Nach Streit um Matheabitur Lehrerverband hält zentralen Aufgabenpool für gescheitert

Eine bundesweite Sammlung von Abi-Aufgaben sollte die Vergleichbarkeit zwischen den Ländern erhöhen - brachte aber vor allem Ärger. Nun wendet sich der Lehrerverband gegen den Pool von Prüfungsstoffen.
Schüler während der Prüfung

Schüler während der Prüfung

Foto: imago/CrowdSpark

Ein bayerisches Abitur sollte genauso viel wert sein wie eines aus Brandenburg - das war das Ziel des zentralen Aufgabenpools, den die Bundesländer 2017 einrichteten. Doch nach dem Streit ums Matheabitur betrachtet der Deutsche Lehrerverband eben dieses Konzept für vergleichbare Prüfungsstandards als "komplett gescheitert".

Seit zwei Jahren können die Bundesländer Aufgaben für den Pool einreichen und sich anschließend daraus bedienen. Lehrerverbandspräsident Heinz-Peter Meidinger erklärte, diese Sammlung von Prüfungsaufgaben ergebe keinen Sinn, wenn einzelne Länder diese nicht in Anspruch nehmen oder nachträglich eingreifen.

Nach den diesjährigen Prüfungen für das Matheabitur hatten Schüler bundesweit protestiert, weil ihnen die Aufgaben zu schwer erschienen. Die Bundesländer reagierten unterschiedlich auf den Protest: Im Saarland werden die Matheergebnisse nun aufgewertet, in Hamburg kann die Note durch eine mündliche Prüfung verbessert werden. Andere Länder geben ihren Schülern dagegen keine Möglichkeit für eine nachträgliche Verbesserung.

Meidinger erklärte, durch den unterschiedlichen Umgang seien nun jene Prüflinge benachteiligt, deren Landesregierungen nicht dem öffentlichen Druck durch die Kritik nachgegeben hätten.

Es sei zu befürchten, dass künftig jedes Jahr wieder über Onlinepetitionen die Abi-Prüfungen hinterfragt werden. "Von vergleichbar konzipierten und bewerteten Abiturprüfungen sind wir weiter entfernt denn je", kritisierte Meidinger.

Seit 2017 können sich die Länder aus dem Aufgabenpool bedienen. Die einzelnen Bundesländer reichen selbst Aufgaben für die vier Kernfächer Deutsch, Mathematik, Englisch und Französisch ein und entnehmen später Aufgaben aus der Sammlung. Eine "einheitliche Basis für das Abitur" sei das, warb damals die Präsidentin der Kultusministerkonferenz, Susanne Eisenmann. Doch der Pool hatte von Beginn an auch viele Skeptiker.

Ein Kritikpunkt: Die Länder sind nicht rechtlich an die Nutzung der Aufgaben gebunden - vielmehr dürfen sie sie ergänzen oder abändern. Längst nicht alle Bundesländer beteiligen sich an dem Konzept. Vorangegangen war dem Aufgabenpool eine jahrelange Diskussion über eine Vereinheitlichung der Prüfungen.

lmd/AFP
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