Lehrerin auf Klassenfahrt Duschen ist keine Arbeit

Körperpflege muss sein, ist aber Privatsache - auch bei Lehrern auf Klassenreise. So urteilte das Bundessozialgericht im Fall einer Lehrerin, die beim Duschen im Schullandheim ausrutschte und sich den Fuß brach: kein Arbeitsunfall, darum kein Geld von der Unfallversicherung.


Gibt es bei einer Klassenfahrt für die betreuenden Lehrer einen Feierabend, gibt es private Aktivitäten? Gibt's, sagt das Bundessozialgericht - und Körperpflege gehört dazu: Wenn Lehrer während einer Klassenreise beim Duschen ausrutschen, gilt das nicht als Arbeitsunfall, entschieden die Kasseler Richter in einem am Mittwoch bekanntgegebenen Urteil.

Autsch: Keine Entschädigung für Duschunfall
Corbis

Autsch: Keine Entschädigung für Duschunfall

Die Richter wiesen die Klage einer Lehrerin aus dem Raum Dessau ab, die sich bei einem Duschunfall im Schullandheim den Fuß gebrochen hatte. Die Lehrerin hatte Entschädigung von der gesetzlichen Unfallversicherung für das Unglück verlangt.

Die Lehrerin war bei einer Klassenfahrt mit 17 Zweitklässlern gewandert. Nach der Rückkehr in die Herberge duschten erst die Kinder. Als die Schüler im Bett waren, duschte auch die Lehrerin. Dabei glitt die Frau im noch nassen Duschraum aus und brach sich mehrfach den rechten Fuß.

Duschen ist eine "höchstpersönliche Verrichtung"

Die Lehrerin argumentierte, dass es bei einer Klassenfahrt keinen Privatraum gebe, anders als bei einer Dienstreise. Die Fürsorge- und Aufsichtspflicht einer Lehrerin bestehe durchgehend. Für die Unfallkasse Sachsen-Anhalt war das Malheur jedoch kein Arbeitsunfall, die Kassen bewilligte der Lehrerin keine Entschädigungszahlung - zu Recht, wie das oberste deutsche Sozialrichter entschieden.

Es sei bei den betreuenden Lehrern nicht von einer beruflichen Tätigkeit "rund um die Uhr" auszugehen, begründeten die Richter das Urteil. Auch bei einer Klassenfahrt könne nicht alles als Arbeit eingestuft werden. Duschen sei eine "höchstpersönliche Verrichtung" und deshalb im Regelfall nicht versichert, weil es dabei keine sachlichen Zusammenhang zur Arbeit gebe.

Auch der feuchte Boden im Bad habe nichts mit den Aufgaben der Lehrerin zu tun: "Das ist keine besondere Gefahrenlage, welcher die Klägerin infolge ihrer Beschäftigung ausgesetzt gewesen wäre", so die Richter. Dass man in der Dusche ausrutschen könne, sei ein "allgemeines Risiko" (Aktenzeichen B 2 U 31/07 R).

cht/ddp/AFP/dpa



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