Lehrstellen-Lücke Hauptschüler sehen sich als Verlierer

Fast 170.000 Jugendliche suchen noch nach einer Lehrstelle. Wirtschaftsminister Wolfgang Clement gibt sich optimistisch, dass die Lücke geschlossen werden kann. Bei Schülern aber grassiert Zukunftsangst: Mehr als jeder dritte Jugendliche rechnet sich kaum Chancen auf dem Arbeitsmarkt aus.


Lehrling: Haupt- und Realschüler fühlen sich benachteiligt
DDP

Lehrling: Haupt- und Realschüler fühlen sich benachteiligt

39 Prozent aller Jugendlichen machen sich große Sorgen, keinen Ausbildungsplatz zu bekommen. Fast ebenso viele haben Angst davor, später in die Arbeitslosigkeit zu rutschen, so das Ergebnis einer repräsentativen Umfrage im Auftrag der Bertelsmann-Stiftung.

Besonders ausgeprägt ist der Pessimismus bei Jugendlichen mit einfacher Schulbildung: Zwei Drittel der Hauptschüler blicken ohne Hoffnung in ihre berufliche Zukunft. Sie sehen sich selbst als die großen Verlierer im Kampf um Ausbildungs- und Arbeitsplätze. Auch unter den Realschülern ist noch jeder zweite Jugendliche skeptisch, was seine Zukunftschancen betrifft.

Insgesamt sind mehr als 80 Prozent aller Jugendlichen der Meinung, dass Schüler mit einem Hauptschulabschluss bei der Lehrstellensuche und der anschließenden Arbeitsplatzsuche benachteiligt werden.

Opfer für die Karriere bringen

"Unsere Studie zeigt, dass die Jugendlichen in Deutschland - insbesondere die Hauptschüler - durch die Misere am Arbeitsmarkt und den chronischen Lehrstellenmangel erhebliche Zukunftsängste haben", sagte Heribert Meffert, Vorstandsvorsitzender der Bertelsmann-Stiftung.

Insgesamt sind jedoch knapp zwei Drittel der Jugendlichen bereit, für ihr berufliches Vorwärtskommen Opfer zu bringen. Immerhin jeder Dritte gibt aber privaten Interessen den Vorzug. Die Untersuchung zeigt aber auch, dass sich die Mehrheit der Jugendlichen bei der Suche nach einem Ausbildungs- bzw. Arbeitsplatz selbst in der Verantwortung sieht: 59 Prozent meinen, sich zunächst selbst um eine Lehrstelle kümmern zu müssen. Mit großem Abstand werden die Eltern genannt, bei denen 15 Prozent der Jugendlichen die Verantwortung für ihre berufliche Integration sehen. Dahinter folgen Betriebe, Schulen und der Staat.



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