Lehrer-Typologie Sind Sie Kumpel, Komiker oder Leitwolf?

Was sind das für Menschen, die jeden Tag im Klassenzimmer stehen, wie unterrichten sie? In ihrem Buch "Survival für Lehrer" teilen Karin Brose und Wolfgang Pfaffe Deutschlands Pädagogen in sechs Typen ein - vom Aussitzer bis zum Manager.

Der Manager

Ein Manager ist für den Erfolg seines Betriebes verantwortlich. Um seine Ziele zu erreichen, hat er weitgehende Entscheidungsbefugnisse über Finanzen und Personalplanung. Die Aufgaben des Lehrers sind ähnlich denen des Managers. Er ist für den Erfolg von Schule verantwortlich. Nur hat er nicht annähernd die Entscheidungsmacht eines Managers in der Wirtschaft.

Während der Manager geeignete Mitarbeiter für sein Team anwirbt und Nichtmotivierten kündigt, muss der Lehrer mit den ihm zugewiesenen Schülern und Kollegen arbeiten. Oftmals hat er noch nicht einmal mehr die disziplinarischen Möglichkeiten, die Klasse vor unbeschulbaren Störern zu schützen. Auch kann er nicht entscheiden, für die Förderung solcher Problemschüler mehr Mittel bereitzustellen.

Was bleibt in der Schule zu managen? Eine ganze Menge. Alles, was mit Zeitplanung zu tun hat, bewältigt der Managertyp besser als seine Kollegen, weil er das vorgegebene Lernpensum optimal über das ganze Schuljahr verteilt. Es wird ihm nicht passieren, dass Klassenarbeiten sich am Ende des Schuljahres häufen. Die Planung der Klassenreise vom Vertragsabschluss mit dem Veranstalter bis zur Abwicklung der Zahlungen durch die Eltern hat er im Griff.

Sind Sie ein Managertyp? Dann lassen Sie bitte ausnahmsweise zu, dass das spontane Problem eines Schülers Ihre perfekte Organisation durcheinander bringt.

Der Kumpel

"Ey, Heiner, hau ab, du spinnst wohl!" Murat* findet diesen Ton normal.

Heiner, das ist Herr Schulze*. Er ist 60 Jahre alt und Klassenlehrer einer neunten Gesamtschulklasse. Ein typischer Vertreter der Achtundsechziger-Generation. Seine Haarpracht trägt er noch immer kinnlang wie zu seiner Jugend. Der Vollbart ist inzwischen weiß geworden. Herr Schulze vertritt das Motto "Ich bin einer von euch", ein Lehrer ist Freund und Kumpel der Schüler.

Er lässt den Schülern Frechheiten genauso durchgehen wie nicht gemachte Hausaufgaben. Die Schüler klopfen ihm auf die Schulter. Sie haben nichts auszustehen, denn Anforderungen stellt dieser Lehrer nicht an sie. Ein Ohr reicht den meisten Schülern, um Herrn Schulzes langweiligem Unterricht zu folgen. Im anderen steckt der Kopfhörer ihres MP3-Players.

Wenn wieder ein Schultag ohne eine Schlägerei zu Ende gegangen ist, ist Herr Schulze zufrieden. Geht es aber drunter und drüber, ist er schwer betroffen. Da nur die ungerechte Chancenverteilung unserer Gesellschaft am Fehlverhalten seiner Schüler schuld ist, kommt er nicht auf die Idee, sie persönlich zur Verantwortung zu ziehen.

Die Klasse nimmt Herrn Schulze nicht ernst. Deshalb kann er sie auch nicht positiv beeinflussen. Sein Klassenlehrerbonus schützt ihn vor Übergriffen. Zensuren mehrerer Fächer hängen von ihm ab. Die Fachlehrer haben es in dieser Klasse schwer.

Sind Sie ein Kumpel? Dann denken Sie daran, dass Ihre Schüler auch ein Recht auf klare Anleitung und fordernde Förderung haben.

(*Namen aller Schüler und Lehrer geändert)

Der Sanfte

Joschua* und Mario* prügeln sich vor der Tafel, als ihr Lehrer hereinkommt. Er hat Mühe, die Streithähne zu trennen. In gewohnt sanfter Art sagt er mit leiser Stimme: "Ihr sollt euch doch nicht streiten, Jungs. Darüber müssen wir aber noch mal reden." Mario verdreht die Augen.

Sein Lehrer möchte mit viel Verständnis jedem Schüler gerecht werden. Gewalt versucht er mit Besänftigung beizukommen. Er würde niemals einen Schüler anschreien. Besonders die Jungen witzeln über ihn. Sie halten ihn für ein Weichei, echt "schwul". In der Pubertät suchen Heranwachsende ein Gegenüber. Sie wollen sich reiben. Das ist mit diesem Lehrer schwierig.

Sind Sie ein Sanfter? Sie sind darauf bedacht, in Ihrer Klasse ein friedliches Miteinander zu schaffen. Das tut den Kindern gut. Aber bringen Sie sich nicht durch zuviel Reden vom Wesentlichen ab. Bedenken Sie, dass Sie auch durchgreifen müssen, wenn Schüler über die Stränge schlagen. Dabei kann Ihr sanfter Ton störend sein, weil er den Ernst der Lage verdeckt.

Ihre Schüler werden es als authentischer empfinden, wenn Sie in solchen Situationen massiv und sogar laut auftreten. Umso deutlicher wird ihnen, dass die Lage anders ist als sonst.

Üben Sie den Rollenwechsel. Sie werden staunen, wie schnell sich ein Problem klären lässt, wenn Sie etwas härter auftreten.

Der Komiker

Immer einen lockeren Spruch auf den Lippen, erweckt der Komiker den Eindruck, als könne ihn nichts aus der Fassung bringen. Er ist bemüht, witzig und spritzig daher zu kommen. So verbessert er die Stimmung im Schulalltag. Wenn es ganz stressig wird, ruft er laut in die Runde: "Schule ist schön!" Für den Komiker gibt es keine ernsten Probleme. Das wäre ja gelacht!

Sind Sie ein Komiker? Dann wissen Sie, dass Sie meist gut ankommen. Gern steigen Schüler auf Ihre lockere Art ein. Allerdings muss ein Schüler, der sich mit einem Problem an Sie wendet, fürchten, dass Ihnen etwas Witziges dazu einfällt. Er wird sein Problem lieber für sich behalten als zu riskieren, dass die Klasse darüber lacht.

Auch machen Sie es Ihren Schülern durch Ihre Art nicht leicht, die Grenzen zu erkennen. Dadurch verlieren sie unter Umständen die Orientierung und erkennen nicht, wo der Spaß aufhört.

Sie sind so sehr damit beschäftigt, sich selbst in Szene zu setzen, dass Sie wenig Sensibilität für Empfindlichkeiten haben: Scheinbar grundlos beginnt Melanie* in der letzten Reihe zu weinen. Erinnern Sie sich an den Witz über Dicke, den Sie letzte Stunde erzählt haben? Alle haben sich ausgeschüttet vor Lachen. Nur Melanie nicht. Sie ist übergewichtig.

Wenn Sie der Komiker sind, sollten Sie genau darauf achten, auf wessen Kosten Ihre Witze gehen. Überprüfen Sie Ihr Auftreten gegenüber Kollegen und Eltern. Der Grat zwischen witzig und lächerlich ist schmal. Lassen Sie nicht zu, dass man daran zweifelt, ob man Sie als Pädagogen ernst nehmen kann.

Der Aussitzer

"Das muss nicht heute entschieden werden. In ein paar Tagen ist das Thema sowieso wieder durch", sagt der Aussitzer. Deshalb nimmt er das Problem gar nicht erst in Angriff, denn nach seiner Erfahrung erledigt sich vieles im Laufe der Zeit von selbst.

Auch Neues greift er ungern auf. Seine Arbeit könnte vergeblich sein, wenn sich das Neue nicht bewährt. Den Aussitzer finden wir in allen Lebensbereichen. Leider auch in der Schule.

Neigen Sie zum Aussitzen? Dann bedenken Sie, dass Ihre Kollegen Ihre Arbeitshaltung als Faulheit auslegen könnten. Ihre Schüler könnten sich nicht ernst genommen fühlen, wenn Sie zum Beispiel nicht gleich beim ersten Mobbingvorwurf eingreifen. So kann vielleicht aus einem kleinen, leicht zu lösenden Problem ein großes unlösbares werden.

Bevor Sie das nächste Mal sagen: "Och, das wird schon wieder", packen Sie das Problem sofort beim Schopf. So bleibt Ihnen vielleicht Schlimmeres erspart. Überlegen Sie, ob es sich für Sie lohnen könnte, sich ein wenig mehr zu engagieren.

Der Leitwolf

Wie wird man zum Alpha-Tier? Wer im Rudel alle Konflikte durch Kraft und Strategie meistert, hat immer seltener Kämpfe um den Rang auszustehen. Die anderen akzeptieren mit der Zeit seine Überlegenheit, ohne dass er sie ständig unter Beweis stellen muss. Die Überlegenheit des Alpha–Tieres gibt dem Rudel Sicherheit.

Sind Sie in Ihrer Klasse als Leitwolf akzeptiert, können Sie bei der Führung Ihrer Schüler die Leine lang lassen. Sie müssen nicht bei jeder Gelegenheit Ihre Überlegenheit unter Beweis stellen. Das spart Kraft und führt zu einem effektiveren Unterricht.

Wie ein Leitwolf bieten Sie Ihren Schülern Verlässlichkeit. Sie zeigen Grenzen auf und stützen die Schwächeren. Dominante halten sie an, mit ihrer Stärke rücksichtsvoll umzugehen.

Sind Sie ein Leitwolf? Herzlichen Glückwunsch.

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