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02. Februar 2018, 11:51 Uhr

Lehrermangel

Berlin lockt ältere Lehrer mit 20 Prozent mehr Gehalt

Berlin braucht dringend Lehrer, 40 Prozent der neu eingestellten Pauker sind Quereinsteiger. Nun will man Pädagogen im Pensionsalter dazu bringen, die Rente zu verschieben.

Die Berliner Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) und der Finanzsenator Matthias Kollatz-Ahnen (SPD) haben sich auf einen neuen Weg geeinigt, um den Lehrermangel in Berlin zu bekämpfen. Sie kündigten an, ihren Lehrkräften im Pensionsalter 20 Prozent Zuschlag aufs Gehalt zu zahlen.

Damit wollen sie die älteren Lehrer motivieren, bis zu drei Jahre nach der Pensionsgrenze weiterzuarbeiten, wie der "Tagesspiegel" berichtet. Diese Neuregelung soll zum neuen Schuljahr in Kraft treten. Auf die erfahrenen Lehrer kommt außerdem eine wichtige Aufgabe zu: Sie müssen die vielen Quereinsteiger einarbeiten. Berlin rechnet damit, dass in diesem Jahr wieder 40 Prozent aller neu eingestellten Lehrer Quereinsteiger sein werden.

Ob der Vorstoß von Scheeres und Kollatz-Ahnen allerdings die erhofften Ergebnisse bringen wird, ist fraglich, denn nur 37 Prozent aller Berliner Lehrer arbeiten überhaupt bis zum Pensionsalter, wie der "Tagesspiegel" weiter berichtet. Zwei Drittel der Lehrer verlassen die Schulen vorzeitig, weil sie etwa krank oder dauerhaft dienstunfähig sind.

Knappheit trifft nicht nur Berlin

Auch Hamburg und Baden-Württemberg setzten auf Lehrer, die über die Altersgrenze hinaus arbeiten oder gar in den Schuldienst zurückkehren sollen. Andere Länder reagieren auf die Personalknappheit, indem sie Lehrer wieder verbeamten.

Wie dramatisch sich der Lehrermangel in Deutschland entwickelt, hat jüngst eine Studie der Bertelsmann-Stiftung vorgerechnet. Demnach werden bis zum Jahr 2025 bundesweit rund 105.000 Grundschullehrer benötigt. Da im gleichen Zeitraum aber nur 70.000 Absolventen aus den Unis auf den Arbeitsmarkt kommen, bleibt eine Lücke von mindestens 35.000 Lehrern.

Die Uni-Absolventen reichten gerade so aus, um die Lehrer zu ersetzen, die in den Ruhestand gehen oder ausscheiden, weil sie zu krank sind. Allerdings steigen die Schülerzahlen und auch die Ganztagsbetreuung an Schulen soll ausgebaut werden. Die Bildungsforscher und Autoren der Studie, Klaus Klemm und Dirk Zorn, schlagen vor, Teilzeitlehrer mehr einzubinden.

Die baden-württembergische Bildungsministerin Susanne Eisenmann (CDU) hatte die Stiftung wegen der Veröffentlichung scharf angegriffen. Die Studie biete "wenig Neues und manch Falsches", hatte die CDU-Politikerin gesagt. Es sei "schon bemerkenswert, wie Bertelsmann wieder einmal versucht, die Politik unter Druck zu setzen".

Eisenmann hatte darauf verwiesen, dass die Stiftung im Jahr 2009 für Baden-Württemberg noch einen Rückgang der Schülerzahlen im Sekundarbereich bis 2025 von mehr als 18 Prozent prognostiziert habe. Jetzt behaupte diese "mit Gesten des Vorwurfs an die angeblich falsch rechnende Politik das genaue Gegenteil".

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