Grundschulen Lehrerverband sieht "völliges Versagen" bei Ausbildung von Quereinsteigern

Der chronische Lehrermangel bringt viele Quereinsteiger an deutsche Schulen. Das passt dem Lehrerverband gar nicht. Dessen Chef sprach nun von einem "Verbrechen an den Kindern".
Grundschule (Symbolbild): "Noch nie etwas von Pädagogik und Didaktik gehört"

Grundschule (Symbolbild): "Noch nie etwas von Pädagogik und Didaktik gehört"

Foto: Sebastian Gollnow/ dpa

In vielen Schulen fehlen immer häufiger Lehrkräfte. Um dem drohenden Unterrichtsausfall zuvorzukommen, werden oft Menschen eingesetzt, die keine klassische Ausbildung für den Lehrberuf haben. Der Deutsche Lehrerverband kritisiert nun, dass die an Grundschulen als Lehrer eingesetzten Quereinsteiger oft unzureichend auf die Tätigkeit vorbereitet seien.

Verbandspräsident Heinz-Peter Meidinger bezeichnete die aus seiner Sicht ungenügende Ausbildung dieser Kräfte in einem Interview der Zeitung "Die Welt" (Montagsausgabe) als "Verbrechen an den Kindern". Er sprach von einem "völligen Versagen" der Bundesländer in dieser Frage.

Innerhalb von zwei Wochen Uni-Absolventen, "die noch nie etwas von Pädagogik und Didaktik gehört haben", per Crashkurs zur Grundschullehrkraft auszubilden, "ist doch absurd", sagte Meidinger. Dies zeige, wie gering die Politik die notwendige Berufsprofessionalität von Lehrern schätze. Vielerorts würden Quereinsteiger ohne qualitätssichernde Vorgaben auf die Schüler losgelassen.

Kultusministerkonferenz: Ohne Quereinsteiger wird es nicht gehen

Einer Bertelsmann-Studie zufolge fehlen bis zum Jahr 2025 mindestens 26.300 Lehrer an Deutschlands Grundschulen. Im Grundschulbereich rechnen die Bundesländer mit deutlich steigenden Absolventenzahlen im Lehramt erst ab Mitte der 2020er-Jahre. Jährlich erwarten sie dann rund 8000 junge Menschen pro Jahr, die ihre Ausbildung zum Grundschullehrer abschließen - rund 2000 mehr als heute.

Der Präsident der Kultusministerkonferenz, der hessische Kultusminister Alexander Lorz (CDU), hob nun hervor, dass einige Länder auf mittlere Sicht nicht ohne Quereinsteiger auskommen könnten, um den Lehrermangel zu bewältigen.

Die Länder seien sich bewusst, dass die Quereinsteiger "auch entsprechend qualifiziert werden müssen", sagte Lorz der "Welt". Im kommenden Jahr würden daher alle Länder ihre Bemühungen weiter verstärken, diese Kräfte gezielt fortzubilden und zu qualifizieren. Richtig bleibe, "dass jede gegebene Unterrichtsstunde besser ist als eine ausgefallene", sagte der CDU-Politiker.

jok/AFP