Schülerstreit in Leipzig "Die Abschiebung ist rechtens"

Jugendliche aus Leipzig kämpfen gegen die Abschiebung eines Klassenkameraden. Ein Mitschüler von der Schüler Union jedoch zeigt Verständnis für das Vorgehen der Behörden. Auf Facebook wird er dafür angefeindet.

Flüchtlinge ohne Bleiberecht konsequenter abschieben. Diese Forderung ist nicht neu. Doch was passiert, wenn man den Betroffenen kennt? Wenn er in dieselbe Schule geht? Inzwischen ein Freund geworden ist? Schüler eines Gymnasiums in Leipzig führen darüber eine heiße Debatte.

Es geht um Luan. Ihm droht die Abschiebung - und zwar schon am Donnerstag. Der 18-Jährige ist vor zwei Jahren mit seiner Familie aus dem Kosovo nach Deutschland geflüchtet. Ihr Asylantrag wurde jedoch abgelehnt. Die zuständige Ausländerbehörde hat die Familie aufgefordert, Deutschland bis zum 23. Februar zu verlassen - sonst drohe Abschiebehaft.

Das wollten Luans Mitschüler nicht hinnehmen. Sein Freund Benjamin startete die Petition "Luan soll bleiben" . "Ich schreibe diesen Text mit Tränen in den Augen, uns wird nicht nur irgendeine Person genommen, sondern ein Freund", schreibt Benjamin auf der Seite der Petition.

Christoph, Vorsitzender der Schüler Union Leipzig, versteht dagegen nicht, warum der Fall solche Wellen schlägt. Die Rechtslage sei eindeutig; Luan hat kein Bleiberecht. In den sozialen Netzwerken ist längst ein Streit entbrannt.

Die Petition "Luan muss bleiben" haben inzwischen mehr als 4100 Menschen unterschrieben. Viele reagieren betroffen. "Luan ist ein ganz netter und liebevoller Klassenkamerad", schreibt ein Unterzeichner der Petition. Ein anderer meint: "Luan ist voll nice." Und wieder eine andere schreibt: "Jeder hat das Recht auf ein sorgenfreies Leben."

Spürbar ist die Sorge um Luan: Die Familie habe im Kosovo keine Wohnung und kaum Chancen auf Arbeit oder Bildung. Zudem stehe zu befürchten, dass Luan von seiner Mutter getrennt werde. Diese sei schwer krank und werde deshalb wohl in Deutschland geduldet, heißt es auf der Seite der Petition.

"Luan soll bleiben" hat auch prominente Unterstützer wie Til Schweiger. Er teilte einen Artikel der Leipziger Internet Zeitung  zu der Petition auf Facebook. Zudem haben 22 Mitschüler Luans einen Brief an die Ausländerbehörde verfasst, in dem sie versichern, wie gut sich Luan integriert habe.

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Die Begründung, Luan dürfe nicht abgeschoben werden, weil er gut integriert sei, lassen jedoch nicht alle gelten. Christoph schreibt in einer Pressemitteilung der Schüler Union Leipzig, seine Mitschüler müssten die Entscheidung akzeptieren. Die Abschiebung sei rechtsgültig. Er ist der Vorsitzender der Schüler Union Leipzig, einer Jugendorganisation der CDU. Und: Der 17-Jährige ist ebenfalls ein Mitschüler Luans.

"Es gab ein rechtsstaatliches Verfahren, in dem die Gründe für ein Bleiberecht sorgfältig abgewogen worden sind. Das Ergebnis war jedoch die Ablehnung des Antrags", heißt es in der Pressemitteilung weiter. Die Begründung, Luan sei gut integriert, da er zur Schule gehe und dort Freunde habe, sei scheinheilig, meint Christoph.

Es sei doch normal, dass ein Neuntklässler, der der Schulpflicht unterliegt, auch regelmäßig zur Schule gehe, dort Freunde und einigermaßen gute Noten habe. "Das allein genügt aber doch nicht, um die Asylregelungen außer Kraft zu setzen. Wo kommen wir denn da hin?", schreibt Christoph in der Pressemitteilung. Auch wenn ihm Luan und seine Familie leidtäten, müssten er uns seine Mitschüler den rechtskräftigen Beschluss akzeptieren.

Pressemitteilung der Schüler Union Leipzig auf Facebook

Pressemitteilung der Schüler Union Leipzig auf Facebook

Prompt hagelte es Kritik in den sozialen Netzwerken an Christoph und seinen Aussagen. Auf Facebook machen sich Mitschüler über ihn lustig und beschimpfen ihn.

"Mit den Reaktionen kann ich leben", sagt Christoph zu SPIEGEL ONLINE. Er fühle sich aber missverstanden. "Ich fordere nicht, Luan müsse abgeschoben werden. Ich sorge auch nicht dafür, dass er abgeschoben wird." Seiner Meinung nach sei die Entscheidung rechtsgültig, eine Petition könne daran nichts ändern.

Christoph wolle den Fall weiterhin verfolgen und würde auch gern mit Luan persönlich über seine Haltung sprechen. "Sollte eine Einzelfallprüfung ergeben, dass Luan und seine Familie bleiben dürfen, würde ich mich natürlich für sie freuen."

Luan weiß noch nicht, wie es für ihn und seine Familie weitergehen wird. "Es ist ein großartiges Gefühl, so unterstützt zu werden", sagte er der "Leipziger Volkszeitung" . "Ich hoffe, dass ich in Deutschland bleiben kann, denn hier habe ich eine Zukunft. Ich will zeigen, dass ich etwas erreichen kann."

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