Lerntipps für Schüler Das merk ich mir
Die eine malt die Seiten bunt, die andere hört Musik, der dritte kaut Kaugummi. Jeder lernt anders und hofft, dass es funktioniert. Dass der Stoff bis zur nächsten Klassenarbeit sitzt, dass die Vokabeln nicht morgen schon wieder alle vergessen sind.
Das Jugendmagazin "Yaez" hat Schüler gefragt, wie sie sich auf den Unterricht vorbereiten. Drei haben ihre Lerntricks verraten: Sophie, 18, schwört auf Mindmaps und YouTube, Caspar, 18, auf die Fünf-Schritt-Methode und Sophie, 16, lernt ihre Vokabeln in unterschiedlichen Dialekten, mal Bayerisch, mal auf Schwäbisch oder Pfälzisch.
Wolfram Rollett, Professor für Bildungsforschung, hat sich anschließend diese Tipps angeschaut und bewertet: Ist es wirklich sinnvoll, so zu lernen? Und welche Lerntechniken gibt es noch?
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Lerntricks: Sophie paukt auf Pfälzisch
Sophie, 18, 12. Klasse, lernt mit YouTube
"Ich bin ein absoluter Farbenlerner - male praktisch jede Seite an und zeichne Pfeile und Mindmaps. Ansonsten hänge ich Lernposter oder Zettel auf. Weil ich gern koche, hängen besonders viele Stichwörter in der Küche. Was ich auch ganz hilfreich finde, sind YouTube-Videos. Da werden Vorgänge virtuell dargestellt. Meistens schaue ich mir Clips an, lasse mir vom Sprecher Schritt für Schritt den Text zum Video diktieren und bringe dann die Erklärung auf Papier. Gleichzeitig hole ich mein Heft und mache mir darin direkt Notizen. Das klappt ähnlich gut bei Hörbüchern, die der Autor selbst vorliest, weil mir die Betonung weiterhilft und ich so beim Lesen dranbleibe. Sonst brauche ich immer etwas länger für ein Buch."
Das sagt der Experte: Das Aufhängen von Zetteln und Plakaten zu Hause ist sehr nützlich. Beim Lernen im Vorbeigehen oder in Momenten, in denen man nichts zu tun hat, spart man viel Zeit. Orte wie die Küche, das Bett, der Esstisch, der Kühlschrank oder auch der Spiegel im Bad eignen sich dafür. Wichtig ist, die Zettel, die man schon gut im Kopf hat, regelmäßig auszutauschen. Am besten kommen die dann für das spätere Wiederholen in einen Ordner. Auch dass Sophie beim Lernen plappert, ist eine gute Methode. Da festigt sich der Stoff. Nur lesen und es sich merken reicht häufig nicht aus, denn der Lernstoff muss beim Üben seinen Weg auch nach draußen finden.
Caspar, 18, 12. Klasse, arbeitet mit der Fünf-Schritt-Methode
"Ich hatte oft Probleme mit längeren Texten. Gerade in Politik, Gesellschaft und Wirtschaft muss man oft mehr lesen. Außerdem sind die Texte nicht ganz ohne, wie beispielsweise die Wirtschaftstheorie von Keynes. Darum arbeite ich mit der Fünf-Schritt-Methode: Man überfliegt zuerst grob den Text, schreibt sich Fragen zum Thema heraus und arbeitet sich dann immer weiter in die Abschnitte ein. Am Ende hat man alle Fremdwörter nachgeschlagen und meistens alle Fragen beantwortet. Um mich richtig zu konzentrieren, verbarrikadiere ich mich in meinem Zimmer und strukturiere das Material auf dem PC. Das hat den Vorteil, dass ich die digitalen Dokumente später in der Abi-Vorbereitung benutzen kann. Ansonsten schlage ich viel im Internet nach."
Das sagt der Experte: Caspar geht lange Texte mit einem Masterplan an. Dabei geht er schrittweise vor. Wenn man sich zuerst einen Überblick verschafft und diese Struktur herausgefunden hat, fällt das Lernen so leichter. Andere lesen einen Text von vorne bis hinten. Sie laufen Gefahr, dass sie den Überblick verlieren. Gerade bei großen Textmengen kommt man dann nicht voran und verliert sich leicht in den Details. Caspar schreibt sich Fragen zum Text auf. Die kann er dann abarbeiten und hat somit schon einen Plan für das Lernen. Über das hinaus, was in der Schule gemacht wird, bezieht Caspar andere Quellen ein und schlägt im Internet Dinge nach. Das schließt Wissenslücken und erhöht das Verständnis.
Sophie, 16, 12. Klasse, spricht Vokabeln in unterschiedlichen Dialekten
"Zum Vokabelnlernen habe ich eine ganz eigene Lerntechnik entwickelt: Ich versuche, die Wörter in unterschiedlichen Dialekten auszusprechen, mal auf Bayerisch, mal auf Schwäbisch oder Pfälzisch. Das klingt so lustig, dass ich mir die Wörter dadurch viel besser merken kann. Die Idee kam mal von meiner Mutter, die meinte, man solle sich beim Lernen Eselsbrücken bauen. Ich würde mich mit meinen Dialekten aber nie in die Schule stellen und die vor den anderen laut vorsagen. Aber manchmal ertappe ich mich im Unterricht, dass ich die Vokabeln in den Dialekten im Kopf nachspreche. Meine Freundin aus England hat sich meine Lernmethode von mir abgeguckt. Die lernt jetzt auch mit Cockney-Akzent oder schlägt einen schottischen Ton an."
Das sagt der Experte: Sophie spricht Vokabeln in verschiedenen Dialekten aus und hat Spaß dabei. So schafft sie es, beim Lernen positive Gefühle zu erzeugen. So lernt man schneller und merkt sich den Lernstoff länger. Diese Art zu lernen klappt genauso bei Mathe. Zum Beispiel kann man aus Formeln eine Geschichte machen: "Ein A mit einer 2 auf dem Kopf trifft ein B mit einer 2 auf dem Kopf. Sagt das A zum B: Gleich treffen wir ein C mit einer 2 auf dem Kopf." Gerade weil es albern ist und man es sich gut vorstellen kann, merkt man sich das besser als a²+b² = c².
Protokolle: David Fischer für das Jugendmagazin "Yaez"