Lehrermangel Brandenburg wirbt um Pädagogen aus Polen

Den Schulen fehlen die Lehrer, den Kitas die Erzieher: Brandenburg will deshalb auch Pädagogen aus dem EU-Ausland anwerben. Nachbar Mecklenburg-Vorpommern setzt auf eine andere Strategie.

Wolfgang Ebener/ DPA

Der Lehrermangel in Brandenburg dürfte sich in den kommenden Jahren verstärken - nun will sich das Bundesland helfen, indem es auch Pädagogen aus dem benachbarten Polen einstellt. Das geht aus einer Antwort des Bildungsministeriums in Potsdam auf eine Kleine Anfrage der Linken hervor. Man wolle "pädagogische Fachkräfte mit polnischen Bildungsabschlüssen für die Arbeit in brandenburgischen Bildungs-, Kinder- und Jugendeinrichtungen gewinnen", heißt es darin.

Doch die Einstellung ist an eine Bedingung geknüpft: Wichtig sei vor allem der sichere Umgang der Bewerber mit der deutschen Sprache, heißt es in dem Schreiben weiter. "Ohne den Zugang und die Kenntnis der deutschen Sprache ist ein Einsatz in einer Kindertagesstätte nur bedingt möglich."

Ende Mai waren nach Angaben des Ministeriums bereits 122 Pädagogen mit polnischer Staatsangehörigkeit in den öffentlichen Schulen Brandenburgs beschäftigt, davon etwa jeder zweite im Bereich des Schulamtes Frankfurt (Oder). Rund ein Jahr zuvor waren es in Brandenburg erst 106 Fachkräfte.

Um neue Bewerber für einen Job in Brandenburg zu gewinnen, hat das Ministerium einen speziellen Flyer entwickelt, der im deutsch-polnischen Grenzraum verteilt wird. Darin wirbt Bildungsministerin Britta Ernst (SPD) mit sicheren Arbeitsplätzen und sehr guter Bezahlung.

Gesucht werden insbesondere Lehrer an Grundschulen, aber auch für weiterführende Schulen in den Fächern Mathematik, Kunst, Musik, Physik, Biologie, Chemie, Englisch, Informatik und Sport. Die Ministerin wirbt auch um Lehrkräfte für Förderschulen.

Doch nicht nur in Brandenburg fehlen die Lehrer: Auch Mecklenburg-Vorpommern versucht zurzeit im Wettbewerb um Schulpersonal, den Beruf attraktiver zu machen, um den Mangel an Lehrkräften auszugleichen. Dafür sollen Grundschullehrer künftig besser bezahlt werden. Vom Schuljahr 2020/2021 sollen sie nach Tarifstufe A13/E13 vergütet werden und damit so viel verdienen wie Lehrer an anderen Schulformen. Das teilte das Bildungsministerium in Schwerin mit.

Mecklenburg-Vorpommern ist damit nach Bremen, Berlin, Brandenburg, Sachsen und Schleswig-Holstein das sechste Bundesland, dass die Besoldung der Grundschullehrer anpasst. In Sachsen etwa werden auch Lehrer aus dem Ruhestand zurückgeholt, in ganz Deutschland unterrichten Quereinsteiger, die ursprünglich nicht als Lehrer ausgebildet wurden.

lmd



© SPIEGEL ONLINE 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.