Lehrer-Schmähung im Web Gymnasium setzt Schüler vor die Tür

Weil sie Lehrer im Internet beleidigten, sind zwei 14-Jährige von einer katholischen Privatschule in Hannover geflogen. Zwei Lehrer stellten Strafanzeige, das Bistum spricht von einem krassen Ausnahmefall.


Das Bistum Hildesheim hat zwei Schüler, die ihre Lehrer im Internet diffamiert haben sollen, von einem katholischen Gymnasium in Hannover verwiesen. In einer Klassenkonferenz hatten sich Lehrer und Elternvertreter einstimmig für den Rauswurf der beiden 14-Jährigen ausgesprochen, die bereits vorher negativ aufgefallen seien. Das Bistum Hildesheim nahm die Empfehlung der Schulkonferenz auf und sprach daraufhin den Verweis aus.

Eine derart schlimme Beleidigung von Lehrern im Internet habe es unter den 8500 Schülern in Bistumsschulen bisher nicht gegeben, sagte Jörg-Dieter Wächter vom Bistum Hildesheim SPIEGEL ONLINE. "Der Vorfall geht weit über die Beleidigungen hinaus, mit der jeder Schüler in seiner Schulkarriere mal einen Lehrer überzieht", so Wächter.

Was genau die Schüler geschrieben haben, wollte er auf keinen Fall preisgeben, auch aus Rücksicht auf das schulische Weiterkommen der Jugendlichen. Wächter versicherte lediglich, es stelle alle bisherigen Beleidigungen von Lehrern durch Schüler in den Schatten. Zwei Lehrer haben sich für eine Strafanzeige entschieden.

"Ein Schulverweis ist die äußerste Konsequenz", sagte Wächter heute, "sie kommt in Ausnahmefällen vor, meist können wir jedoch mit anderen pädagogischen Maßnahmen gegensteuern. Das war in diesem Fall nicht möglich." Die katholische Privatschule in Hannover hat nach Angaben der Bistumsleitung bereits ein anderes Gymnasium in Hannover gefunden, das die beiden 14-Jährigen aufnehmen will.

Seit einigen Monaten häufen sich die Fälle von Schülern und Auszubildenden, die im Netz über ihre Lehrer oder ihren Betrieb lästern und glauben, dass die Betroffenen von den bösen Sprüchen nie erfahren werden.

So kostete vor einer Woche neun Angestellte eines Luxus-Hotels im Spreewald die Mitgliedschaft in einer Gruppe im Studentennetzwerk StudiVZ den Job. Angeblich wurden in der Gruppe Anschläge auf das Hotel geplant. Der Hotelbesitzer schaltete die Staatsanwaltschaft ein, die Gefeuerten zogen vors Arbeitsgericht.

Ende Februar war eine 14-jährige aus Bad Kissingen von der Schule geflogen, weil sie auf einer SchülerVZ-Profilseite mit einer Freundin zusammen über ihre Lehrer gemeckert hatte. Sie beleidigten eine Lehrerin und einen Lehrer, die zunächst Anzeige erstatteten und sie später wieder zurückzogen.

wie / dpa

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