrechnen was das kostet. Nur wie lange können sich dies die Eltern leisten?
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.