Deutscher Lehrerverband Matheprobleme beginnen schon in der Grundschule

Wenn Abiturienten sich über die Matheprüfung beschweren, könnte die Ursache dafür weit zurückliegen. Laut dem Deutschen Lehrerverband läuft schon in der Grundschule einiges in dem Fach schief.

J. Clarke/ The Image Bank/ Getty Images

Plus, minus und das kleine Einmaleins: Auch wenn der Mathematikunterricht in der Grundschule wenig komplex erscheint, kann dort schon einiges falsch laufen. Aus Sicht des Deutschen Lehrerverbands liegt hier gar ein wichtiger Grund für das spätere Scheitern von Schülern.

"An Grundschulen hatte man bei der Modernisierung des Mathematikunterrichts nicht immer eine glückliche Hand", sagt der Präsident des Verbands, Heinz-Peter Meidinger. Er kritisiert vor allem uneinheitliche Lehrstandards: Änderungen von Rechenmethoden hätten mitunter zu Problemen an weiterführenden Schulen geführt. Das sei unnötig.

Die geringere Wertschätzung von Einmaleins und Kopfrechnen in der Grundschule sei ebenfalls problematisch. Stattdessen arbeiteten Schüler heute häufig mit sogenannten Näherungsaufgaben - ob dies einen Zuwachs an mathematischer Kompetenz bringe, bleibe abzuwarten, so Meidinger. "Beispielsweise zeigt sich dann später, wenn es um die Zerlegung von Zahlen geht, dass viele Schüler nicht mehr erkennen, welche Zahlenprodukte in einem Bruch stecken."

Auch die zeitweise Abkehr vom neunjährigen Gymnasium (G9) sieht Meidinger kritisch. Das Unterrichtsvolumen gerade an Gymnasien sei dadurch deutlich reduziert worden, es bleibe zu wenig Zeit für Übung und Vertiefung. Vor allem leistungsschwächere Schüler litten darunter, dass besonders in der Mittelstufe die Zeit für die Einübung von Routinen fehle.

Zuvor hatten bundesweit Abiturienten gegen angeblich zu schwere Abiturprüfungen im Fach Mathematik protestiert. In Hamburg entschied die Schulbehörde zu Beginn der Woche, dass einige Schüler in die Nachprüfung gehen dürfen, um ihre Ergebnisse zu verbessern.

Experten fordern schon seit Langem Veränderungen im Mathematikunterricht. In Hamburg erarbeitete eine Kommission im vergangenen Jahr Richtlinien zur Verbesserung: Nötig sei ein klarer gegliederter Unterricht, der an allen Schulen nach vergleichbaren Standards ablaufen solle. Außerdem müsse es mehr Fachstunden geben - und eine deutlich verbesserte Aus- und Weiterbildung der Lehrerinnen und Lehrer. Schon in Kitas und Vorschulen "sollten mathematikdidaktische Inhalte gestärkt werden".

lmd/dpa



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