Lehrermangel Vier Ost-Bundesländer zahlen Provinzzulage

Mit finanziellen Anreizen wollen vier ostdeutsche Bundesländer Lehrkräfte für Schulen in ländlichen Gebieten ködern. Zwei Länder im Westen planen einen ähnlichen Schritt, wie eine SPIEGEL-Umfrage ergab.

Schulklasse in Mecklenburg-Vorpommern: Geld soll Referendare aufs Land locken
Bernd Wüstneck/ DPA

Schulklasse in Mecklenburg-Vorpommern: Geld soll Referendare aufs Land locken

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In Ostdeutschland locken bereits vier Bundesländer Lehrkräfte mit Zulagen an Schulen in abgelegene Gebiete; Schleswig-Holstein und Niedersachsen planen solche finanziellen Anreize. Das hat eine SPIEGEL-Umfrage in allen 13 Flächenländern ergeben.

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Heft 35/2019
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Die höchste Zulage streichen demnach Referendare in Sachsen ein: Sie erhalten seit dem 1. August 1000 Euro zusätzlich zu ihrem Grundgehalt von 1500 Euro - sofern sie ihren Dienst außerhalb der Ballungszentren Leipzig und Dresden ableisten und danach mindestens fünf Jahre an einer Schule auf dem Land unterrichten. Auch fertige Lehrer können dort bis zu 600 Euro mehr im Monat bekommen.

Lehrkräfte in Brandenburg erhalten in "Bedarfsregionen" 300 Euro brutto zusätzlich im Monat. Mecklenburg-Vorpommern bietet Bewerbern auf schwer zu besetzende Stellen - auf dem Land, aber auch in der Stadt - im Ausnahmefall die Eingruppierung in eine höhere Erfahrungsstufe an. Sachsen-Anhalt praktiziert ein ähnliches Modell, die Verbesserung kann dort im Einzelfall bis zu 500 Euro brutto im Monat ausmachen.

Schleswig-Holsteins Landesregierung will Referendaren an einigen Schulen an der Westküste künftig 250 Euro brutto zusätzlich zahlen. Niedersachsen erwägt eine "Flächenprämie" für Sekundarschullehrer in fünf Modellregionen, die unter chronischem Bewerbermangel leiden.

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In Nordrhein-Westfalen werden solche Maßnahmen noch diskutiert. Nicht alle finden das gut. "Wir haben im ländlichen Raum viele Lehrkräfte, die seit Jahren unter schwierigen Bedingungen arbeiten", sagt Christian Hoffmann, Gewerkschaftssekretär der Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft (GEW) in Niedersachsen. "Wenn nun ein neuer Kollege für dieselbe Tätigkeit eine Zulage erhält, ist das ungerecht." Er plädiert dafür, auch die etablierten Lehrkräfte finanziell besser zu stellen.

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insgesamt 42 Beiträge
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Hardisch 23.08.2019
1. Klar die GEW
... als typisch deutsche Gewerkschaft blockiert mal wieder und verhindert wegen der heiligen Besitzstandswahrung vernünftige Lösungen. Wann werden wir endlich diese überkommenen Organisationen los?
Spiegelleserin57 23.08.2019
2. Endlich verstanden!
Mit Geld bekommt man auch Lehrer! Das zeigt auch dass es welche gibt! Auch wurde schon praktiziert bis zu den Sommerferien einstellen, dann entlassen und nach diesen Ferien bwieder einstellen. Dass man dann keine Arbeitnehmer bekommt dürfte klar sein!
wetzer123 23.08.2019
3. Lieber Hardisch
Bevor sie auf die GEW im besonderen und Gewerkschaften im Allgemeinen schimpfen könnten Sie sich mal fragen ob das Prinzip 'gleicher Lohn für gleiche Arbeit' wirklich so schlecht ist wie sie meinen.
dodgerone 23.08.2019
4. Tja, rechtzeitig aufwachen...
... dann passiert sowas nicht. Die Länder können da mit Geld werben bis sie grün werden, man wird nicht mehr genug Lehrer für die Provinz finden. Da kann man auch noch soviel Geld in die Fläche pumpen. Fahren sie mal nach Brandenburg, McPom etc. auf die Dörfer... da leben in 20 Jahren keine Menschen mehr. Warum soll sich ein junger Lehrer das antun? Und selbst wenn in einem Dorf noch einigermassen viele Menschen leben, dann sind diese tagsüber Kilometer weit weg... Dorfleben: Fehlanzeige. @Hardisch: Genau. Skandal! Gewerkschaften sind gegen ungleiche Bezahlung für gleiche Tätigkeiten. Na was für eine Sauerei :)
Nonvaio01 23.08.2019
5. im Osten
sollte man lieber andere zusatzleistungen anbieten.
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