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05. März 2015, 16:37 Uhr

Bundesweite Warnstreiks

4000 Lehrer bleiben dem Unterricht fern

Heute keine Schule: In fünf Bundesländern haben mehrere Tausend angestellte Lehrer für ein Lohnplus und bessere Absicherung im Alter gestreikt. Die Bildungsgewerkschaft GEW nennt das Vorgehen der Arbeitgebervertreter zynisch.

Berlin - In mehreren Regionen Deutschlands haben laut der Bildungsgewerkschaft GEW rund 4000 Lehrer, Pädagogen und Mitarbeiter an Hochschulen die Arbeit niedergelegt.

In Nordrhein-Westfalen streikten am Donnerstag rund 1700 Beschäftigte. In den Regierungsbezirken Münster und Arnsberg beteiligten sich rund tausend angestellte Lehrer an dem Streik, an der Universität Köln 500 Mitarbeiter sowie an Hochschulen und Gerichten in Dortmund etwa 200.

Die GEW-Landesvorsitzende von NRW, Dorothea Schäfer, griff in ihrer Streikrede die Tarifgemeinschaft deutscher Länder (TdL) an, die einen Tarifvertrag für die bundesweit rund 200.000 Lehrkräfte im Angestelltenverhältnis blockiere: Es sei "zynisch", wenn die TdL einen Tarifvertrag als zu teuer ablehne. "Eine gute und gerechte Bezahlung für die, die für die Bildung und Erziehung unserer Kinder verantwortlich sind, ist gut investiertes Geld in die Bildung."

In Mecklenburg-Vorpommern nahmen rund 1100 Landesbeschäftigte an dem Ausstand teil. Nach Gewerkschaftsangaben wurden alle Schulen in den Landkreisen Vorpommern-Rügen und Vorpommern-Greifswald bestreikt, mehr als die Hälfte von ihnen komplett. Wie schon an den Vortagen fiel Unterricht an Schulen aus.

Zum ersten Mal in dieser Woche traten auch Lehrkräfte in Thüringen in den Warnstreik: Rund 300 beteiligten sich an Aktionen in Westerengel, Ilmenau und Nordhausen. Die GEW-Landesvorsitzende Kathrin Vitzthum sagte, es gehe um Gerechtigkeit. "Einschnitte in die betriebliche Rente der Beschäftigten wird es mit uns nicht geben."

In Reutlingen, Tübingen und Ulm folgten etwa 200 angestellte Lehrer dem Aufruf der GEW. Nach Schätzungen der Bildungsgewerkschaft fielen dadurch in Baden-Württemberg etwa 800 Stunden Unterricht aus. Auch in Sachsen-Anhalt nahmen rund 200 Lehrer an Streikaktionen teil.

Die Gewerkschaften fordern für die 200.000 angestellten Lehrer unter anderem 5,5 Prozent mehr Geld, mindestens aber 175 Euro monatlich mehr im Monat. Hauptgründe für den bisher ergebnislosen Verlauf der Tarifverhandlungen waren Differenzen über die betriebliche Altersvorsorge und die tarifliche Eingruppierung der angestellten Lehrer.

Neben Ver.di und der GEW ruft auch der Verband für Bildung und Erziehung (VBE) zu Warnstreiks auf. Der VBE-Bundesvorsitzende Udo Beckmann sagte, es sei "vorsintflutlich, dass die Arbeitgeber der Länder nach Gutdünken selbst entscheiden können, wie sie ihre angestellten Lehrkräfte bezahlen wollen".

Am Freitag sind Warnstreiks der Lehrkräfte in Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt (Magdeburg und Bitterfeld) geplant.

In der nächsten Woche wollen die Gewerkschaften ihre Aktionen ausweiten und rufen etwa in Berlin (11. März), Nordrhein-Westfalen (12. März) und Baden-Württemberg (13. März) zu ganztägigen Warnstreiks aller Landesbeschäftigten auf. Die nächste Verhandlungsrunde zwischen Gewerkschaften und TdL findet am 16. und 17. März in Potsdam statt.

kha/dpa

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