Lehrerstreik Eltern dürfen zu Hause bleiben und sich um Kinder kümmern

Wenn Lehrer streiken und Schulen die Kinder nicht betreuen können, müssen Eltern eine Ersatzbetreuung finden. Gelingt das nicht, dürfen sie zu Hause bleiben.

Streikender Lehrer in Berlin (2014): Eltern dürfen nicht abgemahnt werden
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Streikender Lehrer in Berlin (2014): Eltern dürfen nicht abgemahnt werden


Berlin - In Berlin hat die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) bis zu 2000 angestellte Lehrer dazu aufgerufen, am Dienstag die Arbeit niederzulegen. Auch in Halle, Düsseldorf und Bremen werden Hunderte Lehrer nicht arbeiten, der Unterricht fällt aus, die Schüler werden unter Umständen nicht ausreichend betreut.

"Eltern müssen sich an den Schulen darüber informieren, ob die Betreuung gewährleistet werden kann. Sie sollten ihre Kinder nicht per se zu Hause behalten", sagt GEW-Sprecher für Nordrhein-Westfalen, Berthold Paschert.

Wenn Lehrer ausfallen, legen die Schulen meist Lerngruppen zusammen oder organisieren, vor allem an Grund- und Förderschulen, Notfallbetreuungen. Diese werden von verbeamteten Lehrern und Schulleitungen abgesichert.

Können Schulen den Lehrerausfall nicht kompensieren und Schüler müssen zu Hause bleiben, dann müssen die Eltern versuchen, eine kurzfristige Betreuung zu finden, etwa die Großeltern oder Bekannte. Gelingt ihnen das nicht, sind sie berechtigt, sich selbst um ihre Kindern kümmern - darauf weist der Arbeitsrechtler Andreas von Medem aus Stuttgart hin.

Eltern müssen in diesem Fall so schnell wie möglich ihren Arbeitgeber informieren und erklären, warum sie nicht zur Arbeit kommen könnten. Mit einer Abmahnung oder gar Kündigung müssen sie nicht rechnen. "Natürlich kommt es auch auf das Alter des Kindes an", sagt von Medem. Bei einem Schüler der Oberstufe sehe der Fall anders aus als bei einem Grundschulkind.

Eltern haben für den Fehltag Anspruch auf Lohnfortzahlung, wenn der Streik erst kurzfristig angekündigt wurde. Sie können sich auf den Paragrafen 616 des Bürgerlichen Gesetzbuches berufen. Er besagt, dass Arbeitnehmer den Anspruch auf ihren Lohn behalten, wenn sie ohne eigenes Verschulden durch ein unvorhergesehenes Ereignis, wie etwa auch Krankheit des Kindes, verhindert sind.

Wird an einem Freitag ein Streik für Dienstag angekündigt, ist das laut Medem kurzfristig genug, um als unvorhergesehenes Ereignis zu gelten. So kann der Arbeitnehmer geltend machen, dass er auf die Schnelle keine Ersatzlösung finden konnte. Ziehen sich die Streiks aber über einen längeren Zeitraum hin, greife die Begründung "kurzfristig" nicht mehr.

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) reagiert mit dem Aufruf zur Arbeitsniederlegung auf das ergebnislose Ende der zweiten Tarifrunde am Freitag. Die Gewerkschaften fordern für die rund 200.000 nicht verbeamteten Lehrer in Deutschland 5,5 Prozent mehr Geld, mindestens aber 175 Euro mehr Lohn im Monat. Zudem sollen die angestellten Lehrer tarifvertraglich besser abgesichert werden. Bis zur nächsten Verhandlungsrunde am 16. und 17. März sind weitere Streiks geplant.

kha/dpa



insgesamt 21 Beiträge
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Seite 1
haltetdendieb 02.03.2015
1. Was heißt das bitteschön?
"Zudem sollen die angestellten Lehrer tarifvertraglich besser abgesichert werden." Da würde ich doch gerne etwas mehr drüber erfahren.
bill:harziosus 02.03.2015
2. Paragraph 616 BGB
http://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__616.html Dort steht dass ein "in der Person" der Eltern "liegender Grund" vorliegen muss, damit Eltern Lohnfortzahlung erhalten. Seit wann haben streikende Lehrer etwas mit der Person der Eltern ihrer Schüler zu tun ?
sponner_hoch2 02.03.2015
3.
Unvorhergesehen? Was meint der Autor hier mit "Unvorhergesehen"? Hier wird doch seit Tagen über den Streik geredet (dieser Artikel ist ja der beste Beweis dafür). Da ist also Zeit genug, eine passende Kinderbetreuung zu organisieren. Ja, auch wenn ich am Donnerstag noch nicht weiß ob ich sie am Montag tatsächlich brauche - man braucht sich ja nur darum zu kümmern, dass man am Montag im Fall der Fälle das Kind irgendwo lassen kann. Das ist doch das gleiche wie bei Streiks im ÖPNV oder "plötzlichem" Wintereinbruch. Da kann sich der denkende Mensch auch drauf vorbereiten.
spon-facebook-10000441591 02.03.2015
4. der Arbeitgeber
Eine Problematik wird erst umständlich dargestellt. Bei der Lösungsfindung geht's dann schneller, weil reflexartig: der Arbeitgeber! Was die Erwartung der Politik an dessen Allmacht anbelangt, rangiert er unmittelbar nach Gott und noch vor dem Finanzamt.
colonia2307 02.03.2015
5. 616 bgb
Kein Wunder dass viele AG davor zurückschrecken, Eltern und insbesondere Alleinerziehende einzustellen. Der Autor vermittelt eine recht exklusive Sicht auf diesen Paragraphen.
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